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Ein gutes Gefühl im Bauch

Ein gutes Gefühl im Bauch

Ein gutes Gefühl im Bauch Mit Schmunzeln denke ich gerne an eine kleine Begebenheit zurück, als eine Gruppe aus dem benachbarten Kindergarten in der Cella zu Besuch war. Zum Abschied fragte mich ein kleiner Junge, der noch neu im Kindergarten war: „Hast Du auch ein Baby im Bauch?“. Die beiden daneben-stehenden Erzieherinnen konnten ihr Schmunzeln nur mühsam unterdrücken und auch ich habe diesen schönen Satz nicht vergessen. Da war in der Familie wohl Nachwuchs in Sicht und der Junge hatte beobachtet, wie ich liebevoll meine Hand auf meinem Bauch liegen hatte, was ich manchmal einfach gerne tue. Von einem Waschbrettbauch bin ich meilenweit entfernt. Bei mir gibt es eher die liebevollen Rundungen, die den Jungen tatsächlich und auch ganz berechtigt an eine Schwangerschaft erinnern, auch wenn die Ursachen für meine Rundungen natürlich ganz woanders liegen. Das habe ich dem Jungen dann ganz freundlich erklärt und nach einem „ach so“ war die Sache für ihn dann auch erledigt. Ein angespannter Bauch macht schnell auch Bauchschmerzen Seitdem denke ich häufiger über das gute Bauchgefühl nach – das …

Vor-Freude in den Muskeln

Vor-Freude in den Muskeln

Vor-Freude in den Muskeln In den letzten Tagen war ich zu einem runden Geburtstag eingeladen. Und weil ich mich auf das Fest gefreut hatte, hatte ich nicht nur ein Geschenk vorbereitet, sondern auch einen kleinen festlichen Beitrag. Und in den Tagen vor dem Fest entdeckte ich in mir ein Gefühl der „Vorfreude“. Ich merke, dass ich dieses Wort für so altmodisch halte, dass ich es selber eigentlich kaum in den Mund nehmen mochte. Aber dieses besondere Gefühl war da, und irgendwie fällt mir auch keine bessere und treffendere Bezeichnung ein. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll Ich musste dabei an die Geschichte im kleinen Prinzen denken, die dieses Gefühl in so einfachen Worten, aber doch so treffend beschreibt: „Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen“, sagte der Fuchs. „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich …

Vom freudigen Rausch und den Tagen danach

Vom freudigen Rausch und den Tagen danach „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, singen die Karnevalisten im Rheinland und schlafen an den nächsten Tagen ihren Rausch aus. So das gängige Klischee. Gleichzeitig bemüht sich die Kirche, uns Gläubigen klarzumachen, dass es mit dem Aschermittwoch erst so richtig losgeht: das sinnvolle, Gott gefällige Leben, möglichst ohne Alkohol und Süßigkeiten, mit dem wir uns auf Ostern vorbereiten sollen. Als Kind jedenfalls musste ich alle Süßigkeiten, die ich im Straßenkarneval gefangen hatte, in eine große Plastiktüte packen. Die wurde gut verschlossen und erst am Nachmittag des Karsamstags wieder geöffnet. Damit war für mein kindliches Gefühl sehr klar, was am Aschermittwoch vorbei war…. Zeiten, wo man aus sich heraus gehen kann Als gebürtiger Kölner schlägt mein Herz natürlich für den Karneval, dem ich auch als Christ viel abgewinnen kann. „Wenn es Karneval nicht gäbe, müsste man ihn aus psychotherapeutischen Gründen einführen“, so hat der Philosoph und Therapeut Wolfgang Oesler gesagt. Die Psyche des Menschen braucht abgesprochene Zeiten, wo man aus sich heraus gehen kann in eine kleine Mini-Ekstase. Und dazu …

