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Wenn die Puste ausgeht

Wenn die Puste ausgeht… – reloaded

Wenn die Puste ausgeht… Als ich am letzten Montag Br. Nikolaus geholfen habe, die kräftigen Wurzeln von einigen unserer alten Bäume und Sträucher im Garten auszugraben, habe ich gemerkt, dass ich doch hin und wieder eine Verschnaufpause brauchte. Mir ist ein bisschen die Puste ausgegangen. Geht Dir auch schon mal die Puste aus? Zugegeben: Ich bin die Gartenarbeit nicht so wirklich gewöhnt. Aber eigentlich war es auch kein Problem, eine kurze Pause, vier oder fünf Atemzüge, und dann ging es weiter mit der Gartenarbeit. Eine ganz normale Erfahrung im Alltag, die ich von mir kenne. Und solange die Puste dann ganz schnell wieder kommt, ist das eigentlich keine weiteren Gedanken wert. Du kennst vielleicht ähnliche Situationen aus Deinem Alltag. Und doch bin ich an diesem Gedanken hängen geblieben: an der Puste, die mir auch im übertragenen Sinne bei manchen Dingen schnell mal ausgeht. Weil der Körper mehr braucht… Es gibt Tätigkeiten und Aufgaben, für die der Körper mehr Sauerstoff als gewöhnlich braucht, Sauerstoff, um ihn in körperliche Energie umzusetzen. Die Muskeln brauchen unter anderem Sauerstoff, …

Berühren lernen und verstehen können

Berühren lernen und verstehen können Wenn Babys die Welt um sich herum entdecken wollen, dann nehmen sie Gegenstände wie selbstverständlich in den Mund. Die Augen können noch nicht so scharf sehen und auch die Finger müssen das feine Tasten noch lernen. Wenn ein kleines Kind also etwas intensiv erkunden möchte, dann kann es das nur mit dem Mund. Mit diesem Tastsinn bekommt das Kind eine Vorstellung von Form, Größe, Oberflächenbeschaffenheit und Festigkeit des Gegenstandes, zusätzlich natürlich auch von Geschmack und Geruch. Vielleicht ist der Gegenstand warm oder kalt, vielleicht gibt es einen Schmerz, weil der Gegenstand hart oder spitz ist. Und im Normalfall lernt das Kind aus der Berührung des Gegenstandes, wie es zukünftig mit diesem Gegenstand umgehen will und welche Bedeutung dieser Gegenstand in seinem Leben haben kann. Alles mit dem Mund So haben wir alle angefangen, unsere Umwelt zu entdecken – oft zum Schrecken unserer Eltern, die uns ermahnen, nicht alles in den Mund zu nehmen. Erst wenn wir größer sind, lernen wir, mit unseren Fingern und insgesamt mit der Haut Gegenstände wahrzunehmen …

Eine Hand, die mich hält

Eine Hand, die mich hält Ein kleines Kind schreit, da kommt ein lieber und dem Kind vertrauter Mensch – häufig die Mutter – nimmt das Kind auf den Arm. Und das Kind hört auf zu schreien, wird ruhig. Eine bekannte Situation, die ich oft erlebt habe. Ich muss zugeben, dass ich mich nicht wirklich erinnern kann, wie meine Mutter oder mein Vater mich auf den Arm genommen haben. Aber wenn ich alte Fotos anschaue, die mich als Baby in den Armen meiner Eltern zeigen, dann entstehen in mir bis heute diese Gefühle von „auf Händen getragen sein“. Jetzt bin ich manchmal in der umgekehrten Situation, darf ein mir vertrautes Kind in den Arm nehmen, es trösten und wieder in die Ruhe bringen. Die Hand, ein Wunderwerk der Schöpfung Dabei sind es vor allen meine Hände und eigentlich nur in ihrer Verlängerung auch die Arme, die mir diese tragende Rolle im Leben eines anderen ermöglichen. Immer wieder bewundere ich die Genialität der Hände. Fast die Hälfte der Knochen eines Menschen befindet sich in den beiden Händen. …

Bitte berühren!

Bitte berühren! Mit Feingefühl vom Handschlag zum Händchenhalten… Wo gibt es denn so etwas, ein Schild mit der Aufforderung: „Bitte berühren“? Vielleicht auf einem Erlebnispfad im Wald oder in einem Kinderspiel. Viel häufiger begegne ich in meinem Alltag Schildern mit der gegenteiligen Aufforderung: „Bitte nicht berühren“. In unserer Gesellschaft ist die Berührung mit der Hand als Form der Begrüßung etwas ganz Normales. Üblicherweise berühren wir uns mit den Händen, mit den Handinnenflächen zur Begrüßung. Und auch bei näheren oder intimeren Formen der Begrüßung wie der Umarmung oder dem Kuss ist es üblich, dass ich zunächst mit der Hand mein Gegenüber berühre. Muss ich mich schützen? Die Innenflächen der Hand gehören bei uns Menschen zu den besonders differenzierten Arealen für die Sinneswahrnehmung. Im groben Bereich wird in der Berührung sofort entschieden, ob irgendeine Bedrohung vorliegen kann. Die Mediziner sprechen von der protophatischen  Wahrnehmung. Dies sind insbesondere Meldungen der Temperatur und des Schmerzes, wie bei einer heißen Herdplatte oder einem scharfen Gegenstand. Mit der Wahrnehmung kann ich entscheiden, ob ich meine Hand und meinen Körper besser schützen …

