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Weitere InformationenIn den letzten Tagen habe ich mir viele Gedanken über ein Thema gemacht, das uns eigentlich alle betrifft. Es ist etwas, worüber wir oft viel zu sicher sprechen: Es geht um die Bilder und die Worte, die wir für Gott haben.
Wir nutzen diese Begriffe ständig. Wir tragen bestimmte Vorstellungen in unseren Köpfen. Irgendwie suggeriert uns das, wir könnten Gott verstehen. Wir denken uns: „Vielleicht verstehe ich es jetzt noch nicht ganz, aber später irgendwann, da habe ich den Durchblick.“ Oder noch schlimmer: Wir glauben, wir hätten es schon längst verstanden. Wir sagen uns: „Das ist Gott. So sieht er aus. Jetzt habe ich es begriffen.“
Aber wenn wir mal ganz ehrlich sind und tief in uns hineinhorchen, dann merken wir: Das ist ein Trugschluss. Es ist ein riesiger Trugschluss.
Die Illusion der Verfügbarkeit
Wir müssen uns einer harten Wahrheit stellen: Wir können Gott nicht verstehen. Und was vielleicht noch viel wichtiger ist: Gott ist nicht verfügbar.
Hast du schon einmal versucht, Gott für deine Zwecke zu nutzen? Wir alle tun das manchmal. Wir möchten Zugriff auf ihn haben. Wir wollen über ihn bestimmen, ihn instrumentalisieren oder für unsere eigenen Wünsche besitzen. Aber Gott ist nicht greifbar. Er ist nicht handhabbar. Er ist nicht einfach ein Werkzeug, das wir für unsere Sehnsüchte einsetzen können.
Gott ist frei.
Ich mag das Bild, dass Gott eigentlich eher wie eine Leerstelle ist. Aber Vorsicht: Damit meine ich kein Vakuum. Ich meine kein schwarzes Loch, in dem einfach nichts ist – kein Null, kein Niente, kein Nada. Es ist vielmehr eine Form der Präsenz, die schlicht jenseits unserer logischen Begrenzung liegt. Es liegt jenseits dessen, was wir normalerweise als Existenz wahrnehmen.
Warum Beweise ins Leere laufen
Schau dich einmal um: Wir kennen Blumen, wir kennen Bäume, wir kennen Bücher. All diese Dinge können wir aufzählen, wir können sie anfassen. Sogar abstrakte Dinge wie unsere Gefühle können wir benennen. Wir haben Worte dafür. Wir können sie messen oder zumindest wiegen – wir wissen genau, wie schwer sie manchmal auf unserer Seele lasten.
Bei Gott ist das anders.
Gott ist nicht zu ermessen.
Gott ist nicht zu wiegen.
Er entzieht sich völlig dieser Ebene. Und genau deshalb ist er auch nie zu beweisen, aber eben auch nicht zu widerlegen. Es gibt keinen wissenschaftlichen Gottesbeweis, aber es gibt eben auch keinen Beweis, dass er nicht existiert. Warum ist das so? Weil Gott sich dieser Ebene des Seins komplett entzieht. Er existiert nicht so, wie wir existieren. Er existiert auf eine ganz andere Art und Weise.
Wie feiner Sand zwischen den Fingern
Weißt du, was passiert, wenn wir es trotzdem versuchen? In dem Augenblick, in dem wir versuchen, Gott intellektuell zu fassen, ihn festzuhalten oder ihn fast schon in unsere Logik einzusperren, da entgleitet er uns.
Er rinnt uns durch die Finger wie feiner Sand.
Er entwischt uns sofort, weil er diese Form der Existenz, die wir ihm aufdrängen wollen, gar nicht hat. Er braucht sie auch nicht. Seine Existenz ist eine höhere Existenz. Das kann uns natürlich Angst machen. Es kann uns Sorgen bereiten oder uns irritieren. Wir fragen uns dann vielleicht: „Was bleibt denn dann überhaupt noch übrig?“
Aber genau das ist die Existenzform Gottes schlechthin. Es gibt keine andere, weil Gott der ganz Andere ist. Er ist nicht zu vergleichen. Er ist nicht einfach ein Mensch mit Superkräften, der irgendwo im Himmel sitzt. Er entzieht sich all dem.
Die Berührung mit dem Heiligen
Ich glaube, wir müssen lernen, das auszuhalten. Wir müssen diese Unfassbarkeit ertragen können. Genau das ist doch das Geheimnis Gottes, das Besondere. Wenn wir wirklich in Berührung kommen mit dieser Ebene, dann erschauern wir. Dann sind wir plötzlich berührt von etwas, das wir das Heilige nennen.
Das Heilige ist jenseitig. Es ist nicht so wie die Welt, die wir täglich wahrnehmen. Da reicht etwas in unser Leben hinein, was nicht von dieser Welt ist.
Das wirft natürlich auch einen kritischen Blick auf all unsere Bilder:
Denk an die prächtigen Barockkirchen.
Denk an die Kreuze, die an unseren Wänden hängen.
Das ist nicht falsch, das darf alles sein. Aber wir müssen uns immer wieder klarmachen, dass dies nur vorsichtige Versuche sind, sich anzunähern. Selbst die Darstellungen von Jesus beziehen sich zwar auf eine konkrete Person, aber das Göttliche in ihm lässt sich nie wirklich darstellen oder festhalten. Wir werden uns immer nur annähern können.
Was wir wirklich brauchen
Ich finde es so wichtig, dass wir uns das erlauben. Trotz all unserer Sehnsucht, alles konkret und dingfest zu machen, sollten wir uns die Irritation gönnen, dass Gott so ganz anders ist.
Denn genau dieses „Andere“ ist es doch, was wir wirklich brauchen. Wir brauchen nicht noch mehr von uns selbst. Wir brauchen keinen Supermenschen, der uns verspricht, alle Probleme per Knopfdruck zu lösen. Davon gab es in der Geschichte schon genug, und meistens hat es nur Unheil angerichtet.
Was wir wirklich brauchen, ist das ganz Andere. Etwas, das unsere Welt wieder in Ordnung bringt, weil es nicht aus unseren begrenzten Maßstäben kommt. Wir brauchen das Andere, das uns zeigt, was Liebe wirklich heißt. Denn echte, bedingungslose Liebe kann letztlich nur von dort kommen.
Ich wünsche dir für die kommende Woche, dass du diesen Freiraum in dir spürst. Dass du Gott erlaubst, anders zu sein, als du es dir vielleicht vorstellst.

