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Guten Appetit! Ernten und Essen

Guten Appetit! Ernten und Essen

Guten Appetit! Ernten und Essen Am Sonntag haben wir in unseren Kirchen Erntedank gefeiert. In vielen Gemeinden, auch in einer Großstadt wie Hannover, gibt es oft klare Traditionen und Gewohnheiten für dieses Fest. Teilweise wird der Altar mit verschiedenen Früchten geschmückt und ein besonderer Segen über die Gaben gesprochen. Fast vergessen in all diesem liturgischen „business as usual“ sind die Zeitungsmeldungen, die uns noch vor sechs Wochen beschäftigt haben: Die Bundesregierung sagte den Bauern in dieser Erntesaison eine Nothilfe in Höhe von 340 Millionen Euro wegen der erheblichen Dürreschäden zu und stufte das warme Wetter in diesem Jahr als „Schadensereignis von nationalem Ausmaß“ ein. Die errechnete Schadenssumme soll sogar bei dem doppelten Betrag liegen. Die Ernte bestimmte, ob ich satt werde Über viele Jahrhunderte prägt die Ernte eines Jahres auch im Wesentlichen die Speisen, die ich in der nächsten Zeit essen konnte. Früher hätte also eine solche Ernte auch Hunger und Not zur Folge gehabt. Von dieser Erfahrung sind alle biblischen Hinweise zur Ernte geprägt und sicherlich auch unsere Gewohnheiten des Erntedank. Für mich als …

Schlafe selig und süß…

Schlafe selig und süß… Als abendlichen Gruß verwende ich ihn ganz selbstverständlich: Gute Nacht! und für etwas vertrautere Menschen auch in der Variante: Schlaf gut! Abends summe ich für mich alleine auch die Melodie aus dem Gute-Nacht-Lied von Johannes Brahms „Guten Abend, gut Nacht“: „Schlafe selig und süß, schau im Traum ´s Paradies“. Ich bin froh und dankbar, dass ich überwiegend gut schlafen kann. Freunde lächeln manchmal über mein „Verfallsdatum“, das irgendwo so gegen 23:00 Uhr liegt. Dann werde ich so müde und unkommunikativ, dass ich auf Feiern eigentlich nicht mehr zu gebrauchen bin und dann am besten auch ins Bett gehe. Bei meinem doch seit Jahrzehnten ziemlich gleichmäßigen Lebensrhythmus ist das natürlich kein großes Wunder. Aber natürlich kenne ich viele Menschen, die große Mühe haben, abends gut einzuschlafen, und vor allen Dingen Probleme haben, in der Nacht, im Schlaf wirklich Entspannung und Erholung zu finden. Das schien irgendwie schon immer ein wichtiges Thema zu sein. Auch in unseren Psalmen, die wir in der Cella immer wieder singen, finden sich manche Verse zum entspannten Schlafen: …

Im Schweiße meines Angesichts

Im Schweiße meines Angesichts Ich bin ein Mensch, der die Wärme liebt. Von daher kann ich das herrliche Wetter und auch die Temperaturen größtenteils einfach nur genießen. Aber sie bringen mich natürlich auch mit einem Anteil meines Körpers in Kontakt, die ich sonst selten so unerbittlich erlebe: mit meinem Schweiß. Alles fließt, alles klebt – ob ich sitze, stehe oder gehe. Und so manches Mal musste ich an den Fluch über Adam und Eva denken, der am Anfang der Bibel steht und den auch viele überhaupt nicht mehr kirchlich orientierte Menschen als Redewendung gut kennen: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen. So steht es in der Schöpfungsgeschichte im ersten Buch der Bibel. Die natürlichste Klimaanlage der Welt Mediziner sind da ganz anderer Meinung. Für sie ist der Schweiß ein wirklicher Segen für uns, er ist sozusagen die natürlichste Klimaanlage der Welt, sie funktioniert Tag und Nacht, genau nach Bedarf. Denn die Hitze kann innere Organe und vor allen Dingen die hochempfindlichen Gehirnzellen beeinträchtigen und schädigen. Beim Schwitzen entsteht eine Verdunstungskälte und dadurch …

