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Wie wollen wir leben? 5

Dr. Peter Hundertmark, Referent für Spirituelle Bildung im Bistum Speyer, hat sich angesichts der momentanen Situation Gedanken darüber gemacht, wie wir zukünftig leben wollen. Und dazu zwölf Anstöße formuliert, die zunächst jeweils ein kurzes Bibelwort anführen und dann Anstöße für ein betendes Nachsinnen geben. Er lädt ein, der Frage nachzugehen, was uns Gott jetzt sagen will, und die eigenen Gedanken zu notieren.

Welchen Wert wollen wir künftig Mode, Shoppen und Konsum in unserem Leben geben?

Gott ist jetzt wohlwollend gegenwärtig.

Bibel:
Euer himmlischer Vater weiß, was ihr braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. (Matthäus 6,32-33)

Anstöße für ein betendes Nachsinnen:
Zeit zum Träumen: Wie wäre es, wenn wir uns in unserem Einkaufsverhalten an Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und der Möglichkeit, kaputte Dinge auch wieder zu reparieren, orientieren würden, statt an schnellem „immer mehr“ und „immer neu“?  

Das Gegenteil von Reich Gottes und Gerechtigkeit ist nicht Not und Verzicht auf lebenswichtige Güter. Gott weiß, was wir wirklich brauchen und wir können es auch herausfinden. Das Evangelium lädt uns ein, frei zu sein und unser Leben nach größeren Werten zu gestalten.

Wir könnten das … angehen! Ja, und wir könnten das… umsetzen! Ja, und das…

Horchen:
Was könnte Gott mir/uns jetzt sagen wollen?

Damit es nicht verloren geht:
Wie möchten Sie von ihren Gedanken erzählen? Vielleicht ist es gut, sich jetzt ein paar Notizen zu machen, eine Skizze anzufertigen, ein Gedicht zu schreiben, eine Video-Botschaft aufzunehmen…

Wie wollen wir leben? 4

Dr. Peter Hundertmark, Referent für Spirituelle Bildung im Bistum Speyer, hat sich angesichts der momentanen Situation Gedanken darüber gemacht, wie wir zukünftig leben wollen. Und dazu zwölf Anstöße formuliert, die zunächst jeweils ein kurzes Bibelwort anführen und dann Anstöße für ein betendes Nachsinnen geben. Er lädt ein, der Frage nachzugehen, was uns Gott jetzt sagen will, und die eigenen Gedanken zu notieren.

Wie wollen wir künftig reisen und Urlaub machen?

Gott ist jetzt wohlwollend gegenwärtig.

Bibel:
Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort; bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen.  Nehme ich die Flügel des Morgenrots und lasse mich nieder am äußersten Meer, auch dort wird deine Hand mich ergreifen und deine Rechte mich fassen. (Psalm 139,8-10)

Anstöße für ein betendes Nachsinnen:
Zeit zum Träumen: Wie wäre es, wenn wir mit Respekt für die Würde der Menschen, Kulturen und Traditionen, die wir besuchen, reisen würden? Wie wäre es, wenn alle ihre Weise Urlaub zu machen und Erholung zu suchen, an den natürlichen Grenzen unseres Planeten, seinen empfindlichen Öko-Systemen, seiner gefährdeten Artenvielfalt… messen und ausrichten würden?

Wo immer wir hinreisen, wir gehen für Gottes wohlwollende Zuwendung nicht verloren. Es gibt keine gottlosen Orte. Es gibt aber auch keine Orte und keine Zeiten, die aus der Verantwortung gegenüber dem Schöpfer und Herrn allen Lebens ausgenommen wären.

Wir könnten das … angehen! Ja, und wir könnten das… umsetzen! Ja, und das…

Horchen:
Was könnte Gott mir/uns jetzt sagen wollen?

Damit es nicht verloren geht:
Wie möchten Sie von ihren Gedanken erzählen? Vielleicht ist es gut, sich jetzt ein paar Notizen zu machen, eine Skizze anzufertigen, ein Gedicht zu schreiben, eine Video-Botschaft aufzunehmen…

Wie wollen wir leben? 3

Dr. Peter Hundertmark, Referent für Spirituelle Bildung im Bistum Speyer, hat sich angesichts der momentanen Situation Gedanken darüber gemacht, wie wir zukünftig leben wollen. Und dazu zwölf Anstöße formuliert, die zunächst jeweils ein kurzes Bibelwort anführen und dann Anstöße für ein betendes Nachsinnen geben. Er lädt ein, der Frage nachzugehen, was uns Gott jetzt sagen will, und die eigenen Gedanken zu notieren.

