Glaube, Nikolaus
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Den Sonntag zelebrieren

Den Sonntag zelebrieren

Nach den Sonntagslaudes kauft einer von uns Brüdern Brötchen und anschließend nehmen wir uns Zeit, um in aller Ruhe zu frühstücken. Das erinnert mich immer daran, dass der Sonntag ein besonderer Tag ist. Gehen wir die Woche über direkt nach dem Frühstück an unsere Arbeit, so  genießen wir sonntags die gemeinsam Zeit mit viel Muße.

Den Sabbat heiligen

Am vergangenen Sonntag habe ich die Brötchen eingekauft, und auf dem kurzen Weg zum Bäcker gingen mir die Lesungstexte des Tages durch den Sinn, über die ich gut zwei Stunden später in der Pfarrkirche St. Joseph predigen sollte.

Da sollte in der alttestamentlichen Lesung aus dem Buch Deuteronomium das Gottesgebot, den Sabbat zu heiligen, erklingen (vgl. Dtn 5,12-15). Und im Evangelium drangsalieren die Pharisäer Jesus, weil sie seine Jünger erwischt haben, als diese am Sabbat Ähren abrissen, was ja wegen des Sabbatgebots verboten war (Mk 2,23-3,6).

Wie soll ich mich verhalten?

Soll ich also sonntags keine Brötchen kaufen, weil ja andere für deren Herstellung arbeiten müssen? Ich könnte sie ja auch am Vortag besorgen – dann sind sie zwar nicht ganz so frisch, aber das Frühstück wäre gegenüber dem Werktag doch aufgewertet…

Nun, es gibt viele Dinge, die auch trotz des Sonntagsgebots getan werden müssen: In Krankenhäusern etwa müssen Patienten gepflegt werden; die Polizei muss auch am Sonntag über Recht und Ordnung wachen; von dem Menschen im Gastgewerbe ganz zu schweigen, auf deren Dienste wir am Wochenende nicht so gerne verzichten möchten…

Wie verhält sich Jesus?

Jesus durchschaut die Durchtriebenheit seiner Gegner und sagt: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat. Deshalb ist der Menschensohn auch Herr über den Sabbat.“ (Mk 2,27f)

Bei allen Gesetzen und Geboten geht es um das Maß! Sie sollen den Menschen dienen, statt sie zu versklaven. Aber die Gesetzeslehrer zur Zeit Jesu hatten die alttestamentlichen Gebote um ein Vielfaches erweitert und damit ihre Mitmenschen bedrängt.

Jesus aber weiß: gerade das Sabbatgebot macht deutlich, dass der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt des göttlichen Handelns steht, genauer gesagt: das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung. Es ist auch das Bedürfnis nach den schönen Dingen im Leben: das Bedürfnis nach Musik und Spiel, nach dem Zusammensein mit lieben Menschen und mit der Familie…

Den Sonntag heiligen

Den Sabbat bzw. den Sonntag zu heiligen, heißt nicht, dass man nichts tut. Das Evangelium zeigt: Durch zu kleinliche, ja durch missverständliche Auslegung eines Gebotes wird der Sinn entstellt. Der Mensch, der von Gott zur Freiheit berufen ist, wird davon wieder versklavt. Steht das Einhalten eines Gebotes über den menschlichen Bedürfnissen, über notwendigem Helfen, über notwendigen Aufgaben, dann ist der Sinn verfehlt.

Man kann zwar hinterfragen, ob am Sonntag wirklich frische Brötchen auf den Tisch kommen müssen – aber es macht den Sonntagmorgen einfach schöner…

Vielleicht magst Du erzählen, wie Du Dir den Sonntag „verschönerst“…

1 Kommentare

  1. Heike sagt

    Ach ja, bei den Sonntagsbrötchen jammert immer mein Gewissen. Ich weiß nämlich aus meinem früheren Berufsleben, wie belastend ich es fand, am Wochenende arbeiten zu müssen, und wie ich es jetzt genieße, die Wochenenden und den Sonntag frei zu haben.
    Und doch kaufe ich inzwischen sonntags Brötchen. Es ist halt so schön, am Sonntag in Ruhe zu frühstücken, und alle anderen machen es ja auch, und wenn dann nur ich… ändert es auch nichts. Tja…

    Im übrigen muss ich am WE und auch am Sonntag meistens die Sachen erledigen, für die mir unter der Woche die Zeit fehlt. Aber ich versuche trotzdem, ab Samstag Abend im Gefühl zu behalten, dass Sonntag ist.

    Immerhin kann ich von der Berufsarbeit ruhen. Montags brauche ich dann Zeit, mich zu erinnern wo ich Freitag aufgehört habe und was ansteht. Darum werfe ich meist Sonntag Abend einen bewussten Blick in meinen Kalender, was die Woche beruflich und privat so bringen wird um mich darauf einzustellen. Ich habe dafür mal den schönen Ausdruck gehört „die kommende Woche segnen“.

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