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Jesus war nicht einzuordnen

„Er war nicht einzuordnen, dieser Jesus aus Nazaret. Er legte die Bibel aus, aber er tat es anders als die überall tätigen Ausleger“, so schrieb der vor fünf Jahren gestorbene evangelische Theologe Jörg Zink einmal.

Tatsächlich war Jesus ja kein „studierter“ Gesetzeslehrer. Und dennoch deutete er das Gesetz Gottes und legte es aus – in einer vollkommenen anderen Weise, als die Gesetzeslehrer seiner Zeit.

Mehrfach sprach Jesus vom kommenden Gottesreich. Aber anders als die Propheten seiner Zeit, sagte er, dieses Gottesreich liege nicht in ferner Zukunft, sondern sei schon längst angebrochen.

Jesuanische Freiheit

Jesus sprach auch davon, dass wir Menschen frei seien. Aber seine Freiheitsbotschaft war eine andere als die der Zeloten, jenen religiösen Eiferer seines Landes.

Auch sprach Jesus immer wieder neu von Gerechtigkeit, und meinte mit diesem Begriff etwas vollkommen anderes als die Rechtsgelehrten seiner Zeit.

Jesus versuchte, seine Zeitgenossen aufzubauen, indem er sie von der Knechtschaft der Gesetzesfrömmigkeit zu befreien suchte – hinein in die Freiheit der Kinder Gottes. Und seine Botschaft gilt bis heute!

Haben wir Jesus verstanden?

„Was er sagte“, so schrieb Jörg Zink, „war schön, war hilfreich und tröstlich, und es war zugleich unerhört hart und kantig.“

Jesu Botschaft gilt tatsächlich bis heute! Haben wir das verstanden? Ist das Bild vom sanften Hirten, der seine Schafe weidet, nicht eine Illusion: eine Illusion, zu dem romantische Bilder in den Schlafzimmern unserer Urgroßeltern ihn gemacht haben?

Vermutlich ist dieser Jesus ganz anders, viel radikaler, als so manch süßes Gerede vom „sanften Jesus“ uns glauben machen will:

„Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen! Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen! Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd! Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand das Deine wegnimmt, verlang es nicht zurück!“ (Lk 6,27-30)

Was bedeutet es für Dich, wenn Jesus das wirklich ernst gemeint hat?

Bruder Nikolaus Nonn OSB

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