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Wenn die Nase voll ist

Wenn die Nase voll ist

Zusammen mit dem schönen Wetter der letzten Tage hat bei vielen Menschen auch die Heuschnupfen-Saison begonnen. Die Nase läuft, die Augen brennen, Husten und Räuspern kommt dazu. Wie sehr die Nase mit dem Wohlbefinden zusammenhängt, konnte ich den in den letzten Tagen wieder deutlich spüren. Auch meine Nase war mehr mit Schleim als mit Luft gefüllt und besonders morgens nach dem Aufstehen hatte ich große Mühe, meinen Nasenweg wieder für die Atmung freizubekommen. Wenn auf dem Nasenweg bis zum Riechzentrum viel Schleim ist, dann bleiben die eingearbeiteten Partikel sozusagen in der Nase hängen. Sie kommen gar nicht bis zum Riechzentrum und können überhaupt nicht ausgewertet werden. Dann kann ich nicht richtig riechen und auch nicht richtig schmecken – denn die wichtigsten Informationen zum Geschmack meiner Nahrung liefert ebenfalls die Nase. Indikator für Ärger und Stress So bin ich in diesen Tagen besonders an meiner Nase hängen geblieben und das im doppelten Sinne des Wortes. Unsere Sprache hat viele Redewendungen, die mit der Nase zu tun haben: Ich hab die Nase voll. Meistens sage ich das …

Fühlst Du schon und denkst Du noch?

Eine Möbelkette hatte diesen Satz mit anderen Verben bekannt gemacht. Und immer wieder, meistens zum Spaß, fülle ich diesen Satz mit neuen Verben: Fühlst Du schon oder denkst Du noch. Manchmal auch: Glaubst Du noch oder fühlst Du schon. Mir passiert das meistens in Situationen in der Praxis. Da bitte ich die Patienten häufig, den eigenen Körper oder die eigene Stimme wahrzu-nehmen und ihre Wahrnehmung zu beschreiben. Besonders in den ersten Therapieeinheiten fällt das manchen Menschen gar nicht leicht. Und dann bekomme ich beispielsweise Antworten wie: „Bestimmt ist meine linke Seite heute wieder angespannter als die rechte Seite.“ Manchmal vermute ich dann, dass mein Patient sich vor allen Dingen gut gemerkt hat, was ich in der letzten Therapie gesagt habe – aber leider nicht, wie ich es gewünscht hatte, in seinen Körper gespürt hat. Manche sagen dann auch ganz spontan: „Ich glaube, meine linke Seite ist angespannt.“ Auch bei einer solchen Antwort versuche ich natürlich, genau zu erkennen, welche Bedeutung hinter diesem „ich glaube“ steht. Und manchmal ist in diesem Kontext die Bedeutung von „ich …

Passt schon!

Seit fünf Wochen leben nun mit Bruder Cyprian und Bruder Victor zwei Brüder aus Tansania in der Cella und lernen fleißig Deutsch. Und ich lerne kräftig mit. Zum einen kann ich mein Englisch wieder aufpolieren, wenn es darum geht, manche Dinge und Absprachen zu treffen, die auf Deutsch noch nicht funktionieren. Aber ich lerne auch viel über meine eigene Muttersprache: Dinge, die mir erst auffallen, wenn ich sie erklären soll – und dann irgendwie gar nicht richtig erklären kann. Passt schon! ist eine solche Wortverbindung, bei der man fast verzweifeln kann, wenn man einem nicht Muttersprachler den Sinn dieser Worte nahe bringen will. Bedeutungen wie: Habe ich doch gerne gemacht, bitte schön, kein Problem, nicht der Rede wert, aber auch: Lass mal gut sein, habe ich keine Lust mehr, darüber zu reden, mach da nicht so einen Aufstand draus, kann dieser Satz je nach Kontext bedeuten. Wenn die Chemie stimmt Noch vor gar nicht langer Zeit wurde die Aussage: „Das passt schon“eher für frisch Verliebte gebraucht, und zwar meistens von den Außenstehenden, die beobachtet hatten, …

