Alle Artikel in: Espresso

Espresso – 27.2.2017

Am besten einsteigen. Jeden Tag fahren genug Züge und Busse an Dir vorbei – es sind Einladungen. Gewiss nicht nur gute. Da gibt es Busse, die wollen, dass Du Dich mitärgerst. Es gibt Bahnen, die fahren direkt vor die Wand. Andere führen in den Frust, das Beklagen, den Büroklatsch, die Verdächtigung, den Verrat, das ungute Wort. Alles Züge, die an Dir jeden Tag vorbeifahren, kurz anhalten und mit verlockend freundlicher Stimme Dich zum einsteigen auffordern. Hier sagst Du besser, nein Danke. Es gibt die anderen Züge, die Dich in die Dankbarkeit führen, wo Du anderen etwas Gutes tun kannst, wo ein Lächeln etwas Wert ist und verändert, wo Du in vollen Zügen genießen kannst. Wenn solche Züge und Busse bei Dir halten und Dich einladen einzusteigen, dann heißt es: Ja, gerne. Hab eine gesegnete Woche.

Espresso – 20.2.2017

What a time to be alive. Was für eine Zeit zu leben. Wer so sprechen kann, wer das ausruft, der ist zufrieden, der ist dankbar für das eigene Leben – ich gehe mal davon aus, dass der Satz positiv gemeint ist. Man kann ihn auch anders aussprechen. Was für eine Zeit zu leben. Irgendwie stimmt ja immer beides. Aber trotz aller Sorgen, der vielen schlechten Nachrichten – die Welt bietet Dir unendlich viel Schönes und Gutes. Behalte den Blick dafür, lass dich nicht in den negativen Strudel mitreißen. Angst macht aus Dir einen sehr guten Konsumenten – vergiss das nicht. Glückliche Menschen kaufen weniger. Vielleicht wird es Zeit, darüber einmal nachzudenken – das gilt auch für die Politik. Also: sag Dir am Morgen: was für eine Zeit zu leben! Gut, das ich jetzt lebe. Ja, es ist gut, sonst würdest Du gar nicht auf der Welt sein. Schön, dass Du jetzt lebst. Hab eine gesegnete Woche.

Espresso – 13.2.2017

Bleib neugierig, ja sei interessiert, entwickle Forschergeist. Neugier ist eine so wichtige Eigenschaft. Offen zu sein für das, was passiert. Zu stöbern, eigene kleine Forschungsprojekte zu starten, um etwas herauszufinden. Wer im Alter jung bleiben will, der behält sich seine Neugier. Neugier auf Menschen, auf neue Erfahrungen, neue Klänge, neues Gesehene. Wer neugierig ist, der geht nicht davon aus, dass alles immer beim alten bleibt, der weiß, Dinge können ganz anders sein und ich will es herausfinden. Kinder sind neugierig und eignen sich so die Welt an. Vielleicht ist es auch für Dich wieder Zeit, neugierig zu sein, immer eine Frage auf den Lippen zu haben und sich wirklich für etwas zu interessieren. Wir wünschen es Dir. Hab eine gesegnete Woche.

Espresso – 6.2.2017

Weil Gutes Freude macht. So wirbt eine Supermarktkette für sich. Und sie haben recht. Jemandem etwas Gutes tun macht uns zutiefst zufrieden und glücklich. Jemandem etwas schenken, nicht, weil man es muss oder es so üblich ist, sondern einfach so, weil es mir ein Bedürfnis ist, das macht wirklich Freude. Viele Menschen suchen Freude, Spaß, wollen Lust und Laune erleben. Aber das, was immer nur bei mir bleibt, das wird mich auf Dauer nicht befriedigen. Es braucht die Grenzüberschreitung, es braucht den oder die andere. Wenn Du also in der kommenden Woche Freude haben möchtest, dann schenk doch etwas – und sei es nur einen Riegel Kinderschokolade oder was auch immer. Die Freude ist Dir gewiss. Hab eine gesegnete Woche.

