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Ich möchte heute über etwas sprechen, das wir oft als lästig empfinden, das aber eine ganz tiefe Qualität in sich trägt: Das Warten. Wir leben in einer Welt, die auf Beschleunigung getrimmt ist. Alles muss sofort geschehen. Jedes Bedürfnis soll bitteschön augenblicklich gestillt werden. Wenn wir an einer roten Ampel stehen oder im Wartezimmer eines Arztes sitzen, werden wir ungeduldig. Wir greifen sofort zum Smartphone, um die Lücke zu füllen. Wir tun das, um bloß nicht mit uns selbst und der Leere konfrontiert zu sein.

Aber hast du dich schon mal gefragt, was in diesem „Dazwischen“ eigentlich passiert?


Eine Einladung zur Präsenz

Das Warten ist nicht einfach nur verlorene Zeit, die wir hinter uns bringen müssen. Es ist eine Einladung. Es ist eine Einladung, innezuhalten und präsent zu sein – auch wenn es sich im ersten Moment unangenehm anfühlt.

Es geht um die Kunst, die Ungewissheit auszuhalten, wenn wir noch nicht wissen, wie die Dinge ausgehen. In dieser Stille, in diesem vermeintlichen Stillstand, liegt eine Kraft, die wir oft übersehen.

Schauen wir uns einmal an, was in uns vorgeht, wenn wir warten müssen:

  • Meistens entsteht ein innerer Widerstand.

  • Wir wollen schon dort sein, wo wir eigentlich erst hinkommen wollen.

  • Wir flüchten gedanklich in die Zukunft.

Das ist menschlich, aber es schneidet uns von der Gegenwart ab.


Das Stehen im Nebel

Die Psychologie nennt die Fähigkeit, das Unklare auszuhalten, „Ambiguitätstoleranz“. Ein sperriger Begriff, ich weiß. Aber eigentlich bedeutet er nur, dass wir lernen dürfen, im Nebel zu stehen, ohne sofort nach einer Taschenlampe zu greifen.

Stell dir vor, du bist wie ein Gärtner, der einen Samen gepflanzt hat. Du kannst nicht am Halm ziehen, damit die Pflanze schneller wächst. Du musst warten. In diesem Warten liegt ein tiefes Vertrauen. Es ist das Vertrauen darauf, dass sich im Verborgenen etwas entwickelt, auch wenn du es noch nicht sehen kannst.

Warten bedeutet Vertrauen. Warten bedeutet Wachsenlassen.


Den Widerstand loslassen

Wenn du das nächste Mal wartest, versuch einmal, den Widerstand loszulassen. Spüre, wie dein Atem fließt, ohne dass du etwas tun musst. In diesem Moment bist du ganz bei dir. Du bist da, im Hier und Jetzt, ganz schlicht und einfach.

Was macht die Ungewissheit eigentlich so schwer für uns? Es ist oft die Angst vor dem Kontrollverlust. Wir wollen wissen, was morgen ist, damit wir uns sicher fühlen. Aber das Leben ist nicht sicher. Es ist ein ständiger Fluss. Wenn wir lernen, das Dazwischen auszuhalten, begegnen wir unserer eigenen Verletzlichkeit.

Das ist ein zutiefst spiritueller Moment. Es ist der Augenblick, in dem wir erkennen, dass wir eben nicht alles in der Hand haben.


Warten als Gebet

Vielleicht ist das Warten sogar eine Form von Gebet. Nicht, indem wir Gott um eine schnelle Lösung bitten, sondern indem wir sagen: „Ich bin hier. Ich halte das jetzt aus.“ Das ist eine sehr nüchterne, aber kraftvolle Haltung. Es geht darum, die Spannung nicht sofort aufzulösen. Wenn du in der Schlange im Supermarkt stehst, kannst du das üben:

  1. Schau die Menschen an.

  2. Nimm die Geräusche wahr, ohne sie zu bewerten.

  3. Erkenne: Du musst nirgendwo anders sein als genau dort.

Dieses Annehmen der Situation, so wie sie ist, öffnet eine ganz neue Tür in deinem Inneren.


Den Warten lernen

Diese Fähigkeit, im Ungewissen zu verweilen, ist wie ein Muskel, den wir trainieren können. Er verändert unsere Wahrnehmung der Welt. Wenn du nicht mehr ständig versuchst, die Zukunft vorwegzunehmen, wirst du innerlich frei.

Du entdeckst, dass das Göttliche nicht nur am Ziel auf dich wartet, sondern mitten im Prozess, mitten in der Wartezeit. Es ist die Qualität der Präsenz.

Wenn du eine Entscheidung treffen musst und die Antwort noch nicht da ist, dann bleib in der Frage. Halte die Frage in deinem Herzen, wie man eine kostbare Schale hält. Sei wachsam für das, was sich zeigen will. Oft kommen die tiefsten Einsichten gerade dann, wenn wir aufgehört haben, krampfhaft nach ihnen zu suchen.

Das Warten wird dann zu einer Form der Hingabe. Du gibst dich dem Augenblick hin, so unvollkommen er dir auch erscheinen mag. Das ist wahre Reife: Zu wissen, dass alles seine Zeit hat.


Ein neuer Blick auf die Leere

Es braucht Mut, die Leere nicht sofort auszuschütten oder zu füllen. Aber genau darin kann etwas wirklich Neues und Wesenhaftes entstehen.

Ich wünsche dir, dass es dir in der kommenden Woche ganz besonders gut gelingt, dieses Warten zu gestalten und für dich und dein Leben anzunehmen.

David Damberg


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