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Allergisch sein und allergisch werden

Allergisch sein und allergisch werden Bei diesem schönen Wetter fahre ich gerne mit dem Fahrrad durchs Grüne. Die Spuren auf dem Fußboden, an den Autos und nicht zuletzt an meinem Fahrrad machen es sofort klar: In diesen Wochen sind unendlich viele Pollen in der Luft. Meine Augen jucken und nach einigen Kilometern ist sogar mein Hals gereizt – vor allen Dingen dann, wenn ich mich beim Fahren unterhalte oder so schnell fahre, dass ich nicht mehr ganz durch die Nase atmen kann. Ich habe einige Bekannte mit schweren Allergien und vielen leidvollen Erfahrungen. Zum Glück habe ich keine schwere Allergie und bin bisher immer ohne Histamin hemmende Medikamente ausgekommen, auch wenn mein ärztlicher Allergietest den ein oder anderen positiven Befund hatte. Aus diesem Kontext blicke ich auf das „ein bisschen allergisch sein“. „Jetzt sei doch nicht gleich so allergisch“ Ich erlebe an meinem Körper durchaus Reaktionen auf Blütenpollen. Manchmal sind die Reaktionen kaum merkbar, manchmal empfinde ich sie schon als klare Einschränkung. „Jetzt sei doch nicht gleich so allergisch“, dieser Satz aus unserer Umgangssprache kommt …

„Ganz schön schräg“

„Ganz schön schräg“ „Ganz schön schräg“, sage ich manchmal zu Dingen, die ich im Alltag erlebe. Und wenn ich den Satz genau anschaue, dann merke ich, wie ich alle Worte eigentlich übertragen nutze. Als schräg bezeichne ich etwas, das ich komisch oder befremdlich finde, etwas, das irgendwie nicht so richtig passt. „Ganz schön“ ist ebenfalls relativiert gemeint. Korrekter müsste ich sagen. „ziemlich komisch und befremdlich“. Unterschiedliche Spannungen auf dem Rücken Auch in der Praxis rutscht mir dieser Satz häufiger einmal gegenüber einem Patienten heraus, den ich schon besser kenne und bei dem ich glaube, mir diesen Satz erlauben zu können. Dann meine ich mit diesem Satz üblicherweise den Rücken und die Wirbelsäule. Oft klopfe ich am Beginn der Behandlung ganz leicht den Rücken ab und versuche, aus den unterschiedlichen Tönen unterschiedliche Spannungen auf dem Rücken zu erkennen. Bei manchen Menschen sind die Spannungsunterschiede so groß, dass man bereits auf den ersten Blick sieht: Die Wirbelsäule ist schief. Die Schultern stehen unterschiedlich hoch, der Brustkorb wirkt seitenungleich oder die eine Hand hängt anders als die andere. …

Ein gutes Gefühl im Bauch

Ein gutes Gefühl im Bauch

Ein gutes Gefühl im Bauch Mit Schmunzeln denke ich gerne an eine kleine Begebenheit zurück, als eine Gruppe aus dem benachbarten Kindergarten in der Cella zu Besuch war. Zum Abschied fragte mich ein kleiner Junge, der noch neu im Kindergarten war: „Hast Du auch ein Baby im Bauch?“. Die beiden daneben-stehenden Erzieherinnen konnten ihr Schmunzeln nur mühsam unterdrücken und auch ich habe diesen schönen Satz nicht vergessen. Da war in der Familie wohl Nachwuchs in Sicht und der Junge hatte beobachtet, wie ich liebevoll meine Hand auf meinem Bauch liegen hatte, was ich manchmal einfach gerne tue. Von einem Waschbrettbauch bin ich meilenweit entfernt. Bei mir gibt es eher die liebevollen Rundungen, die den Jungen tatsächlich und auch ganz berechtigt an eine Schwangerschaft erinnern, auch wenn die Ursachen für meine Rundungen natürlich ganz woanders liegen. Das habe ich dem Jungen dann ganz freundlich erklärt und nach einem „ach so“ war die Sache für ihn dann auch erledigt. Ein angespannter Bauch macht schnell auch Bauchschmerzen Seitdem denke ich häufiger über das gute Bauchgefühl nach – das …

