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Tybora Olevska

Unsere Musiker am Sonntag: Eugenia Olevska und Miroslav Tybora

Eugenia Olevska

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Seit ich mich erinnern kann, war es mein größter Traum, ein Musikinstrument zu erlernen. Im Alter von 9 Jahren haben meine Eltern mich in eine Musikschule geschickt und das war für mich der Anfang meines Musik Lebens.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Obwohl mein Vater kein Musiker war, hat er die Musik immer geliebt und verstanden. Dadurch, dass er viele Konzerte mit mir besucht hat, konnte er mir die Liebe zur Musik näherbringen.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

In einer Kirche zu spielen ist immer etwas sehr Besonderes. Denn die ist der Ort, an dem Mensche die Nähe zu Gott verspüren können. Bei der Möglichkeit in einer Kirche zu spielen, bekomme ich das Gefühl, viele Menschen mit meiner Musik im Herzen berühren zu können, was mir eine große Freude bereitet.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Ich würde mich für die Epoche Barock entscheiden, denn dies ist eine Epoche der Harmonie und Ordnung, Pracht, aber auch der Widersprüche. Es ist eine Vielfalt und deshalt gefällt es mir.

Miroslaw Tybora

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Zur Musik bin ich tatsächlich durch ein gemeinsames Spiel und Musizieren bei einer Kirchengemeinde in meiner Heimatstadt in Schlochau in Polen/Pommern gekommen. Zusammen mit meinen Freunden haben wir noch als Kinder und Jugendliche bei den Gottesdiensten musikalisch begleitet. Ich war damals 8, oder 9 Jahre alt.

 

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Es ist heute schwierig zu sagen. Da ich nicht von Musikerfamilie stamme, waren das wahrscheinlich meine Lehrer und meine Freunde, mit denen ich zusammen musiziert habe. Da ich mich in verschieden Musik Genres gerne bewege, waren das ziemlich viele Menschen. Doch auf eine ganz schreckliche und peinliche Situation kann ich mich gut erinnern. Ich habe vor mehreren Jahren mit Freunden bei einem Gipsy Swing Festival in Wilhelmshaven gespielt. Natürlich waren dort auch die meistens angesagten und bekannten „Zigeuner“. An einem Abend habe ich die peinliche Frage gestellt, die ich nie vergessen werde: „wer war eigentlich der „Django“ Reinhardt“? Hmm…

 

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Ich komme aus Polen, d.h. aus einem Land, wo man die Menschen fast nicht fragen muss, „glaubst du an Gott“? In so einem Land ganz normal ist, dass man in die Kirche geht. Dazu als Junge war ich Messdiener… Musikalisch habe ich immer gerne in den Kirchen gespielt. Die Akustik ist oft da genial, als Musiker genießt man das. Bei Cella Sankt Benedikt das besondere ist die große Offenheit auf und für einen einzelnen Menschen, die Wahrnehmung des Individuums.

 

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Wir haben viele Überlieferungen, Dokumente und Nachweise von vergangenen Epochen. Nicht viel wissen wir was genau vor dem X Jahrhundert geschehen ist. Ganz wenig können wir uns vorstellen, wie die Musik in der Zeit am Anfang der neuen christlichen Ära, in der so benannten „Anno Nostrae Salutis“ Zeit aussah. Ich glaube an Gott, auch an Christus, als eine historische Persönlichkeit. Interessant wäre es zu erfahren, welche Töne hat Er damals gehört…

 

Wie ich inneren Frieden finden kann

Wie ich inneren Frieden finden kann

Wie ich inneren Frieden finden kann

Als ich vor einigen Jahren an einem Seminar teilnahm, kam es zu einem für mich wichtigen Dialog zwischen einer Teilnehmerin und der Kursleiterin. Bei diesem spirituellen Seminar ging es unter anderem auch darum, wie man sich emotional gut schützen kann, man könnte auch fragen: Wie ich inneren Frieden finden kann. Das war für viele ein sehr wichtiges Thema und auch mich interessierte das sehr. Wer macht nicht immer wieder die Erfahrung, dass andere Menschen in einem viel Wut und Missgunst auslösen, dass Menschen eine Atmosphäre aufbauen, die unangenehm und teilweise sogar aggressiv ist. Im Zug, im Wartezimmer bis hin zum ganz privaten Umfeld kann einem das passieren. Und ohne dass man viel dazu tun muss, dringt diese Atmosphäre in unser Inneres und verdunkelt unsere Stimmung, macht uns traurig, lustlos oder selber aggressiv.
Wer mit Menschen arbeitet, wird das besonders gut kennen.
Die Teilnehmerin stellte also genau diese Frage, wie kann man sich am besten emotional schützen. Die Antwort darauf hat mich seither nicht mehr verlassen und ist so lebendig in mir wie damals: „Wenn Du Dir erlaubst alles zu fühlen, dann bist Du am besten geschützt.“
Die Tragweite dieser Antwort ist mir ehrlich gesagt erst in den letzten Jahren wirklich bewusst geworden.
Mein erster Impuls war noch: “Klar bin ich bereit alles zu fühlen, ist ja ohnehin da.” Aber je ehrlicher ich mich der Antwort stellte, umso klarer wurde mir, dass dem nicht so ist.
Die meisten Menschen sind eben nicht bereit, alles zu fühlen, was in ihnen schlummert. Ich auch nicht.