Wie wollen wir künftig unsere nahen zwischenmenschlichen Beziehungen gestalten?

Gott ist jetzt wohlwollend gegenwärtig.

Bibel:
Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren!, und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes. (Römerbrief 13,9-10)

Anstöße für ein betendes Nachsinnen:
Zeit zum Träumen: Wie wäre es, wenn unser Zusammenleben durch und durch gut wäre? Wie wäre es, wenn die Liebe – Wohlwollen, Mitgefühl, Zuneigung, Hinwendung… – die Basis von allem wäre?

Liebe ist das Gegenteil von Egoismus und Eigennutz. Gott ist die Liebe. Liebend und liebevoll sind wir Menschen Gott ähnlich.

Wir könnten das … angehen! Ja, und wir könnten das … umsetzen! Ja, und das…

Horchen:
Was könnte Gott mir/uns jetzt sagen wollen?

Damit es nicht verloren geht:
Wie möchten Sie von ihren Gedanken erzählen? Vielleicht ist es gut, sich jetzt ein paar Notizen zu machen, eine Skizze anzufertigen, ein Gedicht zu schreiben, eine Video-Botschaft aufzunehmen…

Immer schön locker bleiben

Manchmal bekommen Worte eine neue Bedeutung – oder ich müsste genauer sagen: eine zusätzliche Bedeutung. Mit Lockerung habe ich seit vielen Jahren zu tun, mit der Lockerung der Muskulatur. Im Plural habe ich das Wort eigentlich nie genutzt – bis vor wenigen Wochen. Tatsächlich rede ich oft über nötige Lockerungen. Oft geht es dabei weiterhin um die Muskulatur, oft aber auch um die Entscheidungen der politisch Verantwortlichen im Rahmen der Corona-Pandemie. In den letzten Tagen denke immer mehr darüber nach, wie das eine und das andere zusammenhängen. Bei meiner Arbeit in der Praxis begegne ich vielen Menschen, die in diesen Tagen körperlich sehr angespannt sind. Manche haben es schon bemerkt und sprechen es selbst als Thema für die Therapiestunde an. Manche sagen erst am Ende der Stunde, dass sie gar nicht wahrgenommen haben, wie angespannt sie waren.

In Unsicherheit spannt die Muskulatur an

Auch bei mir selber beobachte ich, wie mir eine Spannung in den Gliedern sitzt. In den letzten Wochen „will meine Nacken nicht richtig locker werden“, auch wenn ich manche Übung regelmäßig im Alltag wiederhole. Die Wechselwirkungen sind mir ja eigentlich seit langem bekannt: Der Spannungszustand der Seele überträgt sich allzu oft auch auf die Muskulatur. Aber auch die Umkehrung gilt oft: Wenn der Geist entspannt ist, lassen auch die Muskeln locker.

Unsicherheit ist dabei ein wichtiger Gegenspieler der Lockerheit. In der Unsicherheit spannt die Muskulatur an, um den Körper zu schützen. Dieser Reflex ist in der Menschheit seit langen Zeiten angelegt und schützt uns beispielsweise vor Bedrohung durch andere, vor dem Stürzen und Hinfallen.  Viele von uns haben in den letzten Wochen Unsicherheit erlebt. Das beginnt bei einem Virus, dessen Gefährlichkeit noch so wenig erforscht ist, dass es mehr Vermutungen als wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. Die Unsicherheit, wie man richtig und angemessen mit dem Virus und der für uns entstehenden Bedrohung umgeht, prägt unsere Gesellschaft stark. Und für viele von uns hat sich der Lebensalltag wesentlich verändert seit Mitte März.

Eine neue Balance

Mir hilft in diesen Tagen der Blick auf meinen Körper: Um locker bleiben zu können, braucht der Körper vor allem Balance. Muskeln müssen sich anspannen und wieder entspannen können. Dort, wo diese Balance nicht mehr gelingt, dort, wo sich vor allem die Faszien nicht mehr schnell verändern können von der Anspannung in die Entspannung und wieder zurück, dort entstehen Missempfindungen und Schmerzen. Mit meinen Patienten übe ich dann, diese Bereiche wieder in Bewegung zu bringen, damit sie veränderbar und durchlässig werden.