Espresso – 30.1.2017

Es ist verständlich, dass man es im Leben gerne leicht hat, dass keine Betrübnis, kein Kummer uns heimsucht. Aber es sind nicht Fröhlichkeit, nicht Leichtigkeit und auch nicht die Freude, die uns weiterbringt, die unser Herz weiten. Die schweren Zeiten sind es, die uns lernen lassen und uns zu einer Weiterentwicklung führen. Die Psychologie sagt, dass wir Probleme und Schwierigkeiten brauchen, um an Tiefe zu gewinnen, um ein mehr an Verständnis für das Leben zu erlangen und Jahr für Jahr mehr an Weisheit dazuzugewinnen. Natürlich können wir auch am Schweren zerbrechen. Wer aber das Schwere als Chance auffassen kann, wer erkennt, dass es zum Leben dazu gehört, Schicksalsschläge hinnehmen zu müssen, traurig zu sein und Verluste zu erleiden, der kann daran reifen, wachsen, dessen Herz kann weit und weiter werden. Ich wünsche mir kein Leben ohne Probleme und Schwierigkeiten, sondern ein Leben, das mein Herz weitet. Hab eine gesegnete Woche

Espresso – 23.1.2017

Unsere Klosterregel beginnt mit dem Aufruf “Höre!” Das erste Wort ist in antiken Schriften stets das wichtigste und fasst alle weiteren Worte und Sätze zusammen. Das wichtigste für Menschen, die mönchisch leben wollen, ist es also wahrzunehmen, aufzuhorchen, die Ohren zu spitzen und bereit zu sein. Es geht natürlich darum, in den vielen Stimmen unserer Welt die eine Stimme herauszuhören, die Stimme Gottes. Wir wissen vermutlich alle, wie schwer das manchmal ist. Glauben und Spiritualität ist deshalb immer auch eine Schule des Hörens, der Unterscheidung der Stimmen. Glauben kommt von hören, heißt es im Neuen Testament. Es wird dadurch nochmals klar, wie eng das Wahrnehmen und die Präsenz und Botschaft Gottes zusammenhängen. Vielleicht versuchst Du diese Woche mehr aufzuhorchen, mehr zu lauschen nach innen und nach Außen, zwischen den Zeilen zu lesen. Denn oft finden wir Gottes Stimme nicht direkt, sondern verborgen in den vielen Worten und Sätzen dieser Welt. Hab eine gesegnete Woche.

Espresso – 16.1.2017

Was bleibt, stiften die Liebenden. Hat einmal der evangelische Theologe Jörg Zink gesagt. Das Bleibende wird aus der Liebe geboren, nicht aus Angst oder Hass und nicht aus Habgier oder Frust. Wenn Du etwas Bleibendes in dieser Welt schaffen möchtest, wenn Du Deinen Worten Bestand geben willst, dann sprich sie aus Liebe aus. Und Liebe ist jetzt nicht irgendeine Emotion, es ist eine innere Entscheidung für einen Weg, eine innere Erfahrung. Die grundlegende Liebe entdeckt man Schritt für Schritt. Sie ruht in Dir, Du lebst aus ihr, aber Du magst sie vielleicht noch nicht erkennen. Wer aus dieser Liebe etwas in die Welt setzt, der schafft tatsächlich etwas Bleibendes. Hab eine gesegnete Woche.

Espresso – 9.1.2017

In unserer Klosterregel steht die kleine Empfehlung: Den Streit nicht lieben. Man könnte sich fragen, wer mag schon Streit. Doch ist es manchmal so, dass wir uns so verrannt haben, dass wir gefallen an unserer Rolle gefunden haben. Vielleicht haben wir uns in unserer Opferrolle und unseren Vorwürfen sogar häuslich eingerichtet. Das kommt mehr vor, als man meinen Könnte. Schau Dir Deine Situation genau an. Vielleicht bist Du schon gefangen in Vorwurf und Gegenvorwurf. Oder Du kennst aus anderen zeiten solche Erfahrungen. Lösungen werden dadurch nie geboren. Es wird Zeit wieder ruhe einkehren zu lassen, sich zu besinnen und aus den Automatismen auszusteigen. Der Frieden ist wichtiger und Vorwürfe haben noch nie jemanden geholfen. Halte Dich also zurück und gib dem Frieden eine gute Chance. Hab eine friedvolle und gesegnete Woche.

Espresso – 2.1.2017

Gib deinem Herz ein Zeichen, dass sich die Winde drehn Hoffnung ist ohne gleichen, wenn sie die Göttlichen sehn. Rainer Maria Rilke Unser Herz braucht Zeichen, braucht etwas sichtbares, wahrnehmbares – Zeichen der Liebe und Wertschätzung, Zeichen der Aufmerksamkeit. Es sind nicht nur die anderen, die uns Wertschätzung geben sollen und von denen wir es brauchen. Es sind wir selber, die als erstes uns selbst diese Zeichen geben und schenken sollen. Schenke Dir Zeichen des Wohlwollens und des Mitgefühls. Auch die kommende Woche wird wieder viele Herausforderungen für Dich bereithalten. Sei Du jemand, der durch alles hindurch mit selbst zugewandtem Wohlwollen geht. Hab eine gesegnete Woche!