Jahr: 2017

Bitte berühren!

Bitte berühren! Mit Feingefühl vom Handschlag zum Händchenhalten… Wo gibt es denn so etwas, ein Schild mit der Aufforderung: „Bitte berühren“? Vielleicht auf einem Erlebnispfad im Wald oder in einem Kinderspiel. Viel häufiger begegne ich in meinem Alltag Schildern mit der gegenteiligen Aufforderung: „Bitte nicht berühren“. In unserer Gesellschaft ist die Berührung mit der Hand als Form der Begrüßung etwas ganz Normales. Üblicherweise berühren wir uns mit den Händen, mit den Handinnenflächen zur Begrüßung. Und auch bei näheren oder intimeren Formen der Begrüßung wie der Umarmung oder dem Kuss ist es üblich, dass ich zunächst mit der Hand mein Gegenüber berühre. Muss ich mich schützen? Die Innenflächen der Hand gehören bei uns Menschen zu den besonders differenzierten Arealen für die Sinneswahrnehmung. Im groben Bereich wird in der Berührung sofort entschieden, ob irgendeine Bedrohung vorliegen kann. Die Mediziner sprechen von der protophatischen  Wahrnehmung. Dies sind insbesondere Meldungen der Temperatur und des Schmerzes, wie bei einer heißen Herdplatte oder einem scharfen Gegenstand. Mit der Wahrnehmung kann ich entscheiden, ob ich meine Hand und meinen Körper besser schützen …

Sinn von Einsamkeit

Der tiefe Sinn von Einsamkeit – reloaded

Der tiefe Sinn von Einsamkeit Wer ist schon gerne alleine? Wir werden in eine Familie hineingeboren, werden von Anfang an umsorgt und gehegt und gepflegt – werden Teil einer mehr oder weniger kleinen Gemeinschaft und fühle uns dort hoffentlich pudelwohl. Dann geht es in den Kindergarten – auch hier schön eingeteilt in Gruppen – Spielecke, Puppenecke, immer schön zusammen spielen. Steht ein Kind irgendwo allein und das häufiger, wird gefragt, was hat es denn – “Bedrückt Dich etwas?” Und weiter geht es in die Schule – auch hier Klassengemeinschaften, Klassensprecher, Ausflüge, Klassenparties und Abi-Streiche und anschließend der große Ball, das Trauern, wenn man auseinandergeht, weil die schöne Gemeinschaft vorbei ist. Und in den Jahren davor lernte man das Verliebtsein, den Schmerz der Trennung und die Suche nach neuen Beziehungen. Nicht wenige, die damit nicht Schritt halten konnten, die mehr allein als zusammen mit anderen waren, die in Einsamkeit ertranken – sie landen bei Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen, in psychiatrischen Kliniken, ja, und nicht selten in Notfallambulanzen. Können wir vom Sinn der Einsamkeit sprechen? Hat Einsamkeit überhaupt einen …

Gott lässt meine Seele ruhig werden

Gott lässt meine Seele ruhig werden Während ich diese Zeilen schreibe, scheint der Sommer sich in den Urlaub verabschiedet zu haben. – Natürlich es gab auch schöne warme, und sogar auch heiße Tage (ganz so, wie ich es liebe!), aber der seit Tagen anhaltende Dauerregen zieht mich ganz schön runter… Dabei benötigt der Körper doch das wärmende Licht der Sonne, um aufzutanken und sich für den nächsten Winter zu wappnen, der mit Sicherheit wieder kommt. Abgesehen davon: anders als in Niedersachsen, wo die Sommerferien sich langsam dem Ende zuneigen, fahren andere Menschen ja jetzt erst in wohlverdienten den Urlaub. Für mich selbst steht die Erholungszeit auch noch bevor. Auch wenn es mich eher in die warme Sonne zieht, werde ich in diesem Jahr im Münsterland auf das Haus von Freunden aufpassen. Die Psalmen: Begleiter durch das Jahr und Begleiter im Urlaub Nachdem ich vor vier Wochen schon geschrieben habe, dass ich mich in diesem Urlaub mit zwei Psalmen beschäftigen möchte, eben Psalm 18 und Psalm 114, ist in den vergangenen Tagen noch ein dritter hinzugekommen, …