Allergisch sein und allergisch werden

Allergisch sein und allergisch werden Bei diesem schönen Wetter fahre ich gerne mit dem Fahrrad durchs Grüne. Die Spuren auf dem Fußboden, an den Autos und nicht zuletzt an meinem Fahrrad machen es sofort klar: In diesen Wochen sind unendlich viele Pollen in der Luft. Meine Augen jucken und nach einigen Kilometern ist sogar mein Hals gereizt – vor allen Dingen dann, wenn ich mich beim Fahren unterhalte oder so schnell fahre, dass ich nicht mehr ganz durch die Nase atmen kann. Ich habe einige Bekannte mit schweren Allergien und vielen leidvollen Erfahrungen. Zum Glück habe ich keine schwere Allergie und bin bisher immer ohne Histamin hemmende Medikamente ausgekommen, auch wenn mein ärztlicher Allergietest den ein oder anderen positiven Befund hatte. Aus diesem Kontext blicke ich auf das „ein bisschen allergisch sein“. „Jetzt sei doch nicht gleich so allergisch“ Ich erlebe an meinem Körper durchaus Reaktionen auf Blütenpollen. Manchmal sind die Reaktionen kaum merkbar, manchmal empfinde ich sie schon als klare Einschränkung. „Jetzt sei doch nicht gleich so allergisch“, dieser Satz aus unserer Umgangssprache kommt …

„Ganz schön schräg“

„Ganz schön schräg“ „Ganz schön schräg“, sage ich manchmal zu Dingen, die ich im Alltag erlebe. Und wenn ich den Satz genau anschaue, dann merke ich, wie ich alle Worte eigentlich übertragen nutze. Als schräg bezeichne ich etwas, das ich komisch oder befremdlich finde, etwas, das irgendwie nicht so richtig passt. „Ganz schön“ ist ebenfalls relativiert gemeint. Korrekter müsste ich sagen. „ziemlich komisch und befremdlich“. Unterschiedliche Spannungen auf dem Rücken Auch in der Praxis rutscht mir dieser Satz häufiger einmal gegenüber einem Patienten heraus, den ich schon besser kenne und bei dem ich glaube, mir diesen Satz erlauben zu können. Dann meine ich mit diesem Satz üblicherweise den Rücken und die Wirbelsäule. Oft klopfe ich am Beginn der Behandlung ganz leicht den Rücken ab und versuche, aus den unterschiedlichen Tönen unterschiedliche Spannungen auf dem Rücken zu erkennen. Bei manchen Menschen sind die Spannungsunterschiede so groß, dass man bereits auf den ersten Blick sieht: Die Wirbelsäule ist schief. Die Schultern stehen unterschiedlich hoch, der Brustkorb wirkt seitenungleich oder die eine Hand hängt anders als die andere. …

Ein gutes Gefühl im Bauch

Ein gutes Gefühl im Bauch

Ein gutes Gefühl im Bauch Mit Schmunzeln denke ich gerne an eine kleine Begebenheit zurück, als eine Gruppe aus dem benachbarten Kindergarten in der Cella zu Besuch war. Zum Abschied fragte mich ein kleiner Junge, der noch neu im Kindergarten war: „Hast Du auch ein Baby im Bauch?“. Die beiden daneben-stehenden Erzieherinnen konnten ihr Schmunzeln nur mühsam unterdrücken und auch ich habe diesen schönen Satz nicht vergessen. Da war in der Familie wohl Nachwuchs in Sicht und der Junge hatte beobachtet, wie ich liebevoll meine Hand auf meinem Bauch liegen hatte, was ich manchmal einfach gerne tue. Von einem Waschbrettbauch bin ich meilenweit entfernt. Bei mir gibt es eher die liebevollen Rundungen, die den Jungen tatsächlich und auch ganz berechtigt an eine Schwangerschaft erinnern, auch wenn die Ursachen für meine Rundungen natürlich ganz woanders liegen. Das habe ich dem Jungen dann ganz freundlich erklärt und nach einem „ach so“ war die Sache für ihn dann auch erledigt. Ein angespannter Bauch macht schnell auch Bauchschmerzen Seitdem denke ich häufiger über das gute Bauchgefühl nach – das …

