David, Glaube
Kommentare 1

Erfolg im spirituellem Leben?

Erfolg im spirituellem Leben

Erfolg im spirituellem Leben?

Erfolg zu haben ist ein gutes, ja, ein schönes Gefühl. Die Arbeit ist halbwegs getan, die Ziele erreicht und man kann zufrieden das Ergebnis anschauen. Es ist dieses unglaublich angenehme Empfinden der Zufriedenheit und Genugtuung, das sich in einem breit macht und ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Man freut sich, klopft sich sprichwörtlich auf die Schultern, lässt sich feiern, erhält wohlmöglich eine Gratifikation und geht erhobenen Hauptes nach Hause, sich dessen bewusst, etwas geschafft zu haben.
Mir scheint, dass vor allem jüngere Menschen eine große Lust auf Erfolg haben. Im Internet gibt es zahlreiche Blogs und Foren, die sich mit Erfolg auseinandersetzen und Tricks und Tipps, Tools und Hacks verraten, um erfolgreich zu werden. Damit ist dann sehr oft gemeint, viel Geld zu haben, Häuser zu besitzen, den ultimativen Job zu bekommen, der natürlich seinerseits viel Geld verspricht.
Einen Schritt weiter geht die digitale Branche, die verheißt – wenn man fleißig die Tipps beachtet – nicht mehr für Zeit bezahlt zu werden – sondern für Ideen und damit ein Einkommen zu generieren, für dessen Steigerung ich nicht mehr arbeiten muss.

Was ist Erfolg?

Ist es das gefüllte Bankkonto, der wunderbare Job, die wohlerzogenen Kinder, das Traumhaus, das Leben ohne Eskapaden, die Gesundheit, die ja bekanntlich das wichtigste ist?
Erfolg ist keiner der Namen Gottes, heißt es. Stimmt das? Will Gott keinen Erfolg?
Ich kann das kaum glauben. Denn Jesus kam auf die Welt, um etwas zu bewirken, er wollte etwas verändern und Menschen erreichen. Nein, Jesus wollte erfolgreich sein, er wollte sehr gerne Erfolg – wie vielleicht viele junge Männer sich auch heute nach Erfolg sehnen. Gewiss ging es ihm nicht um Geld, nicht um das berühmte Häuschen im Grünen – aber es ging ihm doch sehr wohl um Ansehen, es ging ihm darum, Menschen zu verändern, zur Einsicht zu bringen, Hoffnung zu schenken. Man kann Jesus ja auch nicht unbedingt vorwerfen viel dafür getan zu haben, dass er nur ganz wenige Auserwählte erreicht. Er zog Massen an und musste notgedrungen dafür sorgen, ihnen zu Essen zu geben.

Kein Erfolg ohne Ziele

Es gibt keinen Erfolg, wenn es keine Ziele gibt. Bedeutet es doch erfolgreich zu sein, Ziele erreicht zu haben. Im spirituellen Sprachgebrauch wird selten von Zielen gesprochen. Ja, Ziele werde sogar in vielen Fällen abgelehnt. Man solle sie fallen lassen, loslassen, offen sein, sich an nichts festhalten und etwas fixieren. Überhaupt ist das Festhalten und Fixieren etwas, das in vielen spirituellen Büchern und Lehren abgelehnt wird – ähnlich wie das so genannte Ego abgelehnt wird, das ja wiederum Quelle all unserer Ziele und damit allen Übels ist.

die ziellose Kirche

Doch Ziele sind gut, Ziele sind wichtig – nicht nur in jungen Jahren. Menschen, die keine Ziele mehr haben, haben sich quasi aufgegeben. Innerhalb der Kirche kann man das oft erleben. Wir haben es häufig mit einer Kultur der Ziellosigkeit, ja, der Zielabneigung zu tun. Es wird nichts mehr wirklich gewollt. Es gibt keine Idee mehr, es gibt kein Bild von dem, was kommen soll. All die Konzepte, die man periodisch vorgesetzt bekommt, schmecken nach einem Zugeständnis an die Realität, nach einem Einknicken und vergeblichem Hinterherrudern. Nach einer wirklichen Idee aber schmeckt es nicht, es schmeckt nicht nach etwas Kühnem, nach etwas Großem. Es ist alles wohlberechnet, theologisch klar umrissen, mit Personal ausgestattet und finanziell nach Möglichkeit versorgt. Aber dahinter stecken oft keine wirklichen Ziele, weil nichts mehr gewollt wird. Stattdessen stecken dahinter Zahlen, wie viele noch da sind: Priester, Gläubige, Ehrenamtliche, Geld… Wir leben in der KIrche vielfach aus dem Noch – das aber ist keine Quelle wirklich großer Ziele.