Ersatzgefühle entdecken

Traurigkeit? Wut? Zorn? Niedergeschlagenheit? Missgunst? Neid? Das sind keine Gefühle, die ich gerne habe, sie machen mich lustlos, verdunkeln mein Inneres, holen das Schlechteste in mir zum Vorschein. Diese Gefühle will ich wegwerfen, verdrängen sagen die Psychologen, ich will sie nicht wahrhaben. Was dann passiert, nenne ich Ersatzgefühle. Wenn ich bestimmte Gefühle nicht haben will, dann können dafür andere Gefühle entstehen. das kann Traurigkeit sein oder Aggression.
Viele Menschen werden aggressiv, wenn sie sich eigentlich ohnmächtig fühlen. Andere werden traurig, wenn sie eigentlich enttäuscht sind. Die Ersatzgefühle folgen aus dem Verdrängen des Ursprungsgefühls. Sie sind meistens mit sehr viel Energie gefüllt und führen nicht zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung oder zur Klärung von Fragen.
Ganz im Gegenteil, sie bringen Unruhe ins Innere und haben die Neigung, andere zu verletzen, weil sie in gewisser Weise blind sind.
Tatsächlich kann man es beobachten, dass Ersatzgefühle dann verschwinden, wenn man die entsprechende Person, die unsere Wut evoziert hat, direkt in die Augen schaut. Es verschwindet die Aggression, es kommt etwas zum Fließen, vielleicht Tränen – auf alle Fälle wird Energie frei und das eigentliche Gefühl kommt zum Vorschein: der Ursprungsschmerz.
Mir sind diese Erkenntnisse und die Erfahrung aus dem Seminar in Münster sehr wichtig geworden. Seit langer Zeit schon bete ich um Frieden – nicht nur global, sondern in meinem Leben und vor allem in meinem Inneren. Mir ist bewusst, dass Frieden nur möglich ist, wenn ich selber Zeuge und Vermittler dieses Friedens sein kann.
Dann aber gehört es für mich dazu, bereit zu sein, alles zu fühlen. Ich möchte im Frieden mit meinen Gefühlen sein, mit meinen Neigungen, Sehnsüchten und Begierden.
Erst wenn ich bereit bin, alles zu fühlen und auf Ersatzgefühle verzichte, kann ich Frieden finden und weitergeben.
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=ACotQBky_u0]

Gefühlen ein Zuhause schenken

Wofür ich die Buddhisten immer wieder bewundere, ist ihre konkrete Art und Hilfestellung. Sie haben eine lange Tradition an Übungen und Hinweisen, die helfen das zu leben, was auch Jesus gelehrt hat. Und dazu gehören der Friede, das Mitgefühl und die Liebe.
Im Buddhismus kann man sich dazu viele wirklich wirksame Übungen zur Hilfe holen.
Auch die Bereitschaft, alles zu fühlen (was niemals heißt, auch alles zu agieren!), ist eine Übung aus einer Richtung des Buddhismus.
Es ist kein leichter Weg. Wenn ich erst mal im Sturm von Wut und Enttäuschung gefangen bin, dauert es oft lange bis ich mir sagen kann: Ich gebe meiner Wut ein Zuhause. Ich gebe meiner Enttäuschung ein Zuhause. Mehr muss gar nicht sein, als dem Gefühl ein schönes Zuhause zu bieten, die Erlaubnis, da sein zu dürfen. Und indem ich mir das sage, schaffe ich nicht nur eine Distanz zum Gefühl ohne die Verbindung zu kappen, sondern öffne einen inneren Raum, da sein zu dürfen, sich zu entfalten, ohne mich zu überfluten. Ich muss diesen Zustand nicht genießen, sondern eher einfach beobachten und wahrnehmen – ganz ohne Bewertung, sei es nun eine positive oder eine negative Bewertung.
Und dann kehrt der Friede ein, indem ich mit mir selber Frieden geschlossen habe. Der innere Friede heißt nicht, nicht mehr wütend zu sein, keinen Neid mehr zu spüren und keine Enttäuschung, es heißt, im Frieden zu sein mit der Wut, mit dem Neid und mit der Enttäuschung – aber sie haben keine Macht mehr über mich, weil ich ihnen ein inneres, körperliches Zuhause gebe, wo sie sein dürfen. Mit dieser Erlaubnis zu sein, begrenze ich zugleich den Raum der Entfaltung und schaffe so auch einen Schutz vor Überflutung.

Frieden in der Welt

Die großen Religionen – unter ihnen das Christentum und auch der Buddhismus – sagen, das was dann übrig bleibt, wenn ich alle Gefühle zulasse, die dann dadurch immer weniger Macht haben und letztlich wieder verschwinden, ist die Liebe. Nicht die leidenschaftliche, stürmische Liebe eines jugendlichen Paares, nicht die reine Emotionalität, sondern die Liebe, die von Gott kommt, die tiefe Verbundenheit, der Zusammenhalt des Seins, die Beziehung des Menschen zum Menschen. Es ist der natürliche Impuls im Menschen, der Wirklichkeit wird, wenn wir bereit sind uns allem zu stellen.
Entscheidend ist es, dass wir diesen Raum öffnen, in dem die Gefühle zu Gast sein dürfen, so wie sie sind. Ohne zu belehren, ohne zu maßregeln, sondern einfach sein lassen.
Wir leben in einer unfriedlichen Welt – die Welt war immer irgendwie unfriedlich – höchstens ein paar Jahre gab es, wo weniger Unfrieden da war. Aber schon brauten sich dunkle Gewitterwolken am Himmel und neue Kriege, Unruhen und Terrorismus breiteten sich aus.
Vielleicht haben wir in den letzten dreißig oder sogar vierzig Jahren in dem Glauben gelebt, alles würde sich immer mehr zum Besseren entwickeln, Fortschritt, mehr Freiheit und der Rest würde schon sehen, wohin Unfreiheit, Versklavung, Populismus und Ausgrenzung führen.
Aber die Welt entwickelt sich nicht linear. Technisch geht es immer weiter – aber wer kann schon sagen, dass das immer wirklichen Fortschritt bedeutet?
Wer in dieser Welt nicht gerade an den Schalthebeln steht, der kann sich fragen, was er denn tun kann, damit mehr Frieden in diese Welt kommt.
Ich finde die Antwort liegt auf der Hand: sei selber jemand, der Frieden schenkt, indem er selber Frieden gefunden hat. Daher lautet dir Frage auch nicht, wie ich Frieden in die Welt bringen kann, sondern: Wie ich inneren Frieden finden kann