Aber wie lässt es sich üben? Ich denke da manchmal an den Vers in den Psalmen „All meine Knochen kann ich zählen.“ Gemeint ist in der Bibel ein eher emotionsfreies Wahrnehmen der tatsächlichen Gegebenheiten: die Knochen und die Muskeln dazwischen mit den Faszien möglichst genau wahrzunehmen. Je genauer Du Deine Muskeln und Knochen (und sogar die feinen Strukturen dazwischen) wahrnehmen kannst, umso feiner kannst Du sie auch ansteuern. Und in diesem Moment suchen sich Deine Muskeln und Faszien von alleine eine neue Balance.

Wenn der Geist entspannt ist, lassen auch die Muskeln locker  – und umgekehrt

Die wichtigsten Lockerungen in diesen Tagen fangen in mir selber an – in meinem Körper. Jedenfalls bringt es den Körper in ein großes Wohlgefühl, wenn ich anfange, meine Knochen zu zählen und die Balance zwischen den Muskelgruppen, die sie verbinden, neu einzustellen.

Du musst ja nicht gleich mit dem ganzen Körper anfangen, es kann ein kleiner und überschaubarer Bereich sein: ein Arm oder Bein, die Schulter oder der Hals. Ich wünsche Dir jedenfalls viel Freude beim „Knochen zählen“ und bei der Wahrnehmung der Muskeln, damit sie bei Dir in eine wohlige Balance kommen. Und an dieser Stelle können mir die Lockerungen gar nicht schnell genug gehen…

Wie wollen wir leben? 2

Dr. Peter Hundertmark, Referent für Spirituelle Bildung im Bistum Speyer, hat sich angesichts der momentanen Situation Gedanken darüber gemacht, wie wir zukünftig leben wollen. Und dazu zwölf Anstöße formuliert, die zunächst jeweils ein kurzes Bibelwort anführen und dann Anstöße für ein betendes Nachsinnen geben. Er lädt ein, der Frage nachzugehen, was uns Gott jetzt sagen will, und die eigenen Gedanken zu notieren.

Wie wollen wir künftig international zusammenarbeiten?

Gott ist jetzt wohlwollend gegenwärtig.

Bibel:
Jesus zu Petrus: Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Schwestern und Brüder. (Lukas 22,32)

Anstöße für ein betendes Nachsinnen:
Zeit zum Träumen: Wie wäre es, wenn die Menschen, Gruppen, Nationen…, die gerade haben, die stärken und denen beistehen, die gerade nicht haben? Wie wäre es, wenn alle über alle Grenzen hinweg das Gemeinwohl für alle suchen?

Unser Glaube macht Bekehrung möglich. Gott gibt uns die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Gott sieht die Menschen als Geschwister, die miteinander leben und füreinander einstehen sollen.

Wir könnten das … angehen! Ja, und wir könnten das … umsetzen! Ja, und das…

Horchen:
Was könnte Gott mir/uns jetzt sagen wollen?

Damit es nicht verloren geht:
Wie möchten Sie von ihren Gedanken erzählen? Vielleicht ist es gut, sich jetzt ein paar Notizen zu machen, eine Skizze anzufertigen, ein Gedicht zu schreiben, eine Video-Botschaft aufzunehmen…

Wie wollen wir leben? 1

Dr. Peter Hundertmark, Referent für Spirituelle Bildung im Bistum Speyer, hat sich angesichts der momentanen Situation Gedanken darüber gemacht, wie wir zukünftig leben wollen. Und dazu zwölf Anstöße formuliert, die zunächst jeweils ein kurzes Bibelwort anführen und dann Anstöße für ein betendes Nachsinnen geben. Er lädt ein, der Frage nachzugehen, was uns Gott jetzt sagen will, und die eigenen Gedanken zu notieren.

Dr. Hundertmark möchte ausdrücklich, dass seine Anstöße veröffentlicht und auch weitergegeben werden. Hier kannst Du seine Einleitung und den ersten Anstoß lesen. Wenn Du magst, kannst Du ja Deine Gedanken als Kommentar hier einfügen.