Ich bin ganz Ohr

Ich bin ganz Ohr

Ich bin ganz Ohr Vor einigen Wochen fragte mich ein junger Mensch, der erst seit kurzer Zeit die deutsche Sprache lernt, nach dieser Redewendung. „Was soll das bedeuten, ist das nicht falsches Deutsch“. Ich erzählte ihm, dass diese Redewendung dem Zuhörer signalisieren soll, dass man ihm ganz aufmerksam zuhört. „Aber der war ganz gestresst und ich glaube, er hat mir gar nicht richtig zugehört“, bekam ich als Antwort. Über beides musste ich nachdenken. Natürlich bin ich viel mehr als nur mein Ohr und doch kann ich mit keinem anderen Sinnesorgan so viele Dinge von einem anderen Menschen wahrnehmen wie mit meinem Ohr. Als Stimmtherapeut ist mein Ohr das wichtigste diagnostische Instrument. Liebevolle Zuwendung im Zuhören In der Praxis erlebe ich Menschen, die ganz angefüllt sind mit Eindrücken, die sie mir zunächst erzählen. Tatsächlich bin ich manchmal viele Minuten lang ganz Zuhörer, eigentlich nur Ohr. Eine Antwort oder eine Frage ist völlig unpassend und steht noch nicht an. Umgekehrt kenne ich es auch: Es ist schön und wohltuend, in manchen Situationen einen lieben Menschen zu haben, …

Heilende Berührung

Heilende Berührung Wenn es mir nicht so gut geht, dann ist es manchmal schön, wenn mich ein lieber Mensch berührt: mir eine Hand auf den Bauch legt, wenn es da bei mir rumort, oder eine Hand auf die Schultern legt,  wenn sie verspannt sind. Bei den Schultern ist das manchmal mit ein bisschen kneten und bewegen verbunden, aber eigentlich reicht oft einfache die Hand, die liebevoll und zugleich so intensiv auf einem Körperteil liegt. Manche Bauchschmerzen lassen sich damit bestens vertreiben. Wer traut sich zu heilender Berührung? Allerdings hat die liegende, die ruhende Hand auf dem Körper fast etwas Intimes. Wir trauen uns kaum, jemanden außer dem festen Partner so zu berühren. Sogar wenn wir einen Kranken besuchen, bleibt das oft ein Tabuthema, selbst wenn in uns das Gefühl aufsteigt, dass eine Berührung ganz wohltuend wäre. Die Vorstellungen der klassischen Heilkunst und unseres Gesundheitswesens gehen eher auf klare Medikamente oder aber richtige therapeutische Techniken. Die heilende Berührung durch Hände hat leicht den Geschmack des Esoterischen oder gar des Unseriösen. In meiner Praxis treffe ich aber …

Gut und schön berührt

Gut und schön berührt Ein Handschlag, eine flüchtige oder leichte Umarmung, sie gehören zu unseren Begrüßungsritualen, die wir oft mit vielen Menschen austauschen. Jeder weiß, wie es geht, und so macht man es dann auch. Manchmal ist die Geste aber doch ziemlich festgelegt. Da denke ich beispielsweise an den Friedensgruß in unserer Abtei. Ich erinnere mich an mein erstes Jahr im Kloster, als wir den Friedensgruß „geübt“ haben – um ihm wirklich die Form zu geben, wie es in unserem Kloster üblich sein soll. Der Kopf nach rechts, beide Arme berühren die Arme meines Gegenübers, Annäherung bis zur leichte Berührung des Brustkorbs. Ein bisschen Nähe und eben doch nicht zu viel Nähe. Treffe ich mich mit Kollegen aus meiner Berufsgruppe als Stimmtherapeut, nehmen wir uns auch üblicherweise  „ein bisschen in den Arm“, und doch ist die Art der Berührung irgendwie ganz anders – ohne dass ich die eine oder andere Form als besser oder herzlicher beschreiben wollte. Meine Freunde erkenne ich in der Berührung So viele Facetten gibt es in unseren Begrüßungsritualen: Freunde, die ich …

Wenn die Puste ausgeht

Wenn die Puste ausgeht… – reloaded

Wenn die Puste ausgeht… Als ich am letzten Montag Br. Nikolaus geholfen habe, die kräftigen Wurzeln von einigen unserer alten Bäume und Sträucher im Garten auszugraben, habe ich gemerkt, dass ich doch hin und wieder eine Verschnaufpause brauchte. Mir ist ein bisschen die Puste ausgegangen. Geht Dir auch schon mal die Puste aus? Zugegeben: Ich bin die Gartenarbeit nicht so wirklich gewöhnt. Aber eigentlich war es auch kein Problem, eine kurze Pause, vier oder fünf Atemzüge, und dann ging es weiter mit der Gartenarbeit. Eine ganz normale Erfahrung im Alltag, die ich von mir kenne. Und solange die Puste dann ganz schnell wieder kommt, ist das eigentlich keine weiteren Gedanken wert. Du kennst vielleicht ähnliche Situationen aus Deinem Alltag. Und doch bin ich an diesem Gedanken hängen geblieben: an der Puste, die mir auch im übertragenen Sinne bei manchen Dingen schnell mal ausgeht. Weil der Körper mehr braucht… Es gibt Tätigkeiten und Aufgaben, für die der Körper mehr Sauerstoff als gewöhnlich braucht, Sauerstoff, um ihn in körperliche Energie umzusetzen. Die Muskeln brauchen unter anderem Sauerstoff, …