Vor-Freude in den Muskeln

Vor-Freude in den Muskeln

Vor-Freude in den Muskeln In den letzten Tagen war ich zu einem runden Geburtstag eingeladen. Und weil ich mich auf das Fest gefreut hatte, hatte ich nicht nur ein Geschenk vorbereitet, sondern auch einen kleinen festlichen Beitrag. Und in den Tagen vor dem Fest entdeckte ich in mir ein Gefühl der „Vorfreude“. Ich merke, dass ich dieses Wort für so altmodisch halte, dass ich es selber eigentlich kaum in den Mund nehmen mochte. Aber dieses besondere Gefühl war da, und irgendwie fällt mir auch keine bessere und treffendere Bezeichnung ein. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll Ich musste dabei an die Geschichte im kleinen Prinzen denken, die dieses Gefühl in so einfachen Worten, aber doch so treffend beschreibt: „Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen“, sagte der Fuchs. „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich …

Vom freudigen Rausch und den Tagen danach

Vom freudigen Rausch und den Tagen danach „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, singen die Karnevalisten im Rheinland und schlafen an den nächsten Tagen ihren Rausch aus. So das gängige Klischee. Gleichzeitig bemüht sich die Kirche, uns Gläubigen klarzumachen, dass es mit dem Aschermittwoch erst so richtig losgeht: das sinnvolle, Gott gefällige Leben, möglichst ohne Alkohol und Süßigkeiten, mit dem wir uns auf Ostern vorbereiten sollen. Als Kind jedenfalls musste ich alle Süßigkeiten, die ich im Straßenkarneval gefangen hatte, in eine große Plastiktüte packen. Die wurde gut verschlossen und erst am Nachmittag des Karsamstags wieder geöffnet. Damit war für mein kindliches Gefühl sehr klar, was am Aschermittwoch vorbei war…. Zeiten, wo man aus sich heraus gehen kann Als gebürtiger Kölner schlägt mein Herz natürlich für den Karneval, dem ich auch als Christ viel abgewinnen kann. „Wenn es Karneval nicht gäbe, müsste man ihn aus psychotherapeutischen Gründen einführen“, so hat der Philosoph und Therapeut Wolfgang Oesler gesagt. Die Psyche des Menschen braucht abgesprochene Zeiten, wo man aus sich heraus gehen kann in eine kleine Mini-Ekstase. Und dazu …

Ich bin ganz Ohr

Ich bin ganz Ohr

Ich bin ganz Ohr Vor einigen Wochen fragte mich ein junger Mensch, der erst seit kurzer Zeit die deutsche Sprache lernt, nach dieser Redewendung. „Was soll das bedeuten, ist das nicht falsches Deutsch“. Ich erzählte ihm, dass diese Redewendung dem Zuhörer signalisieren soll, dass man ihm ganz aufmerksam zuhört. „Aber der war ganz gestresst und ich glaube, er hat mir gar nicht richtig zugehört“, bekam ich als Antwort. Über beides musste ich nachdenken. Natürlich bin ich viel mehr als nur mein Ohr und doch kann ich mit keinem anderen Sinnesorgan so viele Dinge von einem anderen Menschen wahrnehmen wie mit meinem Ohr. Als Stimmtherapeut ist mein Ohr das wichtigste diagnostische Instrument. Liebevolle Zuwendung im Zuhören In der Praxis erlebe ich Menschen, die ganz angefüllt sind mit Eindrücken, die sie mir zunächst erzählen. Tatsächlich bin ich manchmal viele Minuten lang ganz Zuhörer, eigentlich nur Ohr. Eine Antwort oder eine Frage ist völlig unpassend und steht noch nicht an. Umgekehrt kenne ich es auch: Es ist schön und wohltuend, in manchen Situationen einen lieben Menschen zu haben, …

