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Über den Sinn der Fastenzeit

„Potus non frangit ieiunium!“ „Der Trank bricht das Fasten nicht!“ So lautet eine alte Mönchsregel, die das Fasten in den Blick nimmt. – Und doch mögen die am vergangenen Wochenende von manch einem Kater Betroffenen den Aschermittwoch herbeigesehnt haben. Denn spätestens seit dem vergangenen Mittwoch haben wir uns alle geistig und so manch einer von uns auch körperlich auf die Fastenzeit eingestellt.

Wenn ich den Begriff Fastenzeit höre, denke ich immer sogleich an Verzicht und Abstinenz und schäme mich innerlich, weil ich die moralischen Forderungen, die mit diesen Begriffen einhergehen, nur selten erfüllen kann…

Wie hat sich die Fastenzeit entwickelt und was ist ihr Sinn?

Bevor wir in die geschichtliche Entwicklung eintauchen, muss der Name geklärt werden: Die nur im Deutschen übliche Bezeichnung Fastenzeit ist recht unglücklich gewählt, da sie nur einen Teilaspekt dieser Tage und Wochen vor Ostern hervorhebt. Die lateinische Bezeichnung Quadragesima ist da viel sachlicher, bezeichnet sie zunächst doch nur den 40. Tag vor dem Osterfest und dient erst später als Bezeichnung für den gesamten Zeitraum der vierzig Tage.

Der andere (seit dem Zweiten Vaticanischen Konzil gebräuchliche) Name vorösterliche Bußzeit deutet schon eher auf den Inhalt dieses Zeitraums vor Ostern hin, dass sich nämlich die Gläubigen (insbesondere die Taufbewerber) auf das höchste Fest der Christenheit vorbereiten sollen.

Die frühen Christen des 2. Jahrhunderts hatten es viel einfacher als wir: Sie kannten nur ein zweitägiges Trauerfasten als Vorbereitung auf die Osternachtfeier. Dieses Trauerfasten wurde in der mitternächtlichen Tauf- und Eucharistiefeier durch die österliche Freude abgelöst. Im 3. Jahrhundert wurde dieses Fasten, wenn auch eingeschränkt, auf die ganze Karwoche ausgedehnt.

Doch bereits das erste Ökumenische Konzil von Nizäa spricht im Jahr 324 von einer Quadragesima wie von einer altbekannten Einrichtung. Die Konzilsväter begründeten die Dauer von 40 Tagen mit den 40 Jahren der Wüstenwanderung Israels in das Gelobte Land. Mit den 40 Tagen und Nächten, die Mose auf dem Berg Sinai verbracht hat. Mit den 40 Tagen, die der Prophet Elija auf dem Weg zum Berg Horeb gefastet hat. Aber auch das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste zum Auftakt seines öffentlichen Wirkens, von dem wir eben im Evangelium gehört haben, diente als Begründung für die 40-tägige Fastenzeit.

Weil man aber damals (wie auch heute) sonntags nicht fastete, suchte man im 5. Jahrhundert die Zahl der tatsächlichen Fasttage auf 40 zu erhöhen und erreichte dies in zwei Schritten: Man rechnete Karfreitag und Karsamstag (Bestandteile des österlichen Triduums) hinzu und kam so auf die Zahl 36, die man als zehnten Teil eines Jahres betrachtete. Nach Gregor dem Großen bezog man die vier Tage vor dem ersten Fastensonntag in die Quadragesima mit ein und gelangte so zum Aschermittwoch als ihrem Beginn.

Eine lange Tradition

In diesen Tagen und Wochen begegnet uns also eine 1500 Jahre alte christliche Tradition, die inhaltlich vor allem vom Katechumenat  und der Kirchenbuße bestimmt war.

Katechumenat nannte und nennt man die Zeit der Vorbereitung und Bewährung, in der die zu Taufenden in den Geist des Evangeliums und in die Gemeinschaft der Kirche hineinwachsen sollten, um dann in der Osternacht durch die Sakramente der Taufe, Firmung und Eucharistie zu „Vollbürgern“ im Volke Gottes zu werden.

Die Rekonziliation der Sünder erfolgte nach einer angemessenen Bußzeit am Gründonnerstag, so dass die Wiederversöhnten die Osterfeier wieder in lebendiger Gemeinschaft mit der Kirche begehen konnten.

Gemeinschaftliches Fasten mit Hintersinn

Die Gemeinden ließen aber die Taufbewerber und die Büßer nicht allein, sondern tauchten in solidarischer Weise in die Vorbereitungen mit hinein: Für die entscheidende Versammlung am Tisch des Herrn in der Osternachfeier sollten aller Hass und Streit ausgeräumt werden und die Gemeindeglieder sich in erneuter geschwisterlicher Liebe zusammenschließen.

Dem diente ursprünglich das Fasten als Ermöglichung von Almosen. Dem diente die Vermehrung der Gottesdienste und Unterweisungen (die in Rom schließlich zur täglichen gemeindlichen Messfeier führte)…

Das Fasten in der Quadragesima ist also eine sekundäre Entwicklung. Entscheidend sollte sein die Taufvorbereitung bzw. die Rückbesinnung an die Taufe und die daraus resultierenden Rechte und Pflichten und die Buße der Gläubigen für begangenen Verfehlungen.

In der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils betonen die Konzilsväter für diese Zeit vor allem die Bedeutung der Tauferinnerung. Aus einem vermehrten Hören auf das Wort Gottes und einem eindringlicheren Gebet erwächst ein intensiveres Christentum, das schließlich in der Feier des Pascha-Mysteriums mündet.

Wer einen wachen Blick für die Liturgie hat, entdeckt, dass wir zwar auf Gloria und Halleluja verzichten, dass wir auch am Sonntag an der strengen Farbe violett festhalten. Doch wir tun dies in einem ganz besonderen Bewusstsein, wie es in einer Präfation für die Quadragesima heißt:

„Jedes Jahr schenkst du deinen Gläubigen die Gnade, das Osterfest in der Freude des Heiligen Geistes zu erwarten. Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße zum Gebet und zu Werken der Liebe, du rufst uns zur Feier der Geheimnisse, die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern. So führst du uns mit geläutertem Herzen zur österlichen Freude und zur Fülle des Lebens durch unseren Herrn Jesus Christus.“

Wie hältst Du es mit der Fastenzeit?

2 Kommentare

  1. Avatar
    Christine sagt

    Lieber Bruder Nikolaus,
    danke für den sehr informativen Artikel. Ich faste seit ein paar Jahren etwas ganz anderes. Ich verzichte in diesen 7 Wochen z. B. darauf, das letzte Wort zu haben und halte mich auch ansonsten bewusst zurück, was „Vielrederei“ angeht – „weniger reden, besser zuhören“ ist dann meine Devise.
    Beste Grüße in die Cella sendet Christine

    • Bruder Nikolaus
      Bruder Nikolaus sagt

      Liebe Christine,
      Danke für die Rückmeldung. Durch die momentan erzwungene Situation kann das ja eine gute Einübung für andere sein: „weniger reden, besser zuhören“, vielleicht und vor allem im Gespräch mit Gott…
      Lieben Gruß
      Nikolaus

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