Schmerz zulassen

Dazu kann auch gehören, auch dem Leid und dem Schmerz Raum zu geben und zu erlauben, da zu sein, Gastgeber für diese emotionale Seite des Lebens zu sein. Das würde dann zu Jesu Wort passen: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“
Damit ist in letzter Konsequenz gemeint, dass unsere Liebe nicht davon abhängen soll, ob ich im Schmerz bin oder nicht.
Und um es gleich zu sagen: das ist keine moralische Forderung, als könnte ich das schon und als müsste man das nur streng genug verlangen und schon gelingt es. Es ist ein Weg, für den ich mich entscheiden darf. Was auch immer ich tue, es ist meine Entscheidung und niemand hat das Recht, darüber zu urteilen.
Aber wenn ich es tue, dann kann etwas Geschehen.
Friede, der ausstrahlt.

Cella Schattenbild Klosterherbst

Klosterherbst – Eine Nachlese

Vom 20. September bis zum 06. Oktober 2019 haben wir in der Cella das Festival der klösterlichen Lebenskultur gefeiert: 17 Tage gefüllt mit den unterschiedlichsten Angeboten rund um das Thema der klösterlichen Lebenskultur.

Bereits in der Ankündigungsphase hatte ich mich entschieden, an allen Veranstaltungen und Angeboten des Klosterherbstes teilzunehmen, was auch tatsächlich bis auf einen Termin geklappt hat: An der Kirchführung konnte ich auf Grund der Terminüberschneidung an diesem Tag nicht teilnehmen. Ein Trost: Da die Cella seit 15 Jahren „mein“ Kirch- und Gebetsort ist, sind mir der Raum und seine Gestaltung nicht fremd.

Ein bunter Herbstwald

Als ich die Entscheidung traf, den kompletten Klosterherbst zu buchen, ahnte ich nicht, dass auf mich eine sehr intensive Zeit zukommt: Im Rückblick waren es Exerzitien im Alltag, die das Spektrum eines bunten Herbstwaldes hatten: von unterschiedlichster Musik über gutes Essen zum kontemplativen Handauflegen, von Stundengebet über eine japanische Teezeremonie zur Spiritualität einer hannoverschen Buslinie, vom Überdenken des eigenen Bewusstseins über urbane Mystik zum Kloster im eigenen Leben – Körper, Geist und Seele wurden in hohem Maße gefordert und bedient über alle Sinne. So abwechslungsreich wie die Inhalte waren auch die Medien und Formen: vom klassischen Stundengebet über die Feier des Gottesdienstes bis hin zum Beobachten eines ungewohnten Rituals; vom Vortrag über den Onlinekongress bis hin zum Workshop und eigenem Erleben in der Stadt.

Begegnung mit den heilenden Klängen

Eröffnet wurde der Klosterherbst am Freitag „im Klang der Stille“ mit Gregorianik, früher vokaler Mehrstimmigkeit sowie mittelalterlicher und moderner Harfenmusik: ankommen, den Alltag hinter sich lassen und der Stile lauschen – ein gelungener Einstieg. Passend dazu gab es am nächsten Tag einen Workshop zu den heilenden Klängen der Mönche: Das Einschwingen in den Atemrhythmus der gesungenen Psalmen will geübt sein und wirkt sich tatsächlich auf dem Körper aus. Am Sonntag wurde dann der Geist gefordert: 12 Bewusstseinsebenen auf dem Weg zu Gott wollten rational erfasst und dann in einer Imaginationsübung auf das eigene Leben übertragen werden: ein interessanter und herausfordernder Workshop.

Nach zwei Tagen Pause, um das Erlebte und Erfahrene sacken zu lassen, folgte ein Vortrag über Urbane Mystiker. Dahinter steckte die Frage, wie jeder einzelne Mensch in seiner je eigenen Lebenslage und Umgebung mönchisch leben kann. Die Antwort war in diesem Fall eine sehr persönliche, von der eigenen Lebenssituation stark geprägte. An viele Punkte konnte ich leicht andocken, weil sie sich mit meinem Weg kreuzten. So habe ich mehr Klarheit finden können, was für mich stimmt und was eben auch nicht.

Speisen bei den Mönchen

Am Donnerstagabend wurde die Cella kulinarisch. Zusammen mit Manufactum konnten wir ein wahres Festmahl genießen: Empfangen wurden wir mit Häppchen und Sekt, wobei die Häppchen bereits ein mehr als ausreichendes Abendessen darstellten. Danach ging es dann eine Etage höher ins Refektorium der Cella, wo es Maultaschen mit einem leckeren Gratin als Hauptspeise gab, dazu natürlich Klosterwein, und auch ein leckerer Nachtisch fehlte nicht. Die zwischen den Gängen erzählten Begebenheiten rund um die Klosterküche dienten nicht ausschließlich der Spiritualität, die etwas längere Pause vor dem nächsten Gang tat auch dem Körper gut. Ein gelungenes und großzügiges Mahl einfach mal so mitten in der Woche.