Heilende Berührung

Heilende Berührung Wenn es mir nicht so gut geht, dann ist es manchmal schön, wenn mich ein lieber Mensch berührt: mir eine Hand auf den Bauch legt, wenn es da bei mir rumort, oder eine Hand auf die Schultern legt,  wenn sie verspannt sind. Bei den Schultern ist das manchmal mit ein bisschen kneten und bewegen verbunden, aber eigentlich reicht oft einfache die Hand, die liebevoll und zugleich so intensiv auf einem Körperteil liegt. Manche Bauchschmerzen lassen sich damit bestens vertreiben. Wer traut sich zu heilender Berührung? Allerdings hat die liegende, die ruhende Hand auf dem Körper fast etwas Intimes. Wir trauen uns kaum, jemanden außer dem festen Partner so zu berühren. Sogar wenn wir einen Kranken besuchen, bleibt das oft ein Tabuthema, selbst wenn in uns das Gefühl aufsteigt, dass eine Berührung ganz wohltuend wäre. Die Vorstellungen der klassischen Heilkunst und unseres Gesundheitswesens gehen eher auf klare Medikamente oder aber richtige therapeutische Techniken. Die heilende Berührung durch Hände hat leicht den Geschmack des Esoterischen oder gar des Unseriösen. In meiner Praxis treffe ich aber …

Gut und schön berührt

Gut und schön berührt Ein Handschlag, eine flüchtige oder leichte Umarmung, sie gehören zu unseren Begrüßungsritualen, die wir oft mit vielen Menschen austauschen. Jeder weiß, wie es geht, und so macht man es dann auch. Manchmal ist die Geste aber doch ziemlich festgelegt. Da denke ich beispielsweise an den Friedensgruß in unserer Abtei. Ich erinnere mich an mein erstes Jahr im Kloster, als wir den Friedensgruß „geübt“ haben – um ihm wirklich die Form zu geben, wie es in unserem Kloster üblich sein soll. Der Kopf nach rechts, beide Arme berühren die Arme meines Gegenübers, Annäherung bis zur leichte Berührung des Brustkorbs. Ein bisschen Nähe und eben doch nicht zu viel Nähe. Treffe ich mich mit Kollegen aus meiner Berufsgruppe als Stimmtherapeut, nehmen wir uns auch üblicherweise  „ein bisschen in den Arm“, und doch ist die Art der Berührung irgendwie ganz anders – ohne dass ich die eine oder andere Form als besser oder herzlicher beschreiben wollte. Meine Freunde erkenne ich in der Berührung So viele Facetten gibt es in unseren Begrüßungsritualen: Freunde, die ich …

Wenn die Puste ausgeht

Wenn die Puste ausgeht… – reloaded

Wenn die Puste ausgeht… Als ich am letzten Montag Br. Nikolaus geholfen habe, die kräftigen Wurzeln von einigen unserer alten Bäume und Sträucher im Garten auszugraben, habe ich gemerkt, dass ich doch hin und wieder eine Verschnaufpause brauchte. Mir ist ein bisschen die Puste ausgegangen. Geht Dir auch schon mal die Puste aus? Zugegeben: Ich bin die Gartenarbeit nicht so wirklich gewöhnt. Aber eigentlich war es auch kein Problem, eine kurze Pause, vier oder fünf Atemzüge, und dann ging es weiter mit der Gartenarbeit. Eine ganz normale Erfahrung im Alltag, die ich von mir kenne. Und solange die Puste dann ganz schnell wieder kommt, ist das eigentlich keine weiteren Gedanken wert. Du kennst vielleicht ähnliche Situationen aus Deinem Alltag. Und doch bin ich an diesem Gedanken hängen geblieben: an der Puste, die mir auch im übertragenen Sinne bei manchen Dingen schnell mal ausgeht. Weil der Körper mehr braucht… Es gibt Tätigkeiten und Aufgaben, für die der Körper mehr Sauerstoff als gewöhnlich braucht, Sauerstoff, um ihn in körperliche Energie umzusetzen. Die Muskeln brauchen unter anderem Sauerstoff, …