Berühren lernen und verstehen können

Berühren lernen und verstehen können Wenn Babys die Welt um sich herum entdecken wollen, dann nehmen sie Gegenstände wie selbstverständlich in den Mund. Die Augen können noch nicht so scharf sehen und auch die Finger müssen das feine Tasten noch lernen. Wenn ein kleines Kind also etwas intensiv erkunden möchte, dann kann es das nur mit dem Mund. Mit diesem Tastsinn bekommt das Kind eine Vorstellung von Form, Größe, Oberflächenbeschaffenheit und Festigkeit des Gegenstandes, zusätzlich natürlich auch von Geschmack und Geruch. Vielleicht ist der Gegenstand warm oder kalt, vielleicht gibt es einen Schmerz, weil der Gegenstand hart oder spitz ist. Und im Normalfall lernt das Kind aus der Berührung des Gegenstandes, wie es zukünftig mit diesem Gegenstand umgehen will und welche Bedeutung dieser Gegenstand in seinem Leben haben kann. Alles mit dem Mund So haben wir alle angefangen, unsere Umwelt zu entdecken – oft zum Schrecken unserer Eltern, die uns ermahnen, nicht alles in den Mund zu nehmen. Erst wenn wir größer sind, lernen wir, mit unseren Fingern und insgesamt mit der Haut Gegenstände wahrzunehmen …

Eine Hand, die mich hält

Eine Hand, die mich hält Ein kleines Kind schreit, da kommt ein lieber und dem Kind vertrauter Mensch – häufig die Mutter – nimmt das Kind auf den Arm. Und das Kind hört auf zu schreien, wird ruhig. Eine bekannte Situation, die ich oft erlebt habe. Ich muss zugeben, dass ich mich nicht wirklich erinnern kann, wie meine Mutter oder mein Vater mich auf den Arm genommen haben. Aber wenn ich alte Fotos anschaue, die mich als Baby in den Armen meiner Eltern zeigen, dann entstehen in mir bis heute diese Gefühle von „auf Händen getragen sein“. Jetzt bin ich manchmal in der umgekehrten Situation, darf ein mir vertrautes Kind in den Arm nehmen, es trösten und wieder in die Ruhe bringen. Die Hand, ein Wunderwerk der Schöpfung Dabei sind es vor allen meine Hände und eigentlich nur in ihrer Verlängerung auch die Arme, die mir diese tragende Rolle im Leben eines anderen ermöglichen. Immer wieder bewundere ich die Genialität der Hände. Fast die Hälfte der Knochen eines Menschen befindet sich in den beiden Händen. …

Bitte berühren!

Bitte berühren! Mit Feingefühl vom Handschlag zum Händchenhalten… Wo gibt es denn so etwas, ein Schild mit der Aufforderung: „Bitte berühren“? Vielleicht auf einem Erlebnispfad im Wald oder in einem Kinderspiel. Viel häufiger begegne ich in meinem Alltag Schildern mit der gegenteiligen Aufforderung: „Bitte nicht berühren“. In unserer Gesellschaft ist die Berührung mit der Hand als Form der Begrüßung etwas ganz Normales. Üblicherweise berühren wir uns mit den Händen, mit den Handinnenflächen zur Begrüßung. Und auch bei näheren oder intimeren Formen der Begrüßung wie der Umarmung oder dem Kuss ist es üblich, dass ich zunächst mit der Hand mein Gegenüber berühre. Muss ich mich schützen? Die Innenflächen der Hand gehören bei uns Menschen zu den besonders differenzierten Arealen für die Sinneswahrnehmung. Im groben Bereich wird in der Berührung sofort entschieden, ob irgendeine Bedrohung vorliegen kann. Die Mediziner sprechen von der protophatischen  Wahrnehmung. Dies sind insbesondere Meldungen der Temperatur und des Schmerzes, wie bei einer heißen Herdplatte oder einem scharfen Gegenstand. Mit der Wahrnehmung kann ich entscheiden, ob ich meine Hand und meinen Körper besser schützen …