Alle Artikel in: Zeit

Podcast: Wir altern nicht, wir leben!

Die Überschrift kam mir nach dem Gespräch mit Frau Richter in den Sinn. Ich habe sie zum Thema Älterwerden befragt und worüber sprachen wir? Wir sprachen über das Leben – und nicht nur über die eine oder andere Beschwerlichkeit und Besorgnis. Zu altern heißt zu leben – irgendwie tröstet mich dieses Wort und ermutigt mich. Wer will nicht leben? Wer will das Leben nicht genießen? Aber: Kann man das Älterwerden genießen? Nach dem Gespräch mit Frau Richter kann ich sagen, ja, das geht – vielleicht nicht alles, aber vieles, und Altern kann ein Geschenk sein.

Hilfe, ich werde alt

Altwerden ist keine Krankheit

Seit ich diesen Satz vor vielen Jahren das erste Mal bewusst aus dem Mund eines Hals-, Nasen- und Ohrenarztes gehört habe, verwende ich ihn selber gerne gegenüber meinen Patienten in der Praxis. Veränderungen der Stimme im Alter gibt es viele, und es ist für uns selbstverständlich, dass wir auch am Telefon, also allein über den Klang der Stimme, das Alter eines Menschen relativ gut einschätzen können. Eine alte Stimme klingt anders als eine junge Stimme. Zunächst entwickelt sich die Stimme in Lautstärkeumfang und Kraft. Später verliert sie die Höhe oder die Lautstärke, das Vibrato wird größer und vielleicht unsymmetrischer: Klangeindrücke, die in unserer Gesellschaft nicht positiv konnotiert sind. Aus guten Chören wird man dann zuweilen aussortiert, darf möglicherweise noch in die Seniorenkantorei wechseln, wenn man nicht sowieso schon in einem Chor ist, in dem man „mitaltert“. Altwerden ist keine Krankheit – aber manchmal fühlt es sich so an. Manche natürlichen Veränderungen des Alters sind kaum zu unterscheiden von einer Krankheit, die vielleicht nach einiger Zeit auch wieder weggeht. Und manchmal zeigt sich Altern gerade darin, …

Hilfe, ich werde alt

„Siebzig Jahre währt die Zeit unsres Lebens, sind wir bei Kräften, werden es achtzig.“ (Ps 90,10)

Vor nicht allzu langer Zeit las ich einen kurzen Zeitungsartikel, in dem darauf hingewiesen wurde, dass ein Drittel der heute dreißigjährigen Frauen ihren einhundertsten Geburtstag erleben würde – so sehr habe sich die Lebenserwartung in den vergangenen Jahren geändert. Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahrzehnten andauernd verlängert. Dabei spielt der Medizinfortschritt eine wesentlich geringere Rolle als Faktoren wie Friedenszeit, gestiegenes Einkommen, höherer Lebensstandard, bessere Ernährungslage usw. Das Alter in der Bibel An vielen Stellen der Bibel wird über das Alter sinniert, und die Begrenztheit der Lebenszeit des Menschen wird thematisiert; so auch in den Psalmen. Bei Psalm 90 etwa handelt es sich um ein sogenanntes Klagelied des Volkes, in dem die Hinfälligkeit des Menschen im Mittelpunkt steht. Vollständig lautet Vers 10: „Siebzig Jahre währt die Zeit unsres Lebens, sind wir bei Kräften, werden es achtzig. Ihr Bestes aber ist nur Mühsal und Beschwer; rasch geht es vorbei, – wir fliegen dahin.“ Und in Psalm 39 finden sich folgende Verse: „Herr, lass mich doch wissen mein Ende, und welches das Maß meiner Tage ist, …

Morgenritual – an fünf Fingern abgezählt

Die 5 meistgelesenen Artikel der vergangenen 12 Monate: Platz 2 Morgenritual – an fünf Fingern abgezählt Der Morgen hat es ja immer irgendwie in sich. Es gibt die Morgenmuffel, die Kaffeejunkies, es gibt die Jogger und die Langschläfer, die Lass-mich-in-Ruhe-Menschen und die Ich-rede-gerade-morgens-viel-Mitbewohner. es gibt die Teetrinker, die Müsliesser, die Brötchenfreunde und die Zeitungsleser… kaum eine Tageszeit bringt so viele Typologien hervor, in kaum einer Tageszeit werden so viele Eigenarten gelebt. Der Morgen hat es in sich, denn er bereitet uns auf den Tag vor und auf all das, was auf uns wartet – manches wissen wir, manches bleibt Überraschung (gute oder schlechte). Mönche lieben den Morgen Schon die frühen Mönche wussten, dass der Morgen einen eigenen Zauber hat. Ihn völlig zu verschlafen, kam ihnen nicht in den Sinn, ganz im Gegenteil. Die meisten Mönchsväter liebten es sehr früh aufzustehen und erste Psalmen zu rezitieren, zu meditieren oder zu beten. Es ging ihnen um die Stille, die noch über der Welt liegt, das natürliche Schweigen, das man tagsüber oft vergeblich sucht und das Faszinosum, dass …