Morgenritual – an fünf Fingern abgezählt

Morgenritual – an fünf Fingern abgezählt Der Morgen hat es ja immer irgendwie in sich. Es gibt die Morgenmuffel, die Kaffeejunkies, es gibt die Jogger und die Langschläfer, die Lass-mich-in-Ruhe-Menschen und die Ich-rede-gerade-morgens-viel-Mitbewohner. es gibt die Teetrinker, die Müsliesser, die Brötchenfreunde und die Zeitungsleser… kaum eine Tageszeit bringt so viele Typologien hervor, in kaum einer Tageszeit werden so viele Eigenarten gelebt. Der Morgen hat es in sich, denn er bereitet uns auf den Tag vor und auf all das, was auf uns wartet – manches wissen wir, manches bleibt Überraschung (gute oder schlechte). Mönche lieben den Morgen Schon die frühen Mönche wussten, dass der Morgen einen eigenen Zauber hat. Ihn völlig zu verschlafen, kam ihnen nicht in den Sinn, ganz im Gegenteil. Die meisten Mönchsväter liebten es sehr früh aufzustehen und erste Psalmen zu rezitieren, zu meditieren oder zu beten. Es ging ihnen um die Stille, die noch über der Welt liegt, das natürliche Schweigen, das man tagsüber oft vergeblich sucht und das Faszinosum, dass der Tag neu erschaffen wird, dass durch das Aufgehen der …

Wenn der Ärger auf den Magen schlägt

Wenn der Ärger auf den Magen schlägt „Das ist mir ganz schön sauer aufgestoßen“ Hin und wieder habe ich diesen unangenehm sauren Geschmack im Mund. Magensäure hat sich wieder nach oben gedrückt und hinterlässt einen unangenehmen Geschmack. Selten passiert mir das, weil ich zu viel Fettiges gegessen habe – solche Speisen mag ich nicht so gerne. Häufiger ist die Ursache, dass ich mich ziemlich geärgert habe über etwas, meistens noch in einer Situation, in der ich meinen Ärger auch nicht äußern konnte. Dann ist der Magen unter Druck geraten. Tatsächlich ist mein Magen wie ein kleiner Tacho für meine Seelenlage. Blähungen oder Druckgefühl kommen meistens nicht wirklich überraschend. Mittlerweile kann ich sie einordnen, denke schmunzelnd: Ach, das hat Dir jetzt doch ganz schön viel ausgemacht. Warum reagiert gerade der Magen auf Stress? Wenn unser Gehirn eine Situation als bedrohlich wahrnimmt, dann meldet es dies an die Nebenniere und die wiederum setzt eine große Menge des Stresshormons Cortisol frei. Das führt dazu, dass die Atmung beschleunigt wird, das Herz schneller schlägt und die Muskulatur durchblutet wird. …

Faulheit

Lob der Faulheit – reloaded

Lob der Faulheit Ja, es ist Sommer und es ist Zeit für den Urlaub – für Faulheit. Wir setzen uns an den Strand, schauen von der Bergspitze ins Tal, genießen Ausblicke und Einblicke, sitzen in den Cafés der Stadtplätze, bleiben länger liegen, gehen Essen anstatt selber zu kochen und einfaches Dasitzen hat Hochkonjunktur. Das Lob der Faulheit siegt wieder über unseren Alltag und über unser Beschäftigtsein zu den anderen Zeiten des Jahres. Ich lese, dass Faulheit der mangelnde Wille, aktiv zu sein bedeuten soll. Wer faul ist, wird nicht selten beschimpft, man geht seinen auferlegten Aufgaben nicht nach, ist nicht produktiv, der Gesellschaft nicht dienlich. Faul zu sein ist ein Schimpfwort. Dürfen wir überhaupt faul sein? Ist Fleiß nicht ein viel konstruktiverer Wert, der uns und die Gesellschaft weiterbringt? Faulheit und Glaube Schon die Wüstenväter und -mütter und die vielen anderen Mönche kannten den Begriff der “Trägheit des Herzens”. Der Fachterminus dazu heißt Acedia. In anderen Schriften auch der Mittagsdämon genannt, der aktiv wird, direkt nach dem Mittagessen, wenn die Hälfte des Tages vorbei ist …

Erfolg im spirituellem Leben

Erfolg im spirituellem Leben?