Wenn der Ärger auf den Magen schlägt

Wenn der Ärger auf den Magen schlägt „Das ist mir ganz schön sauer aufgestoßen“ Hin und wieder habe ich diesen unangenehm sauren Geschmack im Mund. Magensäure hat sich wieder nach oben gedrückt und hinterlässt einen unangenehmen Geschmack. Selten passiert mir das, weil ich zu viel Fettiges gegessen habe – solche Speisen mag ich nicht so gerne. Häufiger ist die Ursache, dass ich mich ziemlich geärgert habe über etwas, meistens noch in einer Situation, in der ich meinen Ärger auch nicht äußern konnte. Dann ist der Magen unter Druck geraten. Tatsächlich ist mein Magen wie ein kleiner Tacho für meine Seelenlage. Blähungen oder Druckgefühl kommen meistens nicht wirklich überraschend. Mittlerweile kann ich sie einordnen, denke schmunzelnd: Ach, das hat Dir jetzt doch ganz schön viel ausgemacht. Warum reagiert gerade der Magen auf Stress? Wenn unser Gehirn eine Situation als bedrohlich wahrnimmt, dann meldet es dies an die Nebenniere und die wiederum setzt eine große Menge des Stresshormons Cortisol frei. Das führt dazu, dass die Atmung beschleunigt wird, das Herz schneller schlägt und die Muskulatur durchblutet wird. …

Es muss nicht immer eng werden

Es muss nicht immer eng werden Das Wasser steht mir bis an die Kehle (Psalm 69,14) Halsschmerzen sind unangenehm. Ein Kratzen oder ein Frosch im Hals, ein verspannter Hals oder Nackenschmerzen – davon können viele „ein Lied singen“. Der Hals ist ein überraschend dünner Bereich des Körpers und besonders anfällig für Verletzungen. Sprichwörter und Redewendungen verbinden den Hals und die Kehle gerne mit eher bedrohlichen und gefährlichen Situationen. Ort für lebenswichtige Entscheidungen Genau in der Mitte des Halses, in der Kehle, geschieht die Aufteilung für alle Dinge, die auf natürliche Weise in unseren Körper hineingelangen dürfen. Wenn sich der Kehlkopf hebt, wird der Zugang zur Lunge verschlossen. Speisen und Getränke rutschen hinter dem Schildknorpel durch die Speiseröhre hinab in die Magen. Wenn sich der Kehlkopf senkt, wird der Zugang zu den Stimmbändern und zur Lunge frei. Luft kann in die Lunge einströmen und in der dann folgenden Ausatmung können die Stimmbänder in Schwingung gebracht werden – so können wir sprechen und singen. Damit kommt der Kehle, wie wir es umgangssprachlich sagen, und den vielen Muskeln, …

lachen

Echtes Lachen und wahre Freude

Echtes Lachen und wahre Freude Vor deinem Angesicht ist Freude in Fülle  (Psalm 16,11) Lachen kann total ansteckend sein. In einer lustigen und heiteren Runde fängt einer an zu lachen und irgendwann machen die anderen mit. Am letzten Dienstag im Gottesdienst war es die letzte Strophe des Schlussliedes, die irgendwie alle zum Lachen gebracht hat. Richtig erklären, so merke ich jetzt im Nachhinein, kann ich das eigentlich nicht. Das Lied war bekannt, der Text seit vielen 100 Jahren in den unterschiedlichsten Gesangsbüchern – es war die Situation und ganz offensichtlich das Ansteckende des ersten Lachenden in unserer Hauskirche, das sich wie ein Feuer im ganzen Raum verbreitet hat. „Muskel der Freude“ Dabei musste ich an Guillaume-Benjamin Duchenne denken, den französischen Psychologen des 19. Jahrhunderts, den „Meister des Lachens“ mit seinen ungewöhnlichen Studien. Ihm zu Ehren wird bis heute das echte Lachen als „Duchenne-Lachen“ bezeichnet.  Er erforschte den „Muskel der Freude“, der für das Lächeln zuständig ist. Die Mediziner nennen ihn heute Musculus zygomaticus major (Großer Jochbeinmuskel). Er entspringt am Jochbeinbogen und setzt dann am Mundwinkel …

Der Sprung über die Mauer

Der Sprung über die Mauer Mit meinem Gott über springe ich Mauern (Ps 18) Bei meinem letzten Spaziergang mit der fast fünfjährigen Josephine in die Innenstadt von Hannover wurde kein Kanaldeckel und keine Schachtabdeckung ausgelassen: Mit Anlauf sprang sie über jeden Deckel. Besondere Freude hatte sie an den großen und den doppelten Abdeckungen. Und dadurch war ich natürlich gefragt. An meiner Hand konnte sie viel größere Sprünge machen – ich konnte sie nach dem Absprung noch ein bisschen nach oben ziehen  – und ich konnte auch für eine weiche Landung nach großen Sprüngen sorgen. Das habe ich natürlich gerne getan  – und mitgespielt. Manchmal musste ich selber mitspringen, damit wir zusammen blieben. Das schnelle Wechselspiel der Muskelkontraktion Und natürlich denke ich über das Springen nach: Wann bin ich das letzte Mal so richtig gesprungen? In meinem Alter springt man nicht mehr so leicht. Das Körpergewicht ist größer, der Trainingszustand schlechter, Muskeln, Gelenke und Bänder nicht mehr so geschmeidig  –  und damit die Verletzungsgefahr nicht gering. Springen ist eine ganz besondere Fähigkeit vieler Lebewesen. Eigene Trainingsformen …