10 Menschen, die mich in meinem Leben inspiriert haben

10 Menschen, die mich in meinem Leben inspiriert haben

Die 5 meistgelesenen Artikel der vergangenen 12 Monate: Platz 3 10 Menschen, die mich in meinem Leben inspiriert haben Ich halte Inspiration für die einzige mögliche Art der Weiterbildung und der Förderung eines Menschen. Warum? Weil ich glaube, dass innere Veränderung nicht durch ein äußeres Ereignis geschieht, sondern ein äußeres Ereignis setzt innere Suchprozesse in Gang und daraus ergibt sich ein vielleicht neues Verhalten. Der “Nürnberger Trichter”, der davon ausgeht, dass man Wissen in einen Menschen hineinschaufeln muss, ist ein Irrtum. Zwar kann man natürlich einiges an Fakten aufnehmen und abspeichern. Das allein ist aber noch kein Lernen – Lernen ist immer eine Verhaltensänderung, sagte mein Pädagogiklehrer vor über 30 Jahren. Damit aber kommt Inspiration zum Zuge, denn dabei werden Gedanken aufgenommen, die neue, eigene Gedanken evozieren und es entsteht bestenfalls eine Linie von weiteren Gedanken, Ideen und Einsichten, die zu einer neuen Haltung führen und damit letztlich zu neuem Verhalten. Zugleich kommt dem Lernenden als Subjekt eine entscheidende Rolle zu. Aber das wissen wir ja alle: Wer nicht lernen will, wird es auch nicht. …

Sinn von Einsamkeit

Der tiefe Sinn von Einsamkeit – reloaded

Die 5 meistgelesenen Artikel der vergangenen 12 Monate: Platz 4 Der tiefe Sinn von Einsamkeit Wer ist schon gerne alleine? Wir werden in eine Familie hineingeboren, werden von Anfang an umsorgt und gehegt und gepflegt – werden Teil einer mehr oder weniger kleinen Gemeinschaft und fühle uns dort hoffentlich pudelwohl. Dann geht es in den Kindergarten – auch hier schön eingeteilt in Gruppen – Spielecke, Puppenecke, immer schön zusammen spielen. Steht ein Kind irgendwo allein und das häufiger, wird gefragt, was hat es denn – “Bedrückt Dich etwas?” Und weiter geht es in die Schule – auch hier Klassengemeinschaften, Klassensprecher, Ausflüge, Klassenparties und Abi-Streiche und anschließend der große Ball, das Trauern, wenn man auseinandergeht, weil die schöne Gemeinschaft vorbei ist. Und in den Jahren davor lernte man das Verliebtsein, den Schmerz der Trennung und die Suche nach neuen Beziehungen. Nicht wenige, die damit nicht Schritt halten konnten, die mehr allein als zusammen mit anderen waren, die in Einsamkeit ertranken – sie landen bei Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen, in psychiatrischen Kliniken, ja, und nicht selten in Notfallambulanzen. Können …

Exerzitien

EDEKA-Exerzitien

Die 5 meistgelesenen Artikel der vergangenen 12 Monate: Platz 5 EDEKA-Exerzitien Einkaufen ist für viele eine lästige Pflicht, etwas, was man machen muss. Wer kommt schon auf die Idee, im täglichen oder wöchentlichen Einkauf die Chance zu einer spirituellen Übung zu sehen? Zwischen Butter und Gouda, zwischen veganem Käse und Sülze im Glas, was kann da schon spirituell sein? Ich bin selber mitverantwortlich für den Einkauf und vollbringe diese Aufgabe mehrmals die Woche. In der Nähe der Cella gibt es einen EDEKA-Markt, der immer wieder Anlaufpunkt für die eine oder andere Sache für unseren Haushalt ist. Ich mache mit mir, dem Personal, den Miteinkäufern und den Waren ganz unterschiedliche Erfahrungen. Diese Erfahrungen haben mich dazu angeregt darüber nachzudenken, ob Einkaufen nicht auch für spirituelle Exerzitien genutzt werden kann – immerhin sind wir ein Stadtkloster und damit gehört die ganze Stadt zu unserer Klausur, also auch der EDEKA-Markt. Meine Erfahrung mit dem Einkauf wechselt zwischen lustvollem Vollbringen und lästigem Vollzug. Mal nerven mich die aus Langeweile Einkaufenden, mal amüsieren sie mich, mal kann es an der …

Rituale für den Alltag

10 Rituale für Deinen Alltag

Rituale für den Alltag Tatsächlich – es kann passieren oder etwa nicht? Es kann passieren, dass man aufsteht und erst am Abend im Bett, kurz bevor man das Licht löscht, merkt, dass man wieder einen Tag gelebt hat. Was war nochmal dazwischen? War da Leben? Habe ich gearbeitet? War ich zufrieden? Habe ich etwas erfahren, habe ich geliebt, habe ich geantwortet auf die unhörbaren Fragen der anderen? Konnte ich lauschend verstehen die Tiefe des Daseins, die sich manchmal im Banalen offenbart? Oder war alles nur verträumt, irgendwie existiert und vegetiert? Wer will schon so leben, ohne zu merken, dass man lebt? In unserem Alltag braucht es kleine Zeiten, minimale Zeiteinheiten, die den Fluss des Unbewussten durchbrechen, die mich innehalten lassen, die mich fordern ohne anzustrengen, damit ich erkenne und spüre, dass ich lebe. Zeiten, minimale, wie gesagt, die mir gut tun und mich aufhorchen, ja, aufatmen lassen. Rituale für den Alltag sind solche Zeiten – nicht zu verwechseln mit Gewohnheiten. Gewohnheiten bleiben unbewusst, fliegen so vorbei, sind hilfreich für die immer gleichen Tätigkeiten, Dinge, die …