Vor-Freude in den Muskeln

Vor-Freude in den Muskeln

Vor-Freude in den Muskeln In den letzten Tagen war ich zu einem runden Geburtstag eingeladen. Und weil ich mich auf das Fest gefreut hatte, hatte ich nicht nur ein Geschenk vorbereitet, sondern auch einen kleinen festlichen Beitrag. Und in den Tagen vor dem Fest entdeckte ich in mir ein Gefühl der „Vorfreude“. Ich merke, dass ich dieses Wort für so altmodisch halte, dass ich es selber eigentlich kaum in den Mund nehmen mochte. Aber dieses besondere Gefühl war da, und irgendwie fällt mir auch keine bessere und treffendere Bezeichnung ein. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll Ich musste dabei an die Geschichte im kleinen Prinzen denken, die dieses Gefühl in so einfachen Worten, aber doch so treffend beschreibt: „Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen“, sagte der Fuchs. „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich …

Vom freudigen Rausch und den Tagen danach

Vom freudigen Rausch und den Tagen danach „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, singen die Karnevalisten im Rheinland und schlafen an den nächsten Tagen ihren Rausch aus. So das gängige Klischee. Gleichzeitig bemüht sich die Kirche, uns Gläubigen klarzumachen, dass es mit dem Aschermittwoch erst so richtig losgeht: das sinnvolle, Gott gefällige Leben, möglichst ohne Alkohol und Süßigkeiten, mit dem wir uns auf Ostern vorbereiten sollen. Als Kind jedenfalls musste ich alle Süßigkeiten, die ich im Straßenkarneval gefangen hatte, in eine große Plastiktüte packen. Die wurde gut verschlossen und erst am Nachmittag des Karsamstags wieder geöffnet. Damit war für mein kindliches Gefühl sehr klar, was am Aschermittwoch vorbei war…. Zeiten, wo man aus sich heraus gehen kann Als gebürtiger Kölner schlägt mein Herz natürlich für den Karneval, dem ich auch als Christ viel abgewinnen kann. „Wenn es Karneval nicht gäbe, müsste man ihn aus psychotherapeutischen Gründen einführen“, so hat der Philosoph und Therapeut Wolfgang Oesler gesagt. Die Psyche des Menschen braucht abgesprochene Zeiten, wo man aus sich heraus gehen kann in eine kleine Mini-Ekstase. Und dazu …

Ich bin ganz Ohr

Ich bin ganz Ohr

Ich bin ganz Ohr Vor einigen Wochen fragte mich ein junger Mensch, der erst seit kurzer Zeit die deutsche Sprache lernt, nach dieser Redewendung. „Was soll das bedeuten, ist das nicht falsches Deutsch“. Ich erzählte ihm, dass diese Redewendung dem Zuhörer signalisieren soll, dass man ihm ganz aufmerksam zuhört. „Aber der war ganz gestresst und ich glaube, er hat mir gar nicht richtig zugehört“, bekam ich als Antwort. Über beides musste ich nachdenken. Natürlich bin ich viel mehr als nur mein Ohr und doch kann ich mit keinem anderen Sinnesorgan so viele Dinge von einem anderen Menschen wahrnehmen wie mit meinem Ohr. Als Stimmtherapeut ist mein Ohr das wichtigste diagnostische Instrument. Liebevolle Zuwendung im Zuhören In der Praxis erlebe ich Menschen, die ganz angefüllt sind mit Eindrücken, die sie mir zunächst erzählen. Tatsächlich bin ich manchmal viele Minuten lang ganz Zuhörer, eigentlich nur Ohr. Eine Antwort oder eine Frage ist völlig unpassend und steht noch nicht an. Umgekehrt kenne ich es auch: Es ist schön und wohltuend, in manchen Situationen einen lieben Menschen zu haben, …