Die Menschheit – und mit ihr das ganze gemeinsame Haus Erde – steht an einer Weggabelung. Die gegenwärtige Corona-Pandemie hat es schneller und brutaler sichtbar gemacht, als alle wissenschaftlichen Studien zu Klimaveränderung, sozialen Verwerfungen, Artensterben, Fluchtursachen… es vermocht hätten. Noch aber können wir viele Entwicklungen steuern. Wir können träumen, nachdenken, auf Gott hinhorchen, miteinander aushandeln, auf den Weg bringen …, wie wir künftig leben wollen.

Diese … „Anstöße“ sind parteiisch. Sie folgen in ihrer Ausrichtung der katholischen Soziallehre, der der Enzyklika „Laudato si“, treffen sich aber auch mit der protestantischen Sozialverkündigung und dem Abschlusstext der letzten Ökumenischen Weltversammlung in Busan. Gemeinwohlorientierung, solidarische Verantwortung und Nachhaltigkeit gelten ihnen als Werte, die nicht verhandelbar sind. Innerhalb dieser Grundausrichtung aber versuchen die „Anstöße“ wenig festzulegen. Es werden viele verschiedene, vielleicht einander sogar widersprechende Meinungen, Ideen, Bilder, Hoffnungen, Entscheidungen, Vernetzungen … dringend gebraucht.

Träumen, horchen, nachsinnen … braucht Zeit. Die Pandemie bedeutet für sehr viele Menschen eine erzwungene Einschränkung und ungewohnte Verlangsamung: Auch eine Gelegenheit, einige Minuten am Tag, eine halbe Stunde, mehrmals ein paar Minuten… für die Frage zu nutzen, wie wir miteinander leben wollen. Zeit zum Nachsinnen – und um dann darüber zu reden oder davon zu schreiben: denn wenn zwei gemeinsam träumen, ist das schon der Beginn einer neuen Wirklichkeit, und wenn zwei etwas anpacken, wird es andere neugierig machen.

Anstoß 1: Wie wollen wir künftig Güter produzieren?

Gott ist jetzt wohlwollend gegenwärtig.

Bibel:
Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse. …  Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten von Eden weg, damit er den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war. (Genesis 3,22-23)

Anstöße für ein betendes Nachsinnen:
Zeit zum Träumen: Wie wäre es, wenn wir nach menschlichem Maß und in Respekt für die Begrenztheit der Erde die nötigen Güter herstellen? Wie wäre es, wenn alle genug hätten und genug auch genug wäre?

Wir wissen, wie es gut und wie es böse ist. Wir sind Teil der Erde und von ihr abhängig. Wir können und müssen unsere Welt gestalten.

Wir könnten das … angehen! Ja, und wir könnten das … umsetzen! Ja, und das…

Horchen:
Was könnte Gott mir/uns jetzt sagen wollen?

Damit es nicht verloren geht:
Wie möchten Sie von ihren Gedanken erzählen? Vielleicht ist es gut, sich jetzt ein paar Notizen zu machen, eine Skizze anzufertigen, ein Gedicht zu schreiben, eine Video-Botschaft aufzunehmen…

Getröst, getröst, wir sind erlöst!

Getröst, getröst, wir sind erlöst!

Getröst, getröst, wir sind erlöst!

So lautet der Titel eines Buchs von  Joseph Wittig, das von den Osterzeiten des Lebens erzählt und 1932 erschien.

Wer war Joseph Wittig?

Joseph Wittig, 1879 in Neusorge, Grafschaft Glatz, geboren, studierte Theologie, promovierte und habilitierte sich, wurde 1903 zum Priester geweiht und 1915 zum ordentlichen Professor für Kirchengeschichte, Patrologie und kirchliche Kunst an der Theologischen Fakultät der Universität Breslau ernannt.

Im Jahr 1922 erregte sein Aufsatz „Die Erlösten“, in dem er die offizielle kirchliche Auslegung der Sünde und Beichte kritisierte, in ganz Deutschland Aufsehen und führte zu Protest der vorgesetzten kirchlichen Behörde. Sein „Herrgottswissen“, „Kirche im Waldwinkel“ und „Das Leben Jesu in Schlesien, Palästina und anderswo“ wurden trotzdem von katholischen und protestantischen Lesern begeistert aufgenommen. Aber die Auseinandersetzungen mit der Amtskirche führten schließlich zur Indizierung vieler seiner Schriften und nach der Beurlaubung an der Universität schließlich auch zur Exkommunikation im Jahre 1926.