In Sicherheit und gefühlt sicher

In Sicherheit und gefühlt sicher

In Sicherheit und gefühlt sicher Sicherheit ist eine Grundsehnsucht des Menschen. Schon als Kind brauchen wir für unsere Entwicklung Sicherheit. In der Nähe der Eltern lernen wir üblicherweise dieses Urvertrauen, dass für unsere Entwicklung so entscheidend ist. Aber auch Jahrzehnte später, als Erwachsene, reagieren wir oft sehr sensibel und ängstlich, wenn unsere gefühlte Sicherheit gestört wird. Ein Datenleck, ein möglicher Hacker-Angriff, wie wir es in diesen Tagen erlebt haben – und schon fühlen sich Menschen mit ihren persönlichen Daten im Internet unsicher. Zuständige Politiker sind herausgefordert, große Programme zu entwerfen und der ganzen Bevölkerung in diesem Bereich mehr Sicherheit zu versprechen. Wenige Tage zuvor waren es noch prügelnde Jugendliche, die vermeintlich das Sicherheitsgefühl vieler Menschen beeinträchtigt haben und zum Teil die gleichen Politiker herausgefordert haben, mit neuen Programmen zu diesem Thema für mehr Sicherheit zu sorgen. Was brauche ich, um sicher zu sein? Was brauche ich, um mich sicher zu fühlen? Die allermeisten Menschen unserem Land werden bei ehrlichem Nachdenken allerdings feststellen, dass ihnen in den letzten Tagen weder prügelnde Jugendliche begegnet sind noch irgendwelche …

Stress lass nach

Stress, lass nach…

Stress, lass nach… „Ist es bei Ihnen auch so schlimm vor Weihnachten“, wurde ich in den letzten Tagen häufiger gefragt. Meistens schließt sich an diese mitleidsvolle Frage auch gleich der Jammer an, wie stressig die Adventszeit gerade wieder ist. Und tatsächlich könnte ich problemlos in diese Klage einstimmen: In der Winterzeit ist die Praxis deutlich voller, im Kloster gibt es viel mehr Dinge vorzubereiten, in der Verwaltung ist der Jahresabschluss vorzubereiten – die Liste ließe sich fast beliebig verlängern. Also der echte „Advents-Stress“. Allein dieses zusammengesetzte Wort hat im tiefsten Sinne etwas Antagonistisches. Stress ist körperlich gesehen eine Notfallreaktion, die uns befähigt Auseinandersetzungen mit einer Gefahrensituation gut bestehen zu können. Advent ist eigentlich eine Zeit des Wartens auf die Ankunft des Erlösers. Da sollte uns doch überhaupt keine Gefahr drohen – ganz im Gegenteil. Der vererbte Schutzmechanismus Theoretisch alles klar –  und doch kennen viele in diesen Tagen die körperlichen Erfahrungen von Anspannung und Belastung. Der Körper reagiert wie bei Gefahr. Diese Gewohnheit hat der Mensch seit vielen Tausenden von Jahren erlernt und bewahrt. Hormone …

Tränen

Gesammelte Tränen

Gesammelte Tränen Tod, Trauer und Tränen gehören ein Stück zum November. Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag sind Tage des gemeinsamen Erinnerns. Zwei weitere Jubiläen intensivieren in diesem Jahr den Eindruck: der 100. Jahrestag des Waffenstillstandes nach dem Ersten Weltkriegs und der 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. Wie viel Schmerz, wie viel Leid und wie viele Tränen haben allein die beiden letzten Ereignisse in unserer Welt ausgelöst. Ich weine selten – und bin damit im guten Durchschnitt für Männer in unserem Land. Bei einer Forschungsumfrage unter 2000 erwachsenen Frauen und Männern in Deutschland gaben 43 % an, im letzten Jahr mindestens einmal geweint zu haben. Frauen heben da klar den Schnitt, bei ihnen sind es 83 %; leicht steigende Tendenz in den letzten Jahrzehnten. Dieser Unterschied entwickelt sich allerdings kulturell. Bis zum 13. Lebensjahr weinen Jungen und Mädchen gleich häufig, erst danach sind signifikante Unterschiede zu erkennen. Emotionale Tränen sind etwas zutiefst Menschliches Tiere vergießen keine Tränen. Emotionale Tränen sind etwas zutiefst Menschliches, sie offenbaren die Gefühle eines Menschen. Manchmal sind wir traurig oder gerührt, verzweifelt oder …