Und auch in den Klöstern ist es oft nicht anders. Die Überalterung, die schwindende Größe, die Frage nach dem Aussterben sind auch wirklich keine einfachen Fragen. Sie sind wichtig, sie müssen gestellt werden. Aber das prophetische Zeichen wird darin oft nicht gesehen oder gelebt. Man gibt sich auf, wickelt sich selber ab, bleibt im Bisherigen stecken und lässt am besten alles so, wie es ist.

der motivierte Jesus

Erfolg? Ziele? Es fehlt noch ein Wort, ein Begriff, das eigentlich zuerst hätte genannt werden müssen. Das Wort heißt Motivation. Motivation ist Handlungsenergie. Jesus war motiviert – und wie! Man kann sogar sagen, dass er in einer bestimmten Art und Weise motiviert war. In der Psychologie werden drei Grundmotivationen unterschieden. Demnach war Jesus macht- und beziehungsmotiviert. Was er gewiss nicht wahr – obwohl als Handwerker vielleicht doch auch – er war vermutlich weniger leistungsmotiviert.
Das heißt, dass er motiviert war, mit Menschen in Kontakt zu treten und etwas zu verändern. Es ist Motivation, die andere Menschen ansteckt. Das ist die Energie, die wir spüren, wenn wir mit außergewöhnlichen Menschen zusammenkommen und das ist der Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen: Motivation und die Art und Weise der Motivation.

Ziele als Sätze oder als Bilder?

Ich brauche Motivation auch im spirituellen Leben – ansonsten würde ich nichts tun, gar nichts, kein Gebet, keine Meditation, kein Ritual, nichts. Das heißt… es wäre schon möglich, das alles aus Gewohnheit zu tun: man hat es ja schon immer so gemacht und eigentlich vergessen zu fragen, warum man es tut (das ist die Frage nach der Motivation, nach den Beweggründen). Was ich aber nur aus Gewohnheit tue zählt in gewisser Hinsicht nicht, es ist hat kaum einen Wert.
In vielen spirituellen Schulen wird von der Wachheit gesprochen, die es braucht. Bei diesem Rat geht es genau darum, nicht aus dem Autopiloten heraus zu handeln, sondern wach und damit bewusst zu beten, zu meditieren oder was auch immer zu tun.
Und auch der Zenmeister hat Ziele und der Bogenschütze ohnehin. Im japanischen Bogenschießen geht es wie überall darum, ein Ziel zu erreichen.
Und das Ikebana-Gesteck soll fertig werden, die Teekanne gefüllt werden, die Meditation in Stille vollzogen und auf Dauer gewinnbringend sein.
Der Unterschied ist der: mache ich etwas aus Absicht, gewollt oder aus einer tieferen Motivation heraus.
Oder noch anders gesagt: Speichere ich in meinem Inneren meine Ziele als Sätze oder als Bilder. Der Unterschied ist eklatant und für alle sofort spürbar!

Die Kunst zu leben

Wir brauchen Erfolg – auch als spirituelle Menschen – auch die Kirche braucht Erfolg, Erfolg, der spürbar ist, nicht denkbar!
Die Kunst, gute Ziele zu finden, ist die Kunst zu leben.

Hoffentlich wird es in unseren Gesellschaften, Kirchen und Klöstern wieder mehr Menschen geben, die von Zielen so sprechen können, dass andere aufhorchen und sich erheben. Das könnte viele und alles verändern!

 

1 Kommentare

  1. Uta sagt

    In Erfolg steckt er-folg(en). Also folgt etwas, etwas Anderem, das vorausgegangen. Eben ein Ziel. (Auch ein Nicht -Ziel-Setzen ist ein Ziel) Aus der Fokussierung erfolgt eine Bewegung, die dem Ziel entspricht. Also eine fokussierte oder eine unfokusaierte Bewegung. Mit Wachheit können wir die Art unserer Bewegung spüren und Erfolg und Gott.
    Danke David für Deinen Denkanstoß.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.