Trotz der Ausschließung aus der Kirchengemeinschaft, die zwanzig Jahre später wieder aufgehoben wurde, blieb er der katholischen Kirche treu. Seine theologische Tätigkeit drückte sich außer im schriftstellerischen Schaffen in einem umfangreichen Briefwechsel und in vielen Vorlesungen aus. Wittig bekam etwa 20000 Briefe, die meisten davon hat er beantwortet. Er führte einen Meinungsaustausch unter anderem mit dem Juristen und Soziologen Eugen Rosenstock-Huessy und dem Heidelberger Neurologen Viktor von Weizsäcker. Er unterhielt auch Beziehungen mit dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber.

Kurz vor dem Umzug nach Meschede im Sauerland starb er am 22.8.1949 an einem Herzinfarkt. Der Mescheder Friedhof wurde seine letzte Ruhestätte.

Gerade in Krisen Halt finden

Joseph Wittig, dessen Witwe Bianca bis zu ihrem Tod engen Kontakt zu unserer Abtei hatte, ist für mich ein Mann, der auch in Krisenzeiten – und die Exkommunikation muss ihn in eine tiefe Krise gestürzt haben – in seinem Glauben Halt fand.

In den zwei Wochen vor dem Osterfest haben wir in den Schrifttexten immer wieder davon gehört, dass die Jünger Jesu auch in existentielle Krisen gekommen sind und dass ihr Gaube noch nicht so stark war, um ihnen Halt zu geben, wie es vor allem an Petrus deutlich wird, der Jesus dreimal verleugnet.

Nebenbei bemerkt: Die Frauen, die Jesus auf seinem Weg begleitet hatten, waren da ganz anders drauf…

Aus dem Osterglauben leben

Es tut gut, nach den vierzig Tagen der Fastenzeit, Ostern mit allen Sinnen gefeiert zu haben und weiter zu feiern: Getröst, getröst, wir sind erlöst!

Ich wünsche Dir – auch im Namen meiner Brüder – eine gesegnete Osterzeit und viel Kraft aus dem Glauben an die Auferstehung Jesu. Sie verheißt uns, dass auch nach unserem Tod nicht alles vorbei ist, sondern ein neues, für uns unvorstellbares Leben auf uns wartet.

Fürchtet Euch nicht!

Die List, der Stadtteil, in dem unsere kleine Cella liegt, gehört zu den dicht besiedelten Stadtteilen in Hannover. Wenn ich in den Tagen vor Ostern durch unseren Stadtteil spazieren gegangen bin, waren die Straßen voll. Auch die Waldwege in der Eilenriede, dem Stadtwald in unserer Nähe, sind reich frequentiert. Dass man Menschen begegnet, dass man Menschen nahe kommt  – lässt sich auch beim besten Willen nicht verhindern. Spätestens beim Überqueren einer Ampel, aber auch schon auf Wanderwegen lässt sich der Mindestabstand von zwei Metern nicht immer einhalten. Interessant fand ich vor allen Dingen, wie die einzelnen Menschen mit dieser Situation umgegangen sind: Da gab es die mit Gesichtsschutz fast vermummten Menschen, die mich mit ihrer Gestik und Körperhaltung bereits Meter vorher aufmerksam machten, dass ich ihnen nur ja nicht zu nahe komme, und auch eine kleine Gruppe vergleichsweise Unsensibler, die noch nie etwas von Corona gehört zu haben schien.

Liebevolle Achtsamkeit

Bei den meisten Menschen beobachtete ich eine eher liebevolle Achtsamkeit: an der breiten Stelle des Weges kurz stehenzubleiben, damit sich genau dort die Wege kreuzen, mich vor oder vorbei zu lassen und mit freundlichem Blick den gegenseitigen Abstand zu ermöglichen.

In der ganzen Osterwoche beginnen wir unser Morgengebet mit der Antiphon: „Fürchtet Euch nicht: Ihr suchet Jesus von Nazareth….“ Es ist ein Wort an die ersten Zeuginnen der Auferstehung und steht in den Evangelien von Matthäus und Markus. An diesem Wort bin ich in den letzten Tagen besonders hängen geblieben. Wie kann man angemessen mit einer Pandemie umgehen und gleichzeitig aus dieser tiefst zutiefst österlichen Botschaft des „Fürchtet Euch nicht“ leben? Welches Verhalten ist noch angemessene Vorsorge – und wo beginnt die Panik, die keine sinnvolle Einschätzung der Situation mehr ist und körperlich eher wie Angststörung wirkt.