Guten Appetit! Ernten und Essen

Guten Appetit! Ernten und Essen

Guten Appetit! Ernten und Essen Am Sonntag haben wir in unseren Kirchen Erntedank gefeiert. In vielen Gemeinden, auch in einer Großstadt wie Hannover, gibt es oft klare Traditionen und Gewohnheiten für dieses Fest. Teilweise wird der Altar mit verschiedenen Früchten geschmückt und ein besonderer Segen über die Gaben gesprochen. Fast vergessen in all diesem liturgischen „business as usual“ sind die Zeitungsmeldungen, die uns noch vor sechs Wochen beschäftigt haben: Die Bundesregierung sagte den Bauern in dieser Erntesaison eine Nothilfe in Höhe von 340 Millionen Euro wegen der erheblichen Dürreschäden zu und stufte das warme Wetter in diesem Jahr als „Schadensereignis von nationalem Ausmaß“ ein. Die errechnete Schadenssumme soll sogar bei dem doppelten Betrag liegen. Die Ernte bestimmte, ob ich satt werde Über viele Jahrhunderte prägt die Ernte eines Jahres auch im Wesentlichen die Speisen, die ich in der nächsten Zeit essen konnte. Früher hätte also eine solche Ernte auch Hunger und Not zur Folge gehabt. Von dieser Erfahrung sind alle biblischen Hinweise zur Ernte geprägt und sicherlich auch unsere Gewohnheiten des Erntedank. Für mich als …

Schlafe selig und süß…

Schlafe selig und süß… Als abendlichen Gruß verwende ich ihn ganz selbstverständlich: Gute Nacht! und für etwas vertrautere Menschen auch in der Variante: Schlaf gut! Abends summe ich für mich alleine auch die Melodie aus dem Gute-Nacht-Lied von Johannes Brahms „Guten Abend, gut Nacht“: „Schlafe selig und süß, schau im Traum ´s Paradies“. Ich bin froh und dankbar, dass ich überwiegend gut schlafen kann. Freunde lächeln manchmal über mein „Verfallsdatum“, das irgendwo so gegen 23:00 Uhr liegt. Dann werde ich so müde und unkommunikativ, dass ich auf Feiern eigentlich nicht mehr zu gebrauchen bin und dann am besten auch ins Bett gehe. Bei meinem doch seit Jahrzehnten ziemlich gleichmäßigen Lebensrhythmus ist das natürlich kein großes Wunder. Aber natürlich kenne ich viele Menschen, die große Mühe haben, abends gut einzuschlafen, und vor allen Dingen Probleme haben, in der Nacht, im Schlaf wirklich Entspannung und Erholung zu finden. Das schien irgendwie schon immer ein wichtiges Thema zu sein. Auch in unseren Psalmen, die wir in der Cella immer wieder singen, finden sich manche Verse zum entspannten Schlafen: …

Im Schweiße meines Angesichts

Im Schweiße meines Angesichts Ich bin ein Mensch, der die Wärme liebt. Von daher kann ich das herrliche Wetter und auch die Temperaturen größtenteils einfach nur genießen. Aber sie bringen mich natürlich auch mit einem Anteil meines Körpers in Kontakt, die ich sonst selten so unerbittlich erlebe: mit meinem Schweiß. Alles fließt, alles klebt – ob ich sitze, stehe oder gehe. Und so manches Mal musste ich an den Fluch über Adam und Eva denken, der am Anfang der Bibel steht und den auch viele überhaupt nicht mehr kirchlich orientierte Menschen als Redewendung gut kennen: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen. So steht es in der Schöpfungsgeschichte im ersten Buch der Bibel. Die natürlichste Klimaanlage der Welt Mediziner sind da ganz anderer Meinung. Für sie ist der Schweiß ein wirklicher Segen für uns, er ist sozusagen die natürlichste Klimaanlage der Welt, sie funktioniert Tag und Nacht, genau nach Bedarf. Denn die Hitze kann innere Organe und vor allen Dingen die hochempfindlichen Gehirnzellen beeinträchtigen und schädigen. Beim Schwitzen entsteht eine Verdunstungskälte und dadurch …