Der Höhepunkt als musikalischer Genuss

Am Samstag stand dann der Höhepunkt des Festivals auf dem Programm: Die Uraufführung der Auftragskomposition für die Hauskirche der Cella „ascendo -> sin(p)“ von Franz Danksagmüller. Für mich als Musikerin war es besonders spannend, eine Uraufführung zu erleben, bei der ich auch noch mitwirken durfte, indem ich auf ein akustisches Zeichen hin eine Audiodatei über mein Smartphone starten sollte und so mit anderen einen Klangteppich aus Sinustönen erzeugt habe. Beeindruckend war, wie diese Musik in den mir so vertrauten Raum passte. Auch die anderen Werke, die das Vokalensemble vortrug, waren ein musikalischer Genuss.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Körpers: ein Workshop zum kontemplativen Handauflegen. Diese Form der Begegnung war für mich eher ungewohnt, weil mein beruflicher Alltag sehr von der Prävention geprägt ist und von daher körperliche Berührung nicht möglich ist. Der Workshop hat die Körperwahrnehmung gestärkt.

Vertrautes und Fremdes

Nach weiteren zwei Tagen Pause folgte ein sehr munterer und anregender Vortrag mit dem Thema „Das Kloster im eigenen Leben entdecken“, der sehr schön zeigte, wie nah unsere Lebensformen beieinander liegen und wie viel wir immer wieder voneinander lernen können. Der Referent, ein niederländischer Benediktiner, beendete seinen Vortrag mit dem Lied „Blowing in the Wind“, das alle auswendig sangen und er selbst auf der Mundharmonika begleitete – und schon fühlte ich mich zurückgesetzt in Jugendzeiten…

Ganz anders war dann die Vorführung der japanischen Teezeremonie, der ich am nächsten Tag beiwohnen durfte. Wie ich gelernt habe, ist das eine Meditation in Bewegung. Und genau das hat mich ziemlich herausgefordert: Die unendliche Langsamkeit und Bedachtheit der Bewegungen – um dann für mich zu der Erkenntnis zu kommen, so viel anders als unsere katholische Eucharistiefeier ist das nun auch wieder nicht, mit dem Unterschied, dass mir die eine Form vertraut und die andere fremd ist.

Die Stadt als spiritueller Ort

Am vorletzten Tag des Klosterherbstes ging es mit dem 121er Bus auf die Suche nach der Spiritualität in der Stadt. Für mich war das besonders, weil diese Route meinen täglichen Weg zur Schule mit einschloss, den ich sonst eher nicht spirituell wahrnehme.

Am Abend war das Abschlusskonzert mit dem weiterführenden Titel „Der unendliche Durst nach Glück“ – Texte von Ernesto Cardenal wurden umrahmt von schöner Blockflötenmusik.

Und – wie nach jedem Konzert und Vortrag und den Gottesdiensten am Sonntagabend – rundeten viele gute und interessante Begegnungen mit bekannten und unbekannten Menschen bei einem Glas Wein und Brot den Abend ab.

Der Gottesdienst am Sonntagabend beschloss den Klosterherbst und spannte einen musikalischen Bogen von der Harfe des Eröffnungskonzertes zur Blockflöte des Abschlusskonzertes.

Fazit: Zwei Wochen, die ich genossen habe

Es waren 17 Tage, in denen viel bewegt wurde und die Vieles bewegt haben. Zum Glück waren nach diesen Tagen die Herbstferien, so dass der Klosterherbst noch weiter wirken konnte und ich die ein oder andere Anregung in die Tat umsetzen konnte, sei es im Außen oder im Inneren. Meine Entscheidung, den gesamten Klosterherbst mitzumachen, habe ich nicht bereut, sondern in vollen Zügen genossen, und so kann ich jetzt nur danke sagen für das, was die kleine Gemeinschaft der Cella auf die Beine gestellt hat.

Hoffentlich ist es wie im Jahreskreis: Jetzt folgen Winter, Frühling und Sommer – und dann gibt es wieder (einmal) einen (Kloster-)Herbst.

Autorin:
Erdmuthe Lüttig

Chaffle – ein neues Rezept

Chaffle? Ich sehe schon Dein Gesicht und dieser fragende Ausdruck in Deinen Augen. Was um alles in der Welt ist Chaffle? Wieder so ein Modetrend aus den USA? Ich muss zugeben: Ja, das ist es.
Ich habe Chaffle erst am Freitag kennengelernt und fand das Rezept zufällig auf einer Webseite in einem aktuellen Post. Und da traf es mich wie ein Blitz. Ich bin ja ein Freund einfacher Rezepte und Chaffle ist – ehrlich gesagt – mehr als einfach, geradezu simpel. Und so habe ich mich am Samstag aufgemacht und habe meine erste Chaffle produziert und war wirklich begeistert.
Es gibt in deutschsprachigen Internet übrigens noch nicht so viel zu diesem Trend, aber das wird kommen.

Was ist eine Chaffle?

Eine Chaffle ist eine Waffel aus Käse und Ei und setzt sich demzufolge aus den Worten Chees und Waffle zusammen. Sie ist hervorragend geeignet für alle, die sich low carb ernähren wollen, denn hier spielen Kohlenhydrate wirklich keine Rolle und das merkt man auch. Wer eine Chaffle isst, wir davon satt, aber nicht pappsatt, weil eben Kohlenhydrate kaum enthalten sind.

