Glaube, Nikolaus
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Was ist Populismus?

Was ist Populismus?

In der dritten Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche (1993-2001) sucht man vergeblich nach dem Schlagwort „Populismus“. In Meyers Enzyklopädischem Lexikon von 1977 aber wird man fündig. Hier wird Populismus als eine französiche literarische Richtung beschrieben, die Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufgekommen ist. Dort heißt es: „ Der Populismus wandte sich sowohl gegen den Intellektualismus und Psychologismus einer im Grunde realitätsfremden bürgerlichen Literatur …  als auch gegen den sozialen Extremismus des Naturalismus.“

Populismus ist momentan in aller Munde

Im Zusammenhang mit den Chemnitzer Demonstrationen der vergangenen Woche ist das Schlagwort in aller Munde. Aber in Chemnitz geht es doch wohl kaum um Literatur!?

Laut Duden ist Populismus eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik mit dem Ziel, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen zu gewinnen“.

Tatsächlich betonen Populisten häufig den Gegensatz zwischen dem „Volk“ und der „Regierung“ beziehungsweiser der „Elite“ und versuchen den Eindruck zu erwecken, sie stünden auf der Seite des einfachen Volkes. (Lesenswerte Beiträge zum Thema finden sich auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/apuz/75845/populismus.)

Christen können keine Populisten sein!

Wenn wir die Botschaft Jesu ernst nehmen, können wir als Christen keine Populisten sein!

Gerade am vergangenen Sonntag hörten wir dazu eindeutige Worte Jesu, die er den Schriftgelehrten und Pharisäern sagte, als die auf die Einhaltung von Geboten drangen: Sehr populistisch übertrugen diese das alte Reinheitsgebot – ein gottgegebenes Gebot, das für Priester galt – auf alle Juden (vgl. Mk 7, 1-8.14-15.21-23).

Dass der Reiche sich vor dem Essen die Hände waschen konnte, weil er Sklaven hatte, die ihm das Wasser brachten, ist klar! Dass aber der arme Feldarbeiter den Schluck Wasser, den er in seinem Lederschlauch dabei hatte, nicht zum Stillen seines Durstes, sondern zur Reinigung seiner Hände nutzen sollte, ist widersinnig. Und das macht Jesus klar!

Zurück ins Heute:

Wenn ich in den Nachrichten Bilder von einem marodierenden Mob sehe, wird mir speiübel. Nebenbei bemerkt: Dass Menschen den gewaltsamen Tod eines Menschen nicht hinnehmen wollen und das öffentlich bekunden, ist vollkommen richtig! Aber die Art und Weise, wie dies in den vergangenen Tagen in Chemnitz geschehen ist, macht deutlich, dass es den „Organisatoren“ um etwas anderes geht, nämlich schlicht und einfach um: Populismus.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit!

Diesen Satz schreibt Paulus in seinem Galaterbrief (Gal 5,1).

Ich möchte in Freiheit leben können – und (frei nach Immanuel Kant): Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit meiner Schwester, meines Bruders beginnt…

5 Kommentare

  1. Schade. Ihr seid nicht gut informiert. Es hat keinen Mob gegeben.
    Ihr wart für mich die letzte kirchliche Instanz, die sich nicht politisch macht.
    Ich bin sehr enttäuscht von Euch und traue Euch nun nicht mehr.

    • Torsten sagt

      Verehrte Eva,
      Danke für Ihren Beitrag. Er ist der wichtigste hier in der Kommentierung, drückt er doch aus wie sehr die gesellschaftliche Zerrissenheit bis hinein in den Ruheraum christlicher Refugien getragen wird. Tun Sie aber bitte eines nicht: Die Enttäuschung über Ihr Denken herrschen lassen und das Vertrauen verlieren. Da, wo Geschwister im Glauben Gemeinschaft haben, vertrauen sie nur auf den einen HERRN. Das Vertrauen gründet sich nicht auf die anderen, schon gar nicht auf deren politische Sichtweise. Bruder Nikolaus hat sich bei der Suche nach der Definition des Populismus für die jenem zugeschriebenen Merkmale aus dem Duden entschieden und auf die heutige Situation der Demonstranten projiziert. Diese Meinung steht ihm zu, wenngleich er auch einem kolossalen Irrtum unterliegt, haben doch Generalstaatsanwaltschaft, Ministerpräsident, Polizeipräsident und die einzige mit Journalisten vor Ort anwesende Freie Presse allesamt keine Hetzjagden gesehen, und war der angeblich marodierende Mob doch Gegenstand einer Videosequenz fraglichster Quelle. Es sind also nicht nur die offiziellen Quellen nicht zur Kenntnis genommen worden, auch vom Studium alternativer ist nicht im Ansatz etwas erkennbar und dennoch wird dieser nonexistente Sachverhalt zur Grundlage des Beitrags gemacht. Das ist auch eine Form von Populismus. Ich habe mit solchen Meinungen keine Probleme. Sie würden es erst, wenn Ihre und meine Meinung nicht erlaubt würden. Jesus Christus ist sowohl für die Populisten gestorben wie auch für diejenigen, die die Populisten ausschließen oder ihnen sagen wollen, daß sie keine Christen seien.
      @Lieber Bruder Nikolaus, wenn einem Menschen speiübel geworden ist, dann hat er häufig etwas Verdorbenes zu sich genommen. Dem kann in der Regel mit einem Gegenmittel begegnet werden; etwas Alternativmedi(en)zin wirkt der verdorbenen Frucht entgegen, beruhigt den Magen und schafft wieder einen reinen und gesunden Körper. Wir sehen aus dieser (wünschenswerten) Diskussion auf Ihren Essay, daß die Menschen in einer Zeit epochaler Umwälzungen Zuflucht nach Bleibendem suchen. Dem steht der Beifall zum Zeitgeist entgegen, der tatsächlich in aller Munde geführt wird – da haben Sie schon recht. Vielleicht sollten die Cella und auch ihre Internetseite frei von politscher Verkündung bleiben, deren mediales Trommelfeuer bereits überall dröhnt; liegt doch das Kerngeschäft der Cella woanders. Jedenfalls gehört ein solcher Beitrag nicht unter die Rubrik ‚Glaube‘.

  2. Evelyn sagt

    Eva, ich weiss nicht genau wie es war. Doch Christen müssen sich einmischen, dürfen weder zu Gewalt noch zu Unrecht schweigen. Jedoch immer gleichzeitig mit dem Mühen, Frieden im eigenen Umfeld zu leben.
    Nur dann ist unser Widerstand ehrlich.

  3. Susanne sagt

    Lieber Nikolaus, danke für die klare Positionierung. Es ist wichtig nicht zu schweigen, finde ich. Danke!

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