Glossar

Vesper

Die Vesper ist das feierliche Abendlob der Kirche. Die Sonne geht unter, bis vor wenigen Jahrzehnten war damit ganz natürlich für die Menschen auch die Arbeit des Tages beendet. Es ist die Zeit, alles wieder in die Ruhe, in die Stille zu führen. Die Ruhe der Nacht schenkt uns neue Kraft, sie hilft uns, in heiterer Gelassenheit die Enttäuschungen und Wiedersprüche des letzten Tages hinter uns zu lassen. Lichter (Kerzen) werden angezündet und lenken unseren Blick auf Christus das wahre Licht. Mit dem Licht der Kerze als Erinnerung richten wir uns auf und erwarten Christus, bis er wiederkommen wird in Herrlichkeit.

Gestaltet wird diese Gebetszeit mit Psalmen, Liedern aus der heiligen Schrift, wie sie vor allem im Buch der Psalmen gesammelt sind und vom Volk Israel teilweise bereits vor über 2000 Jahren gesungen werden. Mit diesen Gesängen hat Jesus selber schon gebetet. Eine Lesung aus dem neuen Testament, der Lobgesang der Maria (Magnifikat) und das Gebet des Herrn (Vater unser) sind weitere wichtige Elemente.

Aufbau und Entstehung

Die Vesper wurde ursprünglich zum Aufgang des Abendsterns gesungen. Der Name entstand aus dem lateinischen „vespera“ und bezeichnet eigentlich nur die Abendstunde. Christen erinnern sich in dieser Gebetszeit besonders an den Gründdonnerstag, an das letzte Abendmahl Jesus mit seinen Jüngern vor seinem Tod.
Der Aufbau gleicht dem der Laudes. In der Cella Sankt Benedikt ist die Vesper am Dienstag und am Donnerstag mit der Eucharistiefeier verbunden. Dann werden drei Psalmen aus der Vesper gesungen, dann folgt der Wortgottesdienst ab dem Tagesgebet.  Das neutestamentliche Canticum folgt als Danksagung nach der Kommunion. In der Vesper am Samstagabend feiern wir den Beginn des Sonntags und der neuen Woche mit einem Lichtgesang (Lucernarium), dessen Text Φως ίλαρόν (phos hilaron) auf das fünfte Jahrhundert zurückgeht.