Wie stellt man eine Chaffle her?

Nun, die Zutaten kennst du schon:
ca. 100 gr. geriebener Käse
1 Ei

Beides in einer kleinen Schüssel vermengen und in einem Waffeleisen ausbacken. Bei mir hat es ca. 5 Minuten pro Waffel gedauert, bis die Chaffle (man könnte auch Käsewaffel sagen) fertig war. Sie soll am Ende knusprig sein und braucht daher ihre Zeit. Wer es gerne weicher hat, backt kürzer oder nimmt ein Ei mehr.

Und was kann man damit machen?

Die Chaffle kannst Du zu jedem Essen reichen, bei dem es ein Sauce gibt. Aber sie schmeckt auch ganz ohne Beilage oder mit Kräuterquark oder einfach zu einem Salat. Die Möglichkeiten sind viele.
Ich bin ja ein großer Freund von herzhaften Waffeln, es ist einfach eine andere Möglichkeit und sieht auf dem Teller auch gut aus. Daher kann ich nur sagen: Unbedingt ausprobieren!
Was ich noch nicht probiert habe ist die Möglichkeit, die Chaffle in einer beschichteten Pfanne zu braten. Das soll auch gehen, die Pfanne muss aber beschichtet sein.
Guten Appetit!

Impuls am Sonntag: Uta Kronshage

Uta Kronshage

Psychotherapeutin



Alter

54 Jahre

Beruf
Psychotherapeutin mit eigener Praxis mit dem Schwerpunkt der Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen

Was bedeutet Ihnen Glaube?
Mit dem Wort selbst kann ich gar nicht so viel anfangen. Ich erlebe mich in einer tiefen, innigen Beziehung zu einer Kraft, die mich bedingungslos liebt und die mich hält und trägt, im Alltag ebenso wie in schwierigen Zeiten, wenn ich selbst nicht weiter weiß.

Welcher Satz (Zitat, Weisheit...) ist Ihnen wichtig?
Matthäus 6,33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch (das) alles zufallen.“ Dieser Satz hilft mir in jeder Lebenssituation. Für mich bedeutet das, dass ich mich immer frage: Was würde die Liebe jetzt tun? Ist das, was ich tue, wie ich entscheide und handle, liebevoll und gütig? Das gibt mir eine klare Richtschnur im Alltag. Wenn ich mich danach ausrichte, dann empfinde ich Vertrauen, dass ich auf dem richtigen Weg bin und dass Gott mich auf diesem Weg mit seiner ungeheuren und wunderbaren Kraft unterstützt. Und dass er, wenn es sein muss, Hindernisse aus dem Weg räumt, die für mich zu groß sind. Natürlich gelingt mir das nicht immer, aber ich kann immer wieder zu dieser Maxime zurück kehren, wenn ich mich verloren habe.


Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration?

Ich bin in meinem Leben von unendlich vielen Büchern reich beschenkt worden, sie waren mir Freunde, Wegbegleiter, Leitsterne. Ein einzelnes heraus zu greifen, ist mir deshalb kaum möglich. Das Buch mit der größten Kraft, auch wenn ich vieles darin nach wie vor nicht verstehe, ist für mich die Bibel, insbesondere das neue Testament. Die psychologische Weisheit, unerschütterliche Lebensenergie und Weltbejahung von Jesus Christus, die sich darin zeigt, wird meiner Erfahrung nach von keinem anderen Buch der Welt erreicht.

Licht ist Leben

Viele Menschen sind in den letzten Tagen ein bisschen müder und schlapp, anders als noch vor wenigen Wochen. Und die Ursache dafür ist zumindest in der Meinung der meisten Menschen relativ klar: das graue Wetter. Tatsächlich bekommt unser Körper im Winter deutlich weniger Licht als im Sommer. Und unser Organismus reagiert sehr stark auf die Menge an Licht, die an unsere Augen und auf unserer Haut kommt.

Aus der Praxis sind mir die gleichartigen Reaktionen meiner Patienten wohl vertraut. Da kann es passieren, dass an einem Tag nahezu jeder Patient, der zu mir kommt, berichtet, dass er sich gerade müde und erschöpft fühlt. Und während ich es in jüngeren Jahren eher belächelt habe, wenn Menschen ihre Stimmung vorrangig mit dem Wetter erklären, kann ich dem mittlerweile immer mehr abgewinnen. Schon seit vielen Jahren kann die medizinische Forschung genau nachweisen, wie ein fallendes Licht auf die Hormonsteuerung unseres Körpers wirkt.

Licht schafft Rhythmus

Alles Leben auf der Erde ist räumlich, aber auch zeitlich organisiert und viele Vorgänge laufen rhythmisch ab. Zwei zentrale Rhythmen für jeden Organismus sind dabei der Tagesrhythmus, also die 24 Stunden, in denen sich die Erde einmal um ihre eigene Achse dreht, und die 365 Tage, in denen sich die Erde um die Sonne bewegt. So passen zum Beispiel viele Pflanzen ihre Überlebensstrategie an Tag und Nacht an. Sie öffnen ihre Blüten mit dem ersten Sonnenlicht. Dadurch wird ihr Nektar für Insekten erreichbar, die wiederum ihre Sammelflüge an den Rhythmus der Pflanzen anpassen und sie bestäuben. So sichern sie ihren eigenen Fortbestand und zugleich den der Pflanze. Das Beispiel zeigt, dass Organismen im Laufe der Entwicklung ihre innere Uhr immer wieder biologisch sinnvoll an äußere Rhythmen anpassen mussten. Diese Fähigkeit hat sich evolutionsbiologisch als Vorteil herausgestellt. Auch der Mensch hat ein genetisch verinnerlichtes Wissen über Zeiträume entwickelt.

