Wir alle kennen diese tiefe Sehnsucht, nicht wahr? Die Sehnsucht nach Bedeutung. Wir möchten wichtig sein – für unsere Freunde, für die Menschen, die wir lieben. Und natürlich wünschen wir uns, dass diese Liebe erwidert wird.
Manche von uns tragen noch eine weitere Sehnsucht in sich: das Verlangen, etwas Besonderes zu sein. Nicht einfach nur beliebig, nicht nur einer von vielen, die durch die Straßen und Fußgängerzonen gehen, die jetzt in dieser Zeit über die Weihnachtsmärkte schlendern. Wir möchten auffallen, wir möchten wahrgenommen werden.
Gesehen werden in deiner Einzigartigkeit
Warum ist das so? Vielleicht, weil du als Kind nicht in deiner ganz eigenen, besonderen Qualität gesehen wurdest. Warst du auch einfach nur ein Kind, nichts Besonderes, nur eine von vielen?
Wenn du diese Erfahrung gemacht hast, sehnst du dich jetzt danach, für jemanden etwas Besonderes sein zu dürfen. Du sehnst dich danach, gesehen zu werden.
Wie viele Menschen sehnen sich danach, gesehen zu werden!
Gesehen in ihrer Qualität.
Gesehen in ihrer Fähigkeit.
Gesehen in ihrer Einzigartigkeit.
Das ist die tiefe Sehnsucht. Wir suchen nach diesem einen Menschen, der uns so sieht: in unserer Qualität, in unserer Einzigartigkeit.
Gott nimmt dich wahr: Eine Meditation der Achtsamkeit
Nun möchte ich dich um etwas bitten. Stell dir vor – und das ist nicht vermessen –, dass das Göttliche, dass Gott dich wahrnimmt.
Nicht irgendwann. Sondern in jedem einzelnen Augenblick deines Lebens.
Das Göttliche nimmt dich wahr. Und zwar ganz bewusst, in liebender Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.
Das ist wichtig: Er beobachtet dich nicht, um zu schauen, was du wieder falsch gemacht hast. Er sucht nicht danach, wo du den falschen Weg eingeschlagen hast, oder fragt sich, wie er oder sie nur so handeln kann.
Nein. Das Göttliche nimmt alles wahr in liebevoller Achtsamkeit.
Deine Besonderheit.
Deine ganz besondere Qualität.
Deine eigene Art, Dinge wahrzunehmen und zu empfinden.
Sogar das, was du tust und was für andere beobachtbar ist.
Ja, all das nimmt das Göttliche wahr.
Kennst du den Psalm, in dem es heißt: „Du kennst mich, oh Herr. Du durchschaust mich von ferne. Ob ich sitze oder gehe, du weißt um mich.“?
Man könnte diesen Satz so lesen, als würde man sich beobachtet fühlen. Aber sieh dich nicht beobachtet. Sieh dich als gesehen an.
Die Haltung des Gesehen-Werdens
An diesen Gedanken muss man sich vielleicht erst gewöhnen. Deswegen ist es eine Form von Meditation:
Gehe heute durch dein Leben, durch den Tag, durch diese Woche – und stell dir immer wieder vor: Das Göttliche, Gott, sieht mich.
Er nimmt mich als etwas Besonderes wahr.
Er sieht mich in meiner Besonderheit, in meiner Einzigartigkeit.
Er sieht, womit ich zu kämpfen habe und was ich tue.
Und was sieht das Göttliche, was kein anderer sieht?
Vielleicht deine ganz besondere Art, Dinge wahrzunehmen und zu spüren. Das nimmt das Göttliche auf.
Das Göttliche freut sich an all den Punkten, an denen es dir gelingt, deine Einzigartigkeit selber wertzuschätzen. Sie zu zeigen. Sie zu lieben.
Wenn es dir gelingt, dich in diese Haltung hinein zu meditieren, darin zu verstehen und zu glauben, dass das Göttliche dich liebevoll wahrnimmt, dann wirst du vielleicht später weniger Menschen brauchen, die dir diese Aufmerksamkeit im gleichen Maße schenken.
Was denkst du? Kannst du dich in diesen Gedanken fallen lassen, dass du in deiner Tiefe gesehen wirst?