Erfolg im spirituellem Leben? Erfolg zu haben ist ein gutes, ja, ein schönes Gefühl. Die Arbeit ist halbwegs getan, die Ziele erreicht und man kann zufrieden das Ergebnis anschauen. Es ist dieses unglaublich angenehme Empfinden der Zufriedenheit und Genugtuung, das sich in einem breit macht und ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Man freut sich, klopft sich sprichwörtlich auf die Schultern, lässt sich feiern, erhält wohlmöglich eine Gratifikation und geht erhobenen Hauptes nach Hause, sich dessen bewusst, etwas geschafft zu haben. Mir scheint, dass vor allem jüngere Menschen eine große Lust auf Erfolg haben. Im Internet gibt es zahlreiche Blogs und Foren, die sich mit Erfolg auseinandersetzen und Tricks und Tipps, Tools und Hacks verraten, um erfolgreich zu werden. Damit ist dann sehr oft gemeint, viel Geld zu haben, Häuser zu besitzen, den ultimativen Job zu bekommen, der natürlich seinerseits viel Geld verspricht. Einen Schritt weiter geht die digitale Branche, die verheißt – wenn man fleißig die Tipps beachtet – nicht mehr für Zeit bezahlt zu werden – sondern für Ideen und damit ein Einkommen …

Urlaub mit Gott

Urlaub mit Gott Die Urlaubszeit ist angebrochen. Viele Menschen sind schon verreist, andere bereiten ihre Reise noch vor. Auch für mich steht der Urlaub bevor. Und wie jedes Jahr stellt sich die große Frage: Was muss, was will ich alles mitnehmen? Abgesehen von der benötigten Kleidung gehört in mein Urlaubsgepäck eine nicht geringe Zahl an Büchern: Romane, Krimis, Reisebeschreibungen und – das Buch der Bücher! Denn ich habe mir angewöhnt, in den Ferien bewusst eine Zeit für die Bibellesung einzuplanen. In der Regel gehe ich dabei systematisch vor, indem ich plane dieses oder jenes Buch der Bibel als Ganzes zu lesen. Für die kommende Urlaubszeit habe ich mir das Buch der Psalmen vorgenommen, das mich im Stundengebet zwar das ganze Jahr über begleitet, aber gerade in einer von Verpflichtungen freien Zeit finde ich die Muße, mit einen Psalm auszusuchen, ihn zu lesen und zu meditieren. Die Psalmen: Begleiter durch das Jahr und Begleiter im Urlaub Zwei Psalmen möchte ich mir in besonderer Weise vornehmen: Zunächst Psalm 18, der in unserer monastischen Liturgie am Sonntagmorgen in …

Unsere Musiker am Sonntag: Anja Ritterbusch und Andreas Burckhardt

Anja Ritterbusch Wie bist Du zur Musik gekommen? Schon als kleines Kind habe ich ständig gesungen und über Klavierspielen und Ballett meine Leidenschaft für Musik und Tanz entdeckt. Mit elf schrieb ich meine ersten eigenen Songs in englischer Sprache und habe es genossen, mich am Klavier in ganz andere Welten begeben und mich mit meiner Stimme ausdrücken zu können. Als ich dann zum ersten Mal auf der Bühne stand, konnte ich nicht umhin, dieses Glücksgefühl immer wieder zu suchen und ganz viel neue Musik zu erforschen. Schließlich habe ich dann Jazzgesang sowie Musical Theatre Performance studiert und bin bis heute davon fasziniert, welche Kraft Musik hat und wie sie uns immer wieder neue Wege gehen lässt. Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst? Das sind sehr viele Menschen, Künstler und Situationen. Um nur einige Beispiele zu nennen: Norma Winstone, Fay Claassen, Maria Joao, Joni Mitchell, Ella Fitzgerald, Becca Stevens, Joao Gilberto..   Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen? Ich liebe den Klang von Kirchen, die Stille, …