So funktioniert zum Beispiel unser Körper nachts ganz anders als tagsüber. Zellen und Organe haben einen festen Rhythmus für viele Abläufe. Kurz vor dem Aufwachen steigen zum Beispiel die Körpertemperatur und der Blutdruck. Einige Zeit später produziert der Körper stimulierende Hormone. Denksportaufgaben und Gedächtnisleistungen können bei den meisten Menschen also am Vormittag zwischen [10:00] Uhr  und [12:00] Uhr am besten bewältigt werden. Zwischen [12:00] Uhr und [14:00] Uhr arbeitet die Magengegend am intensivsten, jetzt kann das Mittagessen gut verdaut werden, für den restlichen Körper steht allerdings nicht zu viel Energie zur Verfügung. Und so lässt sich der Ablauf über die ganzen 24 Stunden und über 365 Tage auch noch in viel größerer Differenzierung beschreiben. Immer reagiert der Körper auf das Licht und hat gelernt, aus dem Licht seinen Rhythmus zu bilden.

Sehnsucht nach Licht

Daran musste ich auch bei der Aufführung der Auftragskomposition „ascenso sin(π)“ in unserer Hauskirche denken: „Emitte lucem tuam“. „Sende Dein Licht aus,“ diese Bitte wurde viele Male wiederholt, bis sie am Ende in der Stille ausklang. Auch zu Zeiten, als die Menschheit weit entfernt von unseren heutigen medizinischen Möglichkeiten war, wurde Christus als die Sonne des Heils gefeiert: Christus als ein Licht, das dem Körper, also unserem menschlichen Leben Rhythmus und Orientierung gibt. Auch schon vor 2000 Jahren war den Menschen bewusst, welche Bedeutung das Licht auf den Körper hat und wie wichtig es für den Menschen ist, im Licht zu sein.

Komm ins Licht…

Gerade in diesen Tagen, wo das natürliche Licht weniger wird, ist es also wichtig, den Körper ins Licht zu bringen. Längst hat sich eine ganz eigene Industrie entwickelt, die von einer biologischen Lichtplanung für Gebäude und Arbeitsplätze ausgeht; es gibt Cronomediziner, die optimale Beleuchtungen für den Rhythmus unseres Körpers berechnen und untersuchen können. Aber das meiste Wissen zum Thema Licht ist in unseren Genen längst vorhanden. Dem Winterblues – oder auch dem SAD (Seasonal Affective Disorder), wie es die Mediziner benennen, können wir vergleichsweise leicht  entkommen. Spüre einfach in Deinen Körper hinein, wann Du mehr Licht brauchst. Gerade im Herbst und im Winter ist es wichtig, in den Zeiten, in denen es hell ist, wirklich ins Freie ans Licht zu gehen. Und manchmal ist es wichtig, neben allem Energiesparen, auch ein Licht mehr anzumachen.

Und wieder freue ich mich, von Dir zu lesen, wie es Dir mit den kürzeren Tagen und dem weniger werdenden Licht ergeht.  

Unsere Musikerin am Sonntag: Elisabeth Schwanda

Elisabeth Schwanda

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Meine Mutter und mein Großvater haben viel mit mir als kleines Kind gesungen, ich habe stundenlang vor dem Radio bei klassischer Musik gesessen und fasziniert zugehört, letztendlich aber hat ein LP mit Frans Brüggen und einem Vivaldi-Konzert in mir den Wunsch ausgelöst, Musikerin zu werden.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Sänger und Instrumentalisten wie Frans Brügge Gustav Leonhard, J. Norman, Maria Callas, Sergiu Celibidache, Daniel Barenboim.
Aber auch der Musik- LK im Gymnasium und mein Flötenlehrer in Karlsruhe, und zwar deswegen weil sie alle so begeistert waren
von Musik und diese „ Fackel“ an mich weitergegeben haben.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

In einer Kirche zu musizieren ist etwas Besonderes, ich spüre eine gewisse“ heilige Stille „, die ich mit meiner Musik bereichern darf.
Die Cella ist für mich ein magischer Ort.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Gerne ins 24. Jahrhundert , um hoffentlich zu erleben, dass dann immer noch Konzerte stattfinden und musiziert wird und zwar nicht virtuell oder durch Computer sondern live und mit Musikern !!!

 

Musikerin in der Cella: Ellen Wegner, Harfe

Die Harfinistin Ellen Wegner spielt am kommen Adventssonntag in unserem Gottesdienst um 18.00 Uhr – hier stellt sie sich kurz vor:

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Mein Vater hat Klavier und Geige gespielt und war Chorleiter, meine Mutter hat gern gesungen – es gehörte für sie zur Grundausbildung ihrer Kinder, daß sie ein Instrument lernen.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Es gibt keine einzelnen Personen, denen ich einen besonders großen Einfluß zuschreiben würde – für mich war die Vielseitigkeit meiner musikalischen Aufgaben prägend.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Musik in der Kirche ist frei von gelegentlichen unangenehmen Nebenerscheinungen im Konzertwesen – z. B. überzogenem Eventcharakter, übertriebenem Virtuosentum („wer spielt noch schneller?“). Es geht um das Wesentliche in der Musik, um ihren Gehalt, um Stimmungen, um thematische Bezüge, um die Eigenschaft der Musik, die Seele direkt anzusprechen und die Gelegenheit, das gesprochene Wort nachwirken zu lassen, weshalb ich besonders gerne musikalisch-literarische oder andere thematische Zusammenhänge herstelle.

