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Mystiker werden 3 – reloaded

Foto: unslpah.com/Alex Wigan

Mystiker werden 3

Weiter geht es mit unserer Reihe: Mystiker werden, eine Anleitung. Ich möchte nochmals eins deutlich machen, weil ich es so wichtig finde:
Natürlich gibt es die außergewöhnlichen Menschen, auch Menschen mit Erscheinungen und besonderen Erfahrungen. Wir kennen sie: Hildegard von Bingen, Meister Eckhart, Gertrud die Große, um nur ein paar zu nennen. Das sind natürlich alles Mystiker. Es wäre aber falsch zu meinen, dass der Begriff Mystik nur auf diese Menschen beschränkt ist. Mystik ist eine besondere Art des Zugangs zum Glauben und zum Leben, die jedem offen steht – auch ganz ohne Erscheinungen haben zu müssen oder tiefsinnige Bücher geschrieben zu haben.

Ich möchte Dich daher nochmals sehr ermutigen, das Wort Mystiker nicht auf das Paranormale zu beschränken, sondern es ein wenig zu veralltäglichen und zu normalisieren. Denn tatsächlich: auch Du kannst eine Mystikerin/ein Mystiker werden und sein.

Und weiter geht es mit der Anleitung:  

Suche die Stille

Mystik hat immer etwas mit dem Leerwerden zu tun und Stille ist die wichtigste Übung. Nicht viele Worte machen, unendlich lange Gebete nachsprechen. Das alles kannst Du lassen. Aber still zu werden, zu atmen und in die Liebe hineinzuatmen, ganz bewusst, ganz gesammelt und jeden Gedanken ziehen lassend, davon solltest Du nie lassen.
Sitz einfach da, ruhig und still: schließ die Augen, atme ganz ruhig und verbinde Dich so mit Deinem innersten Raum und mit Gott. Mehr ist nicht nötig.

Sprich nicht darüber

Mystiker zu werden ist nichts für die Zeitung und nichts für den Kaffeeklatsch. Es ist immer auch etwas Demütiges und entzieht sich deshalb dem hellen Licht der Öffentlichkeit. Wer viel darüber spricht, wer große Vorträge über die eigene mystische Existenz hält, dem sei kritisch gegenüber eingestellt. Suche Dir lieber nur einen einzigen Menschen aus, einen, der auch die Mystik lebt, und sprich mit diesem darüber. Das reicht.

Liebe die Natur

Mystik ist keine Weltflucht – Mystik schaut durch die Welt auf einen tieferen Grund. Gehe oft in die Natur – zu jeder Jahreszeit. Schau dem Wachsen und Vergehen zu. Auch der regnerischste Tag hat seinen Reiz, hör also auf über das Wetter zu klagen. Wenn Du nicht gerade Bauer oder Gärtner bist, ist das Klagen über das Wetter nicht angebracht und eher ein Zeichen innerer Unausgeglichenheit.
Genieße vielmehr das, was die Natur schenkt – selbst in einer Großstadt und habe Achtung vor allem, was lebt und lebendig ist. Mystik ist ohne Liebe zur Natur nicht denkbar.

Trink aus der Quelle

Damit meine ich, dass Du lesen sollst. Lies aber nicht nur Bücher von Menschen, die über Bücher von anderen Menschen schreiben. Das kann für den Einstieg ja hilfreich sein. Aber es wird Dich auf Dauer nicht sättigen. Nein, beginne die Bücher von Menschen zu lesen, die wirklich etwas erfahren haben. Das können natürlich auch Bücher aus anderen Religionen sein, vor allem, wenn es Berichte über Erfahrungen sind. Das wird nicht immer leichte Kost sein, selten sind es Bücher, die in den spirituellen Bestsellerlisten stehen. Manche sind auch literarisch nicht sonderlich herausragend. Aber darum geht es nicht. Du wirst spüren, wenn die Zeilen und Worte erfahrungsgesättigt sind. Nimm Dir die Predigten und Texte von Meister Eckhart, von Johannes Tauler oder Simone Weil. Mit der Zeit werden Dir die richtigen Bücher gezeigt.

Mit diesen einfach Hinweisen und Übungen kannst Du wieder ein Stück näher kommen, Mystikerin oder Mystiker zu werden zu können.
Wie immer: ich freue mich über Kommentare!29

2 Kommentare

  1. Avatar
    michael sagt

    Hallo David, wieder einmal Danke für Deine Gedanken zum Mystiker sein.
    Gut, dass Du es auf heilsame und demütige Weise vereinfachst,
    runter holst von den großen Erfahrungen, die man zu unrecht allein mit Mystik verbindet.
    Für mich ist ja Johannes vom Kreuz nach wie vor einer der ganz großen wirklichen Mystiker des Abendlandes. Und ihn wollet man auch einmal zu einer großen, bekannten Mystikerin holen, die man unbedingt erlebt haben muss, weil sie so ungewöhnliche Erfahrungen macht, und sie wohl auch etwas laut darüber redete.
    Und was hat Johannes vom Kreuz gemacht?
    Er hat dankend abgelehnt und ist bei Nacht an den Stand gegangen und hat den Sternenhimmel betrachtet und sich ganz in die Stille dieser Nacht ergeben.
    So war er dem lebendigen Gott ganz nahe und hat sicher dabei Seine Liebe gespürt.
    Was will man mehr??
    Herzliche Grüße von Berlin nach Hannover mit
    pace e bene von
    michael
    🙂

    • Bruder David
      Bruder David sagt

      Hallo Michael, ich finde, dass es eine ganz besondere Qualität des Lebens und Glaubens ist, wenn man in der Lage ist im Verborgenen zu bleiben und zu wirken. Es ist der Verzicht auf Anerkennung, auf Ruhm und Bekanntheit. Wer das aushalten und wählen kann – was nicht heißt, das man es muss, was auch nicht heißt, dass es gut wäre, wenn alle im Verborgenen blieben (es braucht Menschen, die sich zeigen) – und nicht einfach duckmäuserisch oder schlicht introvertiert ist, der ist für mich zutiefst überzeugend und ehrlich. Ich glaube auch, dass solche Menschen viel bewirken können – auf ganz andere Weise. Es wird nur niemand darüber sprechen und man wird sie bald nach ihrem Tod vergessen. Ein solcher Mensch scheint mir auch Johannes vom Kreuz zu sein – ich habe mich bisher wenig mit ihm beschäftigt, aber auch wenn ihn viele kennen, hat er sich offensichtlich die Verborgenheit bewahrt. LG David

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