Angst verengt den Blick

Die österliche Hoffnung  – das „Fürchte Dich nicht“ beginnt für mich im eigenen Körper. Körper und Geist, Gedanken und Gefühle sind nicht voneinander zu trennen. Um das Leben zu retten, musste man früher fliehen, kämpfen oder sich tot stellen. Und so reagiert der Körper heute noch immer. Der Blutfluss wird umverteilt und alle Funktionen, die im Augenblick nicht lebensnotwendig sind, werden gehemmt. Auch höhere Hirnfunktionen werden vermeintlich nicht gebraucht und abgeschaltet, es entsteht ein Tunnelblick. Je bedrohlicher und stressiger eine Situation erlebt wird, umso weniger sind wir Menschen zu intelligenten, kreativen oder ethischen Lösungen in der Lage.

Etwas Zweites ist mir aufgefallen bei den Evangelien: Ihre Augen waren gehalten, sie erkannte ihn nicht. Sowohl von den Emmaus-Jüngern als auch von Maria Magdalena wird berichtet, dass sie ganz offensichtlich einen solchen „Tunnelblick“ hatten. Gesehen und doch nicht erkannt haben.

Wenn die Augen aufgehen und sich der Blick weitet

Kann man sich einüben, wieder freier und weiter zu blicken? Ich glaube, ja! Gerade das Augentraining kennt unterschiedlichste Übungen, mit den Augen alle Möglichkeiten der Blickrichtung auszunutzen. Ich übe das gerne für meine Augen: wenige Sekunden ganz nach oben, danach ganz nach links, dann ganz nach unten und ganz nach rechts zu schauen, dann im Wechsel sehr nah und sehr weit.

Und manchmal, wenn ich durch unseren Stadtteil gehe, nehme ich mir bewusst vor, ein Detail entdecken zu wollen, was ich bisher noch nicht wahrgenommen habe: eine schöne Fassade, eine Blüte an einem Baum, vielleicht einem besonderen Baumstumpf oder ein Tier.

Dann komme ich manchmal anders zurück von meinem Spaziergang. Die Achtsamkeit wird sicherlich noch viele Wochen und Monate bleiben – umso mehr möchte ich meinen Körper einüben, auch in diesen Coronazeiten die körperliche Haltung der österlichen Botschaft lebendig zu halten: Fürchte Dich nicht! Damit Augen und Herz nicht gehalten sind, sondern erkennen können…

Online-Workshop Aufstellungsarbeit

In diesem Workshop erlebst Du die Aufstellungsarbeit wie ich sie verstehe und Dich ggf. danach entscheiden, an der offenen Aufstellungsgruppe teilzunehmen.

Aufstellungen können auf verschiedene Ebenen ansetzen. Sie können ganz lösungsorientiert helfen, ein Problem zu lösen. Das kann sehr hilfreich sein.
Aufstellungen können aber genauso gut tiefere Schichten in uns ansprechen und aufgreifen, die uns mit Kräften verbinden, die größer sind als wir. Diesen Kräften können wir in unserem Leben Raum geben, so dass aus der Tiefe ein neuer Weg sich zeigen kann, der Heilung ermöglicht - diese Kräfte nenne ich den Urgrund. Verstehen wir unser Leben im Kontakt mit diesem Urgrund, dann ergeben sich neue Sichtweisen und eine tiefe innere Bewegung der Seele und des Geistes.

Bruder David

ich will dabei sein

Frohe Ostern 2020

Wir Brüder der Cella wünschen Dir ein gesegnetes Osterfest.
Andrà tutto bene! So kann man es derzeit in Italien im ganzen Land lesen: Alles wird gut. Gibt es einen Satz, der am besten die Bedeutung von Ostern zusammenfasst?
Tatsächlich, alles wird gut. Und im Lichte von Ostern wirkt auch das Kreuz anders und erhält eine neue Bedeutung.

Möge dieses Licht auch in Deinem Leben erstrahlen und Dir helfen, alles neu zu sehen.

Die Brüder der Cella