Nicht zuletzt betreten die Zuhörer in der Regel eine Kirche in einer anderen Stimmung als einen Konzertsaal und die Akustik ist häufig besonders gut.

Zu all dem kommt in der Hauskirche der Cella die konzentrierte, intime und sehr persönliche Atmosphäre.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

In die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Wie ist das mit dem Reich Gottes?

Welches Verhältnis unterhält das Abendland zu seiner eigenen Religion? Der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère stellt die Gretchenfrage: In seinem Buch „Das Reich Gottes“ vertieft er sich in die Anfänge des Christentums und fragt nach der Kraft, mit der es gelang, an Dinge zu glauben, gegen die der Verstand rebelliert und eine revolutionäre Ethik zu vertreten, die den Schwachen zum Starken erklärt. Mal ironisch, mal mit dringlichem Ernst zeichnet Carrère das Fresko einer antiken Welt, die in vielen Zügen unserer heutigen ähnelt – und er begegnet dabei sich selbst.

Emmanuel Carrères Buch ist ein Bibelkrimi – aber ein besonderer: Der erste Teil umfasst autobiografische Angaben des Verfassers, die zeigen, warum er sich die Frage stellt, wie es sein kann, dass ein aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts noch gläubiger Christ sein kann.

Dann folgt die romanhafte Gegenüberstellung zweier großen Theologen des Christentums in der Beschreibung des Apostels Paulus und des Evangelisten Lukas.

Diese Gegenüberstellung haben mir die Paulusbriefe, das Lukas-Evangelium und die Apostelgeschichte neu auf lehrreich-unterhaltsame und zugleich spannende Art nahegebracht.

Gleichnisse vom Reich Gottes

Gerade im Lukas-Evangelium erzählt Jesus einige Gleichnisse, mit denen er die Dimensionen des Reiches Gottes beschreibt, so auch das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk  15,11-32), oder wie es auch genannt wird: das Gleichnis vom wiedergefundenen Vater.

Für die damaligen Zuhörer ist gerade dieses Gleichnis keine einfach Beschreibung, sondern es stecken Ungeheuerlichkeiten zwischen den Zeilen, die wir heutigen Menschen so erst mal nicht mithören.

Es ist ja ein sehr vertrauter Text: der jüngere Sohn fordert von seinem Vater das Erbteil. Das war damals genau wie heute eine ziemliche Unverschämtheit. Niemand hat ein Recht, zu Lebzeiten der Eltern sein Erbteil zu erhalten. Der Vater hat die Möglichkeit, durch ein Geschenk oder eine Verfügung zu Lebzeiten das Erbe etwas anders zu verteilen, als es die gesetzliche Erbfolge vorsieht – freiwillig, versteht sich. Die Regelungen zum Pflichtteil waren in Israel für den jüngeren Sohn deutlich schlechter als heute bei uns: Wenn er so aus dem Haus in ein fernes Land wegzog, konnte der Vater ihn völlig enterben. Blieb er im Haus, würde er ein Drittel erben, der ältere Bruder erbt dann zwei Drittel und den Hof. Rechtlich einfordern konnte er nichts.

Der Vater scheint in diesem Moment der Forderung die Beziehung zu beide Söhne zu verlieren. Offensichtlich ist der ältere Sohn vor allem ärgerlich über die Großzügigkeit des Vaters, der ihm doch in diesem Moment das ganze Erbe alleine vorbehalten könnte – und scheint seine Ansprüche zu sichern. Das unglaublich passiert: Der Vater teilt sein Erbe auf diese beiden Söhne auf.

Bruch mit der Vergangenheit

Seine materiellen Güter kann er teilen und vererben. Seine Güte und seine Freude kann er offen­sichtlich nicht weitergeben. Der jüngere Sohn rafft das materielle Erbe zusammen, zieht in ein fremdes Land und kann auch eine Zeit vom Reichtum des Vaters leben. Aber schon bald versteht er, das alles, was er zum Leben hatte, nicht eigener Verdienst war, sondern Gabe, Erbteil des Vaters war. Aber weil er in ein fernes Land gezogen ist – also bewusst aus dem Wirkungskreis des Vaters gezogen ist, hat er sich selber von diesem Nachschub abgeschnitten. Und nicht nur das: Er hat auch mit seiner religiösen Vergangenheit gebrochen, verdingt er sich doch als Schweinehüter…

In der Ferne erkennt er, wie die Güte des Vaters nicht nur seine Söhne, sondern sogar noch die Tagelöhner leben lässt. In seiner absoluten Notlage besinnt er sich und erhofft wieder ein Stück die Güte des Vaters.

Die große Güte im Reich Gottes

Der Vater allerdings übertrifft mit seiner Reaktion die Erwartungen bei weitem. Er rehabilitiert den jüngeren Sohn und richtet ein Fest aus. Auch um den älteren Sohn bemüht sich der Vater in aller Güte. Seine Reaktion auf das Fest und die Freude des Vaters lassen jedoch befürchten, dass er sich von den Worten des Vaters nicht über­zeugt lässt. Er hat das wahre Erbe seines Vaters noch nicht ganz angenommen – seine Freude kann er nicht teilen.

Wird er wirklich mitfeiern, mit seinem Vater und seinem Bruder? Im Gleichnis bleibt das Ende offen, von einem familiären Happy End lesen wir nichts…

Morgenritual – an fünf Fingern abgezählt

Die 5 meistgelesenen Artikel der vergangenen 12 Monate: Platz 2

Morgenritual – an fünf Fingern abgezählt

Der Morgen hat es ja immer irgendwie in sich. Es gibt die Morgenmuffel, die Kaffeejunkies, es gibt die Jogger und die Langschläfer, die Lass-mich-in-Ruhe-Menschen und die Ich-rede-gerade-morgens-viel-Mitbewohner. es gibt die Teetrinker, die Müsliesser, die Brötchenfreunde und die Zeitungsleser… kaum eine Tageszeit bringt so viele Typologien hervor, in kaum einer Tageszeit werden so viele Eigenarten gelebt.
Der Morgen hat es in sich, denn er bereitet uns auf den Tag vor und auf all das, was auf uns wartet – manches wissen wir, manches bleibt Überraschung (gute oder schlechte).

Mönche lieben den Morgen

Schon die frühen Mönche wussten, dass der Morgen einen eigenen Zauber hat. Ihn völlig zu verschlafen, kam ihnen nicht in den Sinn, ganz im Gegenteil. Die meisten Mönchsväter liebten es sehr früh aufzustehen und erste Psalmen zu rezitieren, zu meditieren oder zu beten. Es ging ihnen um die Stille, die noch über der Welt liegt, das natürliche Schweigen, das man tagsüber oft vergeblich sucht und das Faszinosum, dass der Tag neu erschaffen wird, dass durch das Aufgehen der Sonne so etwas wie Neuschöpfung beobachtbar ist.

Aufwachen heißt unterscheiden

Aber noch mehr. Die Nacht vorher hat unmittelbaren Einfluss auf unseren Morgen. Mal haben wir gut, mal schlecht geschlafen. Mal tut uns der Rücken weh, dann ist der Nacken verspannt. Träume lassen uns nicht gleich los, sondern verfolgen uns – oder verzaubern uns, je nach Inhalt. Manche Menschen haben es schwer, die Nacht vom Tag zu trennen und wirklich wach zu werden. Sie bleiben irgendwie im Schlafmodus und können das eine vom anderen nicht scheiden, das Bewusste vom Unbewussten. Ja, der Tag ist Symbol für unbewusste Prozesse und Inhalte – das ist nicht erst so, seitdem wir uns mit der Psychoanalyse und der Traumdeutung auseinander setzen. Schon in den Märchen ist die Nacht immer der Ort unbekannter und zumeist gefährlicher Kräfte, die besiegt oder gewonnen werden sollen, damit der Held oder die Heldin in seiner goldenen Zukunft leben kann.

Fünf-Finger-Morgenritual

Ein entscheidender Punkt ist es, wie es uns gelingt, den Wechsel vom Schlaf zur Wachheit, von der Nacht zum Tag und von unbewussten zu bewussten Zugängen zu gestalten.
Eine kleine Hilfe möchte ich mit diesem Fünf-Finger-Morgenritual anbieten. Es sind kleine Übungen und minimale Rituale, die Dir helfen können, nicht nur den Schlaf abzuschließen, sondern Dich auch auf den Tag vorzubereiten:

  1. Daumen
    Jede Nacht ist kostbar – auch die durchwachte und schlaflose kann es sein. Den Stress macht ja nicht die Schlaflosigkeit, sondern die Abwehr dieses Zustandes. Deshalb ist es gut, dankbar zu sein für die vergangene Nacht. Insbesondere für die Träume, die eine reinigende Wirkung erzielen wollen. Der Körper konnte sich erholen, die Nerven sich beruhigen – das ist Grund genug, die Nacht wert zu schätzen und dankbar dafür zu sein.
  2. Zeigefinger

    Wer träumt sollte es sich angewöhnen, die eigenen Träume aufzuschreiben. Das hilft nicht nur, unangenehme Träume loszulassen und sich von der oft bedrückenden Atmosphäre zu befreien, sondern es hilft, den Inhalt zu verarbeiten und die Träume Deinen inneren Verarbeitungsprozessen zur Verfügung zu stellen. Allein das Aufschreiben kann Dir helfen, einen großen Nutzen aus den Träumen zu ziehen.

  3. Mittelfinger

    Wenn Du Dich danach ans geöffnete Fenster stellst und tief ein und ausatmest, dann weckst Du nicht nur Deinen Kreislauf, es ist auch wie das hereinlassen der Tageswelt ins Schlafzimmer. Die Morgenluft ist selbst in einer Stadt eine besondere. Das Atmen selbst ist wie eine fortlaufende Neuschöpfung.

  4. Ringfinger

    Mit dem Ein- und Ausatmen am Fenster ist die rituelle Wende von der Nacht zum Tag eingeläutet. Bitte nun um den Segen für den neuen Tag, um den Beistand für alles, was kommen mag, um die Begleitung durch alles Schwere.

  5. Kleiner Finger

    Und zum Schluss wendest Du Dich an Dich selber und bittest Dich: Möge ich alles an diesem Tag als Chance zu meiner Weiterentwicklung nutzen.

 

So kannst Du dem Übergang von der Nacht zum Tag eine besondere Form geben, kannst die Nacht abschließen und Dich gestärkt für den Tag öffnen.

Da bleibt mir nur zu sagen: Ich wünsche